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Golf GTI: 25 Jahre Muskeln zeigen

Lange hatten BMW- und Porschefahrer den Bereich jenseits der 180 km/h für sich beansprucht. Da tauchte ein Golf auf, den die »Etablierten« auch bei 180 km/h nicht los wurden.

Vor 25 Jahren konnte man auf den Autobahnen den Fall einer Bastion beobachten. Lange Zeit hatten BMW-, Mercedes- und Porschefahrer den Bereich jenseits der 180 Stundenkilometer für sich beansprucht. Wer sollte ihnen zu einer Zeit, als noch unzählige Käfer über die Straßen krabbelten, diese Domäne auch streitig machen? Da tauchte plötzlich ein VW auf, den die etablierten Schnellfahrer auch bei 180 km/h nicht los wurden. Zum ersten Mal hatten die bis dahin biederen Autobauer aus Wolfsburg 1976 einen Wagen auf die Räder gestellt, der Haare auf der Brust und Muskeln unter der Motorhaube hatte: den Golf GTI.

Opel-»Killer«

Der Wagen mit 110 PS und 182 km/h machte dem damaligen Platzhirschen, dem Rallye-Kadett von Opel, mächtig Dampf. Die Heckgetriebenen Opel-Gangs musste sich auf den Landstraßen immer öfter vom frontgetriebenen Golf »versägen« lassen. Der Opel stand technisch und optisch für einen überholten Stil, der GTI dagegen signalisierte allein schon durch das knallige Marsrot die pure Aggresivität.

GTI als Statussymbol

110 PS brachten den nur 800 Kilo schweren Wagen in neun Sekunden auf Hundert. Heutzutage sind solche Werte nicht mehr beeindruckend. Viele Kleinwagen wären heutzutage dem GTI überlegen und 200 km/h fährt bald jedes zweite Auto. Doch 1976 - der VW-Käfer war gerade zwei Jahre in die ewigen Jagdgründe enteilt - waren das kaum gekannte Fahrdaten. Der GTI wurde zum Kultauto für junge, rennlustige Käufer. Vor der »Disse«, den allgegenwärtigen Discotheken, konnte nur bestehen, wer einem Golf GTI entstieg.

Bastlerprodukt

Dass der Krawallo überhaupt auf die Straße kam, war ein Zufall: Ein Bastlerteam bei VW hatte einem normalem Golf einen starken Motor eingepflanzt und den Wagen auf sportlich getrimmt. Die Vorstände ahnte lange nichts von den sportlichen Ambitionen ihrer Schrauber. Erst als der Straßenfeger serienreif war, fiel auch den VW-Oberen auf, das es einen Markt für ihn geben könnte. Sonderlich überzeugt war man allerdings nicht. Die erste Serie bestand aus gerade einmal 5.000 Stück. Bis heute wurden es 1,5 Millionen.

Rost inbegriffen

Kernstück des 1976er GTI war ein durch eine höhere Verdichtung, Benzineinspritzung und Ölkühler von 75 auf 110 PS gesteigerter Golf-Motor. Dazu kam ein Sportfahrwerk, Sitze mit mehr Seitenhalt und ein Handschuhfach ohne Deckel - und das alles für 14.000 Mark. Im Preis inbegriffen war eine enorme Rostanfälligkeit an den hinteren Radläufen und am Seitenholm.

Mit den Jahren kamen die Modellwechsel, von denen auch der GTI nicht verschont blieb. Das Kürzel GTI blieb, beim zum Golf II wuchs er jedoch um 30 Zentimeter und wurde deutlich schwerer. Viel Blech und in den Augen den Puristen unnötige Ausstattungspolster legten sich über die Agilität der frühen Jahre. Um das auszugleichen legte VW bei der Motorleistung nach, etwa mit dem 16-Ventil-GTI mit 129 PS oder dem GTI G60 mit 160 PS, der es schon auf 210 km/h brachte.

GTI IV: Ein dicker Brummer

Seit 1997 wummert die vierte GTI-Generation über die Piste. Er ist 500 Kilo schwerer und fast 45 Zentimeter länger als sein Urahn. Damit der dicke Brocken noch einigermaßen vom Fleck kommt, wurde die Motorpalette für ein 55.000-Mark-Sondermodell auf 180 PS gesteigert. Allerdings gibt es den GTI auch mit dem 110 PS-Dieselmotor. Und das Golf-Top-Modell ist der GTI auch nicht mehr. Der Golf V6 hat 204 PS und lässt den GTI an der Ampel locker stehen. Die Rolle des schnellen und frechen Kleinwagens hat heute bei VW der Lupo GTI übernommen.

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