Mediziner vermuten schon lange, dass genetische Faktoren und Umwelteinflüsse die Krankheit verursachen. Vor kurzem haben sie einen Gendefekt entdeckt. Jetzt wissen sie: Viele Neurodermitispatienten tragen diese Mutation in sich.

Eine Genmutation soll für Neurodermitis mitverantwortlich sein (Wong Maye-E/AP)
Rund die Hälfte aller Neurodermitiker hat einen bestimmten Gendefekt, der auch für die Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis vulgaris) verantwortlich ist. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Irwin McLean von der Universität Dundee in Großbritannien. Die Wissenschaftler hatten mehr als 200 Patienten aus Irland, Schottland, den Niederlanden und Österreich untersucht und fanden dabei insgesamt 15 Varianten der Genmutation. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt im Fachjournal "Nature Genetics".
Vor einem Jahr hatten die Forscher erstmals über den Gendefekt berichtet. Sie zeigten, dass die Mutationen eine Rolle bei der weit verbreiteten Hautkrankheit Neurodermitis spielen. Das betroffene Gen enthält die Bauanleitung für das Protein Filaggrin, einen wichtigen Schutzfaktor für die Haut. Ist das Gen mutiert, produzieren die Zellen der äußeren Hautschichten weniger Filaggrin. Die Folge: Die Hautbarriere wird wahrscheinlich durchlässiger, Keime oder Allergene können leichter in die Haut eindringen und Entzündungen auslösen.
Auch bei der Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis vulgaris), einer angeborenen Hauterkrankung mit übermäßiger Hautschuppung und Trockenheit, ließ sich der Gendefekt für Filaggrin nachweisen. Weil ein Drittel der Patienten mit einer Ichthyosis auch unter Neurodermitis leidet, vermuteten Forscher zwischen beiden Krankheiten einen genetischen Zusammenhang.
Überrascht waren Wissenschaftler von den Varianten des Gendefekts: Bestimmte Mutationen treten gemeinsam in verschiedenen geographischen Regionen auf, andere Mutationen kommen nur in bestimmten Regionen vor - zum Beispiel in Japan oder in Tirol.
Die Studien zeigten außerdem, dass der Gendefekt nicht nur die Hautentzündungen verursachen kann, sondern auch Asthma, das bei einer Neurodermitis auftritt. Allerdings vermuten die Forscher, dass nicht allein das Filaggrin die Krankheit beeinflusst. "Wahrscheinlich spielen noch weitere Proteine der Hautbarriere eine Rolle bei der Neurodermitis. Diese Faktoren müssen wir jetzt weiter erforschen", sagt Robert Gruber, Dermatologe an der Medizinischen Universität Innsbruck und einer der Autoren der aktuellen Publikation.