Das Interesse an ergänzenden und alternativen Behandlungsmethoden ist groß. Viele Allergiker sind chronisch krank und fürchten deshalb die Nebenwirkungen von Medikamenten. Dann suchen Sie nach angeblich nebenwirkungsarmen "ganzheitlichen" Behandlungsmethoden. Von diesen scheinbaren Alternativen sind aber die wenigsten durch wissenschaftliche Methoden überprüft. Nicht selten liegt ein Placebo-Effekt vor (in 25 bis 40 Prozent der in Studien untersuchten Methoden).

Klimatherapie: Vor allem das Klima im Hochgebirge, an der Nordsee, am Mittelmeer und am Toten Meer bekommt vielen Neurodermitikern© Andreas Gebert/EPA/DPA
Zu den wichtigsten anerkannten Verfahren zählen unter anderem die Atemtherapie (Asthma), die UV-Strahlen- und Klimatherapie (Neurodermitis), Entspannungsmethoden und die Psychotherapie. Wichtig: Sie ergänzen die Standard-Therapie, können sie aber nicht ersetzen. Ein Überblick:
Anerkannte und sinnvolle Heilverfahren
Atemtherapie und Physiotherapie, Balneotherapie und Kneipp-Verfahren, Entspannungsmethoden (autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson), Psychotherapie, UV-Strahlen- und Klimatherapie, Ernährungs- und Phytotherapie
Anerkannte, aber noch nicht abschließend bewertete Heilverfahren
Traditionelle chinesische Medizin, vor allem Akupunktur, und Phototherapie (Rotlicht)
Sinnlose und nicht wirksame Heilverfahren (Auszug)
Kinesiologie, Auspendeln, Bioresonanz, Elektroakupunktur, Eigenblut- und Eigenurin-Therapie, autohomologe Immuntherapie, Bachblütentherapie, Homöopathie, Sauerstoff-, Ozon- und Zelltherapie, Haaranalyse, Irisdiagnostik, Geistheilen, Handauflegen
Vor allem das Klima im Hochgebirge, an der Nordsee, am Mittelmeer und am Toten Meer bekommt vielen Neurodermitikern. Verantwortlich ist nicht nur das Reizklima, sondern auch die hohe UV-Strahlung in den Bergen und an der See.
Akupunktur ist Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). In Europa kommen die Nadeln überwiegend in der Schmerzbehandlung zum Einsatz. Beim allergischen Schnupfen wird die Akupunktur angewandt, um akut die Schnupfensymptome zu lindern und langfristig die Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut herabzusetzen. Viele kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit der Akupunktur auch in der Behandlung asthmakranker Patienten. Die meisten Studien beschreiben eine mittelstarke Erweiterung der Bronchien bei leichtem Asthma und ein subjektiv besseres Empfinden. Einige Untersuchungen wiesen auch nach, dass sich die Blutwerte bestimmter Abwehrzellen nach der Behandlung besserten. Daher ist die Behandlung von Allergien mit Akupunktur in die Liste der Weltgesundheitsorganisation mit aufgenommen worden. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen bisher die Kosten für Akupunktur nur bei chronischen Rücken- und Kniegelenkschmerzen. Bei Kindern sollte eher die schmerzlosere Laserakupunktur angewendet werden oder andere Techniken wie zum Beispiel das Aufkleben von Kügelchen auf die Akupunkturpunkte.
Relativ neu auf dem Markt sind Rotlichtgeräte zur Bestrahlung der gereizten Nasenschleimhaut beim allergischen Schnupfen. Israelische Forscher wiesen eine deutliche Besserung der Beschwerden nach, eine neue Doppelblind-Studie zeigt eine milde Veränderung der Abwehrzellen im Blut. Die Daten reichen aber nicht aus, um diese Methode ausdrücklich zu empfehlen.
Salzhaltige Lösungen lindern die Beschwerden bei einem allergischen Schnupfen. Ob vaselinehaltige Nasensalben oder Sprühpuder mit Zelllulose, die eine Art Schutzschicht vor Pollen oder anderen Allergenen bilden sollen, wirklich wirken, ist noch unklar.
Eindeutig belegt ist die Wirkung eines pflanzlichen Wirkstoffes beim allergischen Schnupfen: Eine aktuelle klinische Studie wies bei Pollenallergikern nach, dass Tabletten mit dem Pflanzenextrakt der Pestwurzpflanze genauso gut wirken wie ein Antihistaminikum. Die wissenschaftliche Medizin greift seit Jahrhunderten auf natürliche Heilmittel zurück. Pflanzliche Stoffe sind aus der Behandlung von Atemwegsinfekten nicht wegzudenken (vor allem schleimlösende und hustenreizlindernde Mittel). Auch viele Asthmamedikamente sind pflanzlichen Ursprungs wie zum Beispiel Süßholzwurzel-, Efeu-, und Wollblumen-Präparate. Sie ersetzen aber nicht die herkömmlichen Medikamente. Auch bei der Neurodermitis spielen Mittel pflanzlichen Ursprungs eine große Rolle, eine klare Trennlinie zwischen Phytotherapie und klassischen Hautmedikamenten aus der Dermatologie ist nicht möglich. So sind alle Hautmedikamente mit Gerbstoffen pflanzlichen Ursprungs (schwarzer Tee, Eichenrinde). Auch Öle, die den Gehalt an wichtigen essentiellen Fettsäuren in der Haut erhöhen, kommen aus der Natur (Schwarzkümmelöl, Nachtkerzenöl, Johanniskrautöl oder Borretschsamenöl.
Es gibt bisher keine gesicherten wissenschaftlichen Daten, ob eine Neurodermitis auf einen Mangel an essenziellen Fettsäuren beruht und ob Nachtkerzenöl-Präparate zum Einnehmen diesen Mangel erfolgreich ausgleichen können.
Homöopathen behandeln nach dem Grundsatz "Ähnliches durch Ähnliches heilen". Dazu werden Stoffe, die bei gesunden Menschen die Krankheitssymptome auslösen würden, in sehr starker Verdünnung eingenommen. Nach der Prozedur des Verdünnens und Schüttelns sollen die in der Substanz verborgenen dynamischen Kräfte gesteigert sein. Die zentralen Aussagen der Methode sind durch wissenschaftliche Methoden nicht überprüfbar. Nach heutigem Kenntnisstand geht die medizinische Wirksamkeit wahrscheinlich nicht über den Placebo-Effekt hinaus, abschließend geklärt ist dies aber noch nicht. Unter den zwölf besten Studien zur Wirksamkeit von Homöopathie betrafen zwei randomisierte Doppelblind-Studien allergische Erkrankungen. Ein Mittel mit einer pflanzlichen Ausgangssubstanz (Galphimia glauca) scheint eine positive Wirkung bei Pollenallergikern zu haben. Wie auch andere Homöopathika mit niedriger Potenz wirkt dieses Mittel wahrscheinlich als Pflanzenextrakt, die Pflanze stammt aus dem brasilianischen Regenwald und wurde schon immer traditionell gegen asthmatische Beschwerden und Allergien verwendet.
Die Anhänger dieser Methode behaupten, dass sie anhand der körpereigenen elektrischen Signale (Bioresonanz) messen können, ob eine Allergie vorliegt. Mittlerweile liegen klinische Studien vor, die zeigen, dass diese Methode weder für die Allergiediagnostik noch für die Therapie geeignet ist. Auch wurde nie nachgewiesen, dass sich die Bioresonanz von Allergikern bei Kontakt mit dem Auslöser verändert.
Kinesiologen glauben, dass bestimmte Muskeln mit Akupunkturmeridianen korrespondieren und dass man aus dem Zustand eines Muskels Rückschlüsse auf Erkrankungen bestimmter Organe ziehen kann. Berührt ein Allergiker den allergie-auslösenden Stoff, sollen charakteristische Muskelverkrampfungen erkennbar sein. Eine Doppelblindstudie, an der auch erfahrene Kinesiologen beteiligt waren, hat dies eindeutig widerlegt.
Besonders bei einer Neurodermitis probieren manche Allergiker eine Auslassdiät. Doch Vorsicht: Nahrungsmittel sollten Sie nur dann vom Speiseplan streichen, wenn diese tatsächlich die Neurodermitisschübe hervorrufen. Dies kann Ihr Arzt testen. Bislang konnte keine Studie zeigen, dass bestimmte Nahrungsmittel wie Schweinefleisch, Tomaten, Zucker oder alle tierischen Eiweiße für eine Neurodermitis verantwortlich sind. Wenn Kinder mit einem Neurodermitisschub reagieren, dann meist auf Hühnereiweiß, Milcheiweiß, Weizen und Sojaprodukte. Da diese allergischen Reaktionen aber oft bis zum Grundschulalter wieder verschwinden, sollte Ihr Allergologe eine mögliche Überempfindlichkeit bei Ihrem Kind alle ein bis zwei Jahre kontrollieren. Bei Erwachsenen mit einer Pollenallergie - zum Beispiel gegen Birkenpollen - spielen meist Kreuzreaktionen eine Rolle: Dann kann der Verzehr von Steinobst oder Nüssen einen Neurodermitisschub verursachen.
Darmpilze sollen angeblich für die Neurodermitis verantwortlich sein. Aber: Auch wenn im Stuhl Pilze nachgewiesen wurden, hat dies noch keinen Krankheitswert. Erst wenn Symptome wie Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen vorliegen, lohnt sich eine tiefer gehende Diagnostik.