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Ratgeber Allergie

17. August 2007, 14:18 Uhr

Helfen Wirkstoffe aus der Cannabispflanze?

Was beim Kiffen den Rausch erzeugt, vermindert im Tierexperiment allergische Hautreaktionen: Tetrahydrocannabinol, den Wirkstoff aus der Cannabispflanze, haben Forscher der Universität Bonn erfolgreich bei Mäusen mit einer allergischen Kontaktdermatitis getestet. Die Ergebnisse erschienen im Wissenschaftsmagazin "Science".

Ein Forscherteam fand heraus, dass Endocannabinoide eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsvorgängen spielen (Colourbox.com)

Die Bonner Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie sogenannte Endocannabinoide. Diese körpereigenen Substanzen sind dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) sehr ähnlich. Das Forscherteam fand heraus, dass Endocannabinoide eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsvorgängen spielen.

Dazu docken die Substanzen genau wie THC an bestimmte Rezeptoren an, die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Sie sitzen auf verschiedenen Körperzellen. Im Gehirn zum Beispiel löst THC so die berauschende Wirkung von Haschisch, Hanf und Marihuana aus. "Mäuse ohne CB1-Rezeptoren zeigen psychische Auffälligkeiten", erklärt Andreas Zimmer vom Bonner Institut für Molekulare Psychiatrie. "CB2 reguliert dagegen beispielsweise das Wachstum von Knochen."

Zufall stand Pate

Wie so oft bei wichtigen Entdeckungen stand auch in diesem Fall der Zufall Pate: Mäuse erhalten bei wissenschaftlichen Versuchen einen Ohrclip, an dem die Forscher sie auseinander halten können. "Meist vertragen die Tiere das ohne Probleme", erklärt Zimmers Mitarbeiterin Dr. Meliha Karsak. "Bei unseren Mäusen war das anders: Sie entwickelten mitunter rund um die Ohrstecker entzündliche Hautveränderungen." Es gibt gentechnisch veränderte Mäusestämme, bei denen beide Cannabinoidrezeptoren nicht funktionieren. "Und eben diese Stämme waren es, bei denen die Hautreaktion auftrat", erläutert Meliha Karsak.

Gemeinsam mit den Bonner Dermatologen Dr. Evelyn Gaffal und Professor Dr. Thomas Tüting gingen die Forscher diesem Befund nach. Durch Allergene lassen sich in Versuchsmäusen Hautausschläge hervorrufen. "Normalerweise sind diese Ausschläge nur leicht", betont Dr. Gaffal. "Mausstämme, bei denen die Cannabinoidrezeptoren fehlen, reagierten jedoch viel stärker. Eine ähnliche Beobachtung machten wir, wenn wir die Rezeptoren mit einem Medikament blockierten."

Tritt auf die Bremse

Bei einer Entzündung scheinen Endocannabinoide wie ein Tritt auf die Bremse zu wirken: Sie verhindern, dass der Körper zu viel des Guten tut und die Immunreaktion außer Kontrolle gerät. Dazu passt auch, dass mit Beginn der Entzündung die Endocannabinoid-Konzentration in den Versuchstieren anstieg. "Zudem gibt es Mausstämme, bei denen der Abbau dieser körpereigenen Wirkstoffe gestört ist", sagt Evelyn Gaffal. "Die Endocannabinoid-Konzentration in der Haut ist bei ihnen erhöht. In unseren Versuchen zeigten diese Tiere ebenfalls eine geringere allergische Reaktion."

Dank der Ergebnisse hoffen die Forscher auf neue Therapien für Hautallergien und Entzündungen. Zum einen könnten Medikamente Erfolg versprechen, die den Abbau von Endocannabinoiden verhindern. Aber auch das alte Hausmittel Cannabis könnte als Salbe zu neuen Ehren kommen. Im Mausexperiment war dieser Ansatz schon erfolgreich: "Wenn wir den Tieren kurz vor und nach Auftrag des Allergens eine THC-Lösung auf die Haut pinselten, fiel dann die Schwellung deutlich geringer aus als normal", erklärt Professor Dr. Thomas Tüting. "THC bindet an Cannabinoid-Rezeptoren und aktiviert sie. Dadurch mindert der Wirkstoff die allergische Reaktion." Berauschend dürfte eine solche Salbe übrigens nicht wirken - dazu wäre die darin enthaltene THC-Menge viel zu gering.

Experte warnt vor zu großen Erwartungen

Mark Dahl, Professor für Dermatologie an der Mayo Clinic in Phoenix, Arizona, warnt allerdings im Internetportal "Journal Watch Dermatology" vor zu großen Erwartungen. Eine allergische Kontaktdermatitis sei schwierig zu unterdrücken, selbst mit starken Cortisonpräparaten: "Cannabinoide können die allergische Reaktion nicht komplett unterdrücken, nicht mal in der dünnen Haut eines Mäuseohres." Er bezweifelt, dass örtlich aufgetragenes Marihuana allergische Reaktionen stoppen kann. Immerhin bescheinigt er dem Forscherteam gute Arbeit: "Diese gut kontrollierten und sorgfältigen Untersuchungen sollten sowohl die Forschung als auch die Konversation auf Cocktailpartys anfeuern."

Arnd Schweitzer, Quelle: idw

 
 
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