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Ratgeber Allergie
29. Dezember 2008, 15:20 Uhr

Reagenzglas statt Tierversuch

Stoffe aus unserer Umwelt sollen für Allergiker sicherer werden. Bisher konnte man das nur mit Tierversuchen testen. Doch Alternativen sind in Sicht.

Zoom
Allergie, Lunge, Immunsystem, Armin Braun, Tierversuche

© amana images/Getty Images

Ein europäisches Forschungsprojekt sucht nach Alternativen, um chemische Substanzen auf ihr Allergierisiko zu testen. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (Item) in Hannover haben nun ein Verfahren entwickelt, bei dem nicht mehr lebende Tiere belastende Stoffe einatmen müssen. Die Forscher können die Wirkung der Substanzen nun an Gewebeproben aus Lungen prüfen. Zwar müssen dafür auch Tiere sterben, doch ihnen bleiben die Versuche bei lebendigem Leib erspart. Zudem können an Proben aus einer Lunge, die präzise in Scheiben geschnitten wird, rund 50 Tests laufen. Die Atmungsorgane stammen von Nagetieren.

Getestet werden etwa Stoffe aus Waschmitteln. Die Wissenschaftler mischen die Gewebeproben mit diesen Stoffen und schauen, wie die Zellen reagieren. Welche Gene in den Zellen sind besonders aktiv und welche Eiweißstoffe werden vermehrt produziert? Sind welche dabei, die bei Immunreaktionen wichtig sind? So lauten die Fragen der Forscher.

Ausschnitt steht für das Ganze

Obwohl es sich nur um ein Gewebestück handelt, können Wissenschaftler daraus Schlüsse ziehen, wie der gesamte Körper darauf reagieren würde: "Da es sich bei den Proben um ganze Gewebeschnitte handelt, können wir physiologische Vorgänge im natürlichen Zellverband beobachten, ähnlich wie es bei einer Immunantwort im Körper der Fall ist", sagt Projektleiter Armin Braun. Die Lungenzellen stehen zudem immer am Anfang einer möglichen allergischen Reaktion, da sie zuerst Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen haben. Sie sind also die Initiatoren.

Bis Ende 2009 solle das Verfahren soweit ausgreift sein, dass mit Studien für eine offizielle Zulassung begonnen werden könne, sagt Braun. Diese Phase wird dann aber noch - ähnlich wie bei der Entwicklung von Arzneistoffen - bis zu zehn Jahre dauern.

Was am Eingang passiert

Eintrittspforte für Allergene sind vor allem die Haut und die Lunge. Kontakt mit sensibilisierenden Substanzen über die Lunge kann beispielsweise zu Asthma oder Heuschnupfen führen. Substanzen zu testen, die Allergien verursachen, ist immens wichtig. Denn weltweit leiden immer mehr Menschen daran. Dies ist auch ein Grund, warum die Europäische Union beschlossen hat, dass sämtliche Chemikalien neu bewertet werden müssen. Eine entsprechende Verordnung trat im Sommer vergangenen Jahres in Kraft. Es gibt viele Substanzen, die schon lange im Umlauf sind - und bei denen immer noch nicht klar ist, welches Risiko für eine Allergie sie bergen.

Sandra Jessel

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