Kinder von Scheidungseltern leiden dreimal so häufig an Neurodermitis wie Kinder, deren Eltern zusammenleben. Schwere Schicksalsschläge hingegen erhöhen das Risiko für die Krankheit wahrscheinlich nicht.

Schützt vor Neurodermitis: ein intaktes Familienleben© Laurence Mouton/Colourbox.com
Familiärer Stress begünstigt Neurodermitis. Kinder, deren Eltern sich getrennt hatten, leiden dreimal so häufig an der chronischen Hauterkrankung wie die Kinder von Eltern, die zusammenleben. Das zeigt eine Untersuchung deutscher Wissenschaftler. Offenbar spielt auch eine gut funktionierende Beziehung der Eltern eine Rolle.
Der Einfluss von Stress bei Neurodermitis ist bekannt: „Stress und psychische Probleme haben einen deutlichen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems und können eine bestehende Neurodermitis verschlimmern“, sagt Torsten Schäfer von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). Der Lübecker Allergologe hat gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland Stressfaktoren in Form sogenannter „schwerer Lebensereignisse“ für Neurodermitis bei einer großen Anzahl von Kindern analysiert.
Die Forscher untersuchten, welche Folgen schwere Erkrankungen, Scheidungen und Arbeitslosigkeit in der Familie bei 1.930 Kindern haben. Deutlich wurde, dass Kinder, deren Eltern sich getrennt hatten, deutlich häufiger an Neurodermitis erkrankten. "Die Ergebnisse zeigen, dass kontinuierlicher Stress möglicherweise auch einen Einfluss auf das Auftreten einer Neurodermitis haben könnte und nicht nur auf den Hautzustand bei bereits bestehender Neurodermitis", sagt Karin Wichmann, Dermatologin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Das gelte jedoch vor allem für Kinder, die eine Veranlagung für atopische Erkrankungen wie für allergischen Schnupfen, allergisches Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergien und eben Neurodermitis haben. Allerdings, sagt die Medizinerin, beruhten die Ergebnisse der Studie lediglich auf Fragebögen an die Eltern. Eine zusätzliche ärztliche Untersuchung, um die Diagnose zu sichern, sei nicht erfolgt.
Zudem zeigte die Studie, dass sich die Arbeitslosigkeit eines Elternteils nicht auf das Risiko auswirkte, dass die Kinder Neurodermitis bekommen. Eine schwere Erkrankung oder der Tod eines Familienmitgliedes schien sogar das Risiko für Neurodermitis zu senken, fanden die Forscher der Studie. „Möglicherweise lassen solche Erlebnisse die Familie näher zusammenrücken, so dass ein Kleinkind mehr soziale Aufmerksamkeit erhält, die sich günstig auswirkt", sagt Torsten Schäfer.
Sandra Jessel