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Ratgeber Allergie

25. Juni 2007, 14:15 Uhr

Risiko am Arbeitsplatz

Reinigungsmittel, Latexhandschuhe, Lösungsdämpfe - jeder siebte Erwachsene leidet irgendwann in seinem Leben an einer berufsbedingten Allergie. Über neue Erkenntnisse berichtet Prof. Peter Elsner.

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Die Lunge ist ein wichtiges Kontaktorgan mit der Umwelt, dort zeigen sich oft Allergien(Corbis)

Nimmt die Zahl berufs- und umweltbedingter Allergien zu?
Insgesamt stellen wir weltweit immer mehr Allergien fest. Das gilt vor allem für Heuschnupfen und allergisches Asthma. An berufsbedingten Allergien erkranken jedes Jahr in Deutschland 15.000 bis 20.000 Menschen. Die Zahl dieser gemeldeten Fälle ist über mehrere Jahre konstant. Es gibt aber wahrscheinlich eine große Dunkelziffer, weil viele Patienten nicht zum Arzt gehen. Und selbst wenn sie zum Arzt gehen, möchten doch viele nicht, dass ihre Krankheit gemeldet wird - aus Sorge, dann den Arbeitsplatz zu verlieren.

Beim zweiten Weltkongress zu berufs- und umweltbedingten Allergien in Weimar haben Haut- und Lungenärzte gemeinsam getagt. Warum?
Wir werfen so den Blick über den Gartenzaun. Wie die Haut ist auch die Lunge ein wichtiges Kontaktorgan mit der Umwelt. Allergien zeigen sich häufig nicht nur an der Haut, sondern auch an der Lunge. Bei der berufsbedingten Latexallergie zum Beispiel vertragen die Betroffenen Proteine aus Latexhandschuhen oder anderen Latexartikeln nicht. Die Haut schwillt an und es bilden sich Quaddeln. Gleichzeitig können Atemwegsprobleme auftreten wie ein allergischer Schnupfen oder ein allergisches Asthma.

Deshalb ist es für die Patienten wichtig, dass sich Ärzte aus den unterschiedlichen Fachrichtungen austauschen und dann gemeinsam nach den besten Therapiemöglichkeiten suchen. Eine wichtige neue Erkenntnis: Seit Ärzte und Pflegekräfte vor allem ungepuderte Latexhandschuhe verwenden, gelangt viel weniger Allergen in die Luft und die Zahl der Krankheitsfälle ist in Deutschland deutlich zurückgegangen.

Gibt es neue Erkenntnisse, von denen Patienten künftig profitieren können?
Wir haben auf dem Kongress viele kleine Fortschritte erfahren. Der Informationsverbund deutscher Hautkliniken hat beispielsweise eine Studie mit mehr als 500 Patienten vorgestellt. Darin hat man die Allergien bei Reinigungspersonal untersucht. Das Ergebnis: Meist sind es gar keine echten Allergien, sondern nichtallergische Hautreizungen. Immerhin jeder Dritte hatte eine Allergie.

Auslöser sind dann vor allem Gummihilfsstoffe, die in Handschuhen oder Reinigungsutensilien vorkommen. Auch die Konservierungs- und Desinfektionsstoffe in den Reinigungsmitteln führen häufig zu einer Allergie. Diese Erkenntnisse helfen uns Allergologen, Patienten viel gezielter zu untersuchen. Ein weiteres wichtiges Forschungsergebnis sind die jetzt gefundenen Gendefekte bei Neurodermitis.

Was kann man tun, um die Situation für die Betroffenen zu verbessern?
Es gibt bereits eine Vielzahl von Angeboten. Einige Projekte haben das Ziel, dass die Haut im Beruf gesund bleibt. So lernen Auszubildende in hautbelasteten Berufen wie Krankenschwestern schon in einigen Berufsschulen, wie sie Hautkrankheiten von vornherein vermeiden können. Das müsste flächendeckend in die Lehrpläne aufgenommen werden und nicht nur wie bisher an einzelnen Schulen.

Die sekundäre Prävention mit dem so genannten Hautarztverfahren funktioniert in Deutschland sehr gut, wie wir anhand von Daten aus 40 Ländern sehen konnten. Dieses Verfahren sieht vor, dass sich alle Patienten mit einer möglichen berufsbedingten Hautkrankheit bei einem Hautarzt vorstellen. Die entsprechende Berufsgenossenschaft beauftragt dann diesen Hautarzt, die Beschwerden genau zu untersuchen, zu behandeln und der möglichen Berufskrankheit vorzubeugen.

Dabei ist es wichtig, dass die Untersuchungen möglichst frühzeitig erfolgen. Nur dann kann man verhindern, dass sich die Krankheit verschlimmert oder dass sie überhaupt ausbricht. Gegenwärtig starten die Berufsgenossenschaften eine Aufklärungskampagne, um das Hautarztverfahren noch stärker bekanntzumachen.

Ständig kommen neue Produkte auf den Markt. Gerade für Menschen mit einer berufsbedingten Allergie ist es wichtig, darin enthaltene Allergene frühzeitig zu entdecken. Häufig lässt sich das nur im Tierversuch feststellen. Gibt es versuchstierfreie Testverfahren?
Wissenschaftler aus den Niederlanden und aus Großbritannien haben uns neue Verfahren vorgestellt, die mit Immunzellen arbeiten. Diese Zellen werden mit Allergenen zusammengebracht. Je nachdem, wie die Zellen reagieren, können die Forscher heute schon Allergien von nichtallergischen Reaktionen unterscheiden.

Zukunftsmusik sind noch Testmethoden mit künstlich gezüchteter Haut, die sogenannte Langerhanszellen enthalten. Das sind spezialisierte Immunzellen, die ebenfalls auf Allergene reagieren. Bislang ist es allerdings noch nicht gelungen, damit fettlösliche Allergene zu untersuchen. Es bleibt nicht viel Zeit, diese versuchtierfreien Verfahren zu entwickeln: Spätestens ab dem Jahr 2013 werden Tierversuche für Kosmetika in der Europäischen Union nicht mehr erlaubt sein.

Prof. Dr. Peter Elsner leitet die Hautklinik des Universitätsklinikums Jena. Er hat mit seinem Team den 2. Weltkongress zu berufs- und umweltbedingten Allergien organisiert. Der Kongress fand 13. bis 16. Juni 2007 in Weimar statt

Die Fragen stellte Arnd Schweitzer

 
 
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