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11. Dezember 2007, 13:28 Uhr

Der Auto-Kartoffel-Vergleich

Der US-Autobranche geht es miserabel. Chrysler, Ford und General Motors schreiben rote Zahlen. Die Japaner machen es besser. Wie, das demonstriert ein amüsanter Vergleich. Der zeigt, wie unterschiedlich Amerikaner und Japaner die typische "Baked Potatoe" herstellen - eine amerikanische Spezialität. Von Harald Kaiser

Den Herstellungsprozess einer "Baked Potatoe" ist mit dem eines Autos durchaus vergleichbar© Eising, Susie; Hersteller

Minuszeichen überall. Den drei US-Autoherstellern Chrysler, General Motors und Ford geht es miserabel. Milliardenverluste allenthalben. Doch neu ist das nicht, an die 20 Jahre geht das schon so, dass die "Big Three" im einfachen Geschäft Auto gegen Geld keinen Dollar mehr verdienen. Oft waren es nur die sogenannten Finanzergebnisse, die den drei die Bilanzen einigermaßen retteten. Das sind die Resultate der jeweiligen hauseigenen Banken, die das Finanzierungsgeschäft für den Autokauf abwickeln. Nur dort lässt sich noch verdienen.

Chrysler holpert alleine wieder über den Markt und rumpelt ständig in neue Schlaglöcher, General Motors wurschtelt sich mehr schlecht als recht durch und denkt offiziell (noch) nicht an den Verkauf von Töchtern wie Saab. Ford hingegen macht ernst und versucht durch den Verkauf seiner Chromjuwelen die Kassenlage etwas zu entspannen. Die Luxusmarke Aston Martin ist für knapp 900 Millionen Dollar bereits abgestoßen, und Jaguar, 1989 für 2,5 Milliarden Doller übernommen, soll bald ein Mehrfaches der Kaufsumme einspielen.

Doch selbst solche Einnahmen ändern nichts daran, dass Ford & Co. beim Autobau nach wie vor wie umständlich und am Ende verlustreich zu Werke gehen. Deutlich macht dies die in der Branche per E-Mail kursierende amüsante Schilderung des Herstellungsprozesses eines typisch amerikanischen Produkts, der heißen Kartoffel zum Steak:

Wie ein Angestellter eines japanischen Autobauers eine "Baked Potato" erzeugt

  • • Vorheizen des neuen, qualitativ hochwertigen Ofens auf genau 177 Grad Celsius;
  • • Einlegen der Kartoffel (aus Idaho);
  • • 45 Minuten warten, während der Zeit kann an anderen Projekten gearbeitet werden;
  • • Prüfen, ob die Kartoffel fertig ist, anschließend rausnehmen und servieren.

Wie ein Angestellter eines amerikanischen Herstellers eine "Baked Potato" erzeugt

  • • Der Kartoffel-Zulieferer aus Idaho wird angewiesen, den Ofen auf 177 Grad Celsius vorzuheizen;
  • • auf Anforderung zeigt der Zulieferer, wie er den Drehschalter am Ofen bewegt hat, um die Gradzahl zu erreichen, und er zeigt eine Dokumentation des Ofenbauers, die nachweist, dass der Ofen getestet wurde und richtig eingestellt ist;
  • • der Zulieferer muss in einer Dokumentation nachweisen, dass er die Temperatur mit modernstem Gerät überprüft hat;
  • • der Zulieferer legt die Kartoffel in den Ofen und setzt den Timer auf 45 Minuten;
  • • der Zulieferer öffnet den Ofen und prüft, ob die Kartoffel richtig platziert ist - und liefert auf Wunsch eine kostenlose Studie darüber, dass 45 Minuten die ideale Garzeit für eine Kartoffel dieser Größe ist;
  • • auf Anforderung wird eine Studie geliefert, die verschiedene Garzeiten von unterschiedlich großen Kartoffeln zeigt - angepasst an den Ofen;
  • • nach 10 Minuten prüfen, ob die Kartoffel fertig ist,
  • • nach 11 Minuten prüfen, ob die Kartoffel fertig ist;
  • • nach 12 Minuten prüfen, ob die Kartoffel fertig ist;
  • • Ungeduld macht sich breit. Der Zulieferer wird gefragt, warum eine einfache Kartoffel so lange braucht, um gar zu werden, wenn gewünscht, dann Statusreport alle fünf Minuten;
  • • nach 15 Minuten prüfen, ob die Kartoffel fertig ist;
  • • nach 35 Minuten abschließende Prüfung, dass die Kartoffel bald fertig wird. Weitergabe des Prüfprotokolls, dass alles auf grün ist;
  • • dem Zulieferer gratulieren, dann den Chef über die eigene tolle Arbeit informieren. Insbesondere, weil man mit einem nicht kooperativen Zulieferer zusammenarbeiten musste;
  • • die Kartoffel nach 40 Minuten aus dem Ofen nehmen, um Kosten (Energie) zu sparen, denn es macht kaum einen Qualitätsunterschied zu einer Kartoffel, die 45 Minuten im Ofen war;
  • • Kartoffel servieren;
  • • darüber wundern, wie es die Japaner schaffen, eine preisgünstige heiße Kartoffel zu erzeugen, welche die Leute für besser halten als eine amerikanische.
Von Harald Kaiser
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Pixelschubser (12.12.2007, 08:48 Uhr)
Brüll!!!
Okay, dieser Vergleich ist wirklich richtig gut! Chapeau!
Was mir fehlt, ist jedoch der Vergleich mit den Deutschen Baked Potatoes.
In Deutschland ist es nämlich so, dass zunächst eine Studie über Machbarkeit und Verkonsumierbarkeit einer Baked Potato erstellt wird. Das dauert im Schnitt ein gutes Jahr. Sollte das Ergebnis dieser Studie positiv ausgefallen sein, geht es im Prinzip weiter, wie bei den Amerikanern, nur dass die Baked Potatoe zum Kosten schon nach 25 Minuten aus dem nur 127°C heißen Ofen geholt wird und dem werten Kartoffelkonsumenten mit einer Millionenschweren Werbekampagne auf den Teller gelegt wird. Wortlos. Stellt der Käufer nun nach ein paar Happen fest, dass seine Kartoffel noch nicht gar ist, wird sie unter verständnislosen Blicken wieder eingesammelt; der Kartoffelkoch beginnt nun, alle zehn Minuten mit dem Feuerzeug an der Kartoffel herumzuflambieren, bis er der Meinung ist, die Kartoffel sei gar. Immerhin hat er jedoch seinen Beiköchen schon mal zugeraunt, mit der Kartoffel könne etwas nicht stimmen, da sich der blöde Kunde an Tisch Vier beschwert habe und mit dem Produkthaftungsgesetz herumfuchtele. Aber da der Kartoffelkoch ja noch eine Reihe Nachbesserungsversuche zur Verfügung hat, bleibt er dabei insgesamt ruhig und gelassen. Unter den Restaurantbesuchern ist das ganze Prozedere nicht unbemerkt geblieben. Sie entscheiden sich, mit der Baked Potatoe erst mal zwei-drei Jahre zu warten, bis eine neue Version der Baked Potatoe angekündigt wird. Dann erst wagen sie sich, im großen Stil zum ursprünglichen Angebot zu greifen; Außerdem ist der Restaurantbesitzer etwas misstrauisch geworden und hat erst mal einen der Beiköche entlassen, was die Restaurantaktien schlagartig in die Höhe treibt. Ob der Beikoch bei dieser Kartoffel involviert war oder nicht, spielt hier keine Rolle.
Last but not least wird die Beilagenliste schnell aufgestockt - zur Baked Potatoe gibts jetzt Ketchup und Mayo gratis - wenn das mal kein Anreiz ist, endlich zu den Baked-Potato-Genießern zählen zu wollen...
Und in Japan hat man bereits die viertnächste Generation Baked Potatoes entwickelt, die alle anderen - auch die Deutschen - in Qualität und Geschmack um Meilen hinter sich lässt...
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