
© In der Maybach-Atelier lassen sich die verschiedensten Lichtverhältnisse simulieren
Was bei ordinären Familienkutschen schon nicht klappt, wird beim Maybach leicht zum blanken Horror. Gilt es doch, in einem vierwöchigen Crashkurs erst mal die Etikette des Herrn Knigge zu fressen. Schließlich können die Maybach-Reisenden für mindestens 359 600 Euro Kaufpreis auch Antworten auf weltbewegende Fragen erwarten. Etwa: Rotwein zum Fisch? Braune Schuhe zur Beerdigung? Handkuss unter freiem Himmel? So was will geklärt sein, wenn beispielsweise - igitt - ein benimmtechnisch unterversorgter Lottogewinner die edle Maybach-Ledergarnitur besetzt.
Auch blöde Scherze müssen die Liaison-Knüpfer mitunter locker wegstecken. Harmlos ist noch, wenn der erlauchte Kunde die eingebaute i-Taste nur zu Testzwecken drückt. Blöder ist schon, berichtet ein PLM von frühen Kundentestfahrten, wenn der angesäuselte Maybach-Fan morgens um zwei eine Schachtel Zigaretten in seiner Stammkneipe ordert.
Personal Liaison Manager rauben derlei Pöbeleien allerdings kaum die Contenance, denn meist waren sie bereits vor ihrem Maybach-Einsatz Kundendienst-gestählt. Viele der 40 Kontakter haben zuvor teure Brillis in Edelshops verkauft oder stammen aus der Spitzengastronomie. Da sind unflätige Sonderwünsche normal. Die gelassene Reaktion ebenfalls.
Der geschulte PLM bleibt selbst dann völlig cool, wenn Kaufwillige des Maybach 62, der gehobenen Langversion, über Ausstattungsmängel mosern. In der Tat, es ist wohl kaum zu verschmerzen, dass die Gegensprechanlage zwischen Liegesitz im Fond und Chauffeur nicht serienmäßig geliefert wird. Doch als Trostpflaster, weiß der Beziehungskisten-Manager flink zu kontern, bietet der 550-PS-Motor eine Wechselstrom-Doppelzündung mit Ionenstrom-Diagnose. Toll, aber damit kann der besorgte Rücksitz-Passagier nicht nach dem Wohlbefinden des Fahrers fragen, der, welch ein Elend, ohne serienmäßige Lenkradheizung auskommen muss. Die kostet ebenso extra wie die dringend notwendigen Vorhänge für Heck- und Seitenscheiben. Wäre auch unverschämt, so was gratis zu verlangen. Für die mindestens 417 600 Euro der Langversion ist eben nicht mehr drin.
Andere Problemfälle regelt der PLM dagegen mit links. Falls sein »Entrepreneur« beispielsweise kurz vor dem Start Karten für ein Formel-1-Rennen wünscht. Natürlich mit Zugangserlaubnis zum Fahrerlager. Nicht im VIP-Zelt, wo zweitklassige Prolls den Schampus abgreifen. Geht klar. Zählt selbstverständlich zur »One Face to the Customer Strategie«, wie die neue Pflegefall-Aktion auf Neuschwäbisch heißt. Klappt übrigens auch mit Premierenkarten für die Salzburger Festspiele.