. .
News am 22.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Dezember 2007, 21:00 Uhr

Überschläge, Knochenbrüche, Wüstensand

Als Copilot des Race Touareg hat Dirk von Zitzewitz ein großes Ziel: Er will die Rallye Dakar 2008 gewinnen. Einfach ist das nicht, die Konkurrenz ist hart und der Rennverlauf in der Wüste unvorhersehbar. Bei seiner ersten großen Rallye wäre er sogar fast verdurstet. Von Björn Erichsen

Dakar, Zitzewitz

Daker-Copilot Dirk von Zitzewitz mit einem Mechaniker vor seinem Race Touareg© Björn Erichsen

Hannover, Stadtteil Vahrenheide, dort in einem kargen Industriegebiet, inmitten eingezäunter Gewerbehöfe, Metallgießereien und Anlagetechnikbetrieben trifft die Abteilung Motorsport des Volkswagen-Konzerns letzte Vorbereitungen für ein Rennsport-Großereignis: Die Rallye Dakar 2008. Hinter den Toren des großen Bungalow-Baus schrauben Mechaniker in grauen Overalls bis spät in die Nacht an den vier aufgebockten Race Touaregs herum. Mehr als Feintuning ist nicht mehr möglich, am 5. Januar sollen die Wüstenrenner in Lissabon an den Start gehen. Die metallicblauen Motorhauben lehnen an der Hallenwand, freier Blick auf Kabel- und Schlauchgewirr des mächtigen 2.5-Liter-Dieselmotors mit Doppelturbolader und Ladeluftkühlung, der den Boliden mit 280 Pferdestärken antreibt.

Ein Platz im Cockpit ist für Dirk von Zitzewitz reserviert, Jahrgang 68, hoch aufgeschossen, norddeutsch gelassen. Mit seinen verwuschelten Haaren und den markanten geschnittenen Gesichtszügen ähnelt er Nationaltorwart Jens Lehmann. Als Copilot von Giniel de Villiers ist er bei der Dakar-Rallye vor allem dafür zuständig, den Südafrikaner möglichst schnell und sicher durch die Wüsten Afrikas zu navigieren. Einfach nur ankommen reicht ihm nicht, denn auch in seinem Ehrgeiz gleicht er dem Fußballtorwart: "Wann immer ich zu einem Rennen antrete, möchte ich auch gewinnen", sagt von Zitzewitz. "Und ein Sieg bei der Rallye Dakar ist mein großes Ziel."

Bei der Dakar kommt es auf jede Minute an"

Doch bevor es soweit ist, steht in Hannover erstmal Vorbereitung auf dem Tagesplan: Fitnesstraining, Arbeitsabläufe einstudieren, vor allem aber brütet er derzeit mit den anderen Copiloten über Landkarten und alten Rennprotokollen. "Navi-Woche", heißt das im Rennfahrerjargon. "Wir haben vom Veranstalter bisher nur eine grobe Route bekommen, lediglich die Start- und Endpunkte sind bekannt", sagt von Zitzewitz. Den genauen Streckenverlauf erfahren die Teilnehmer immer erst am Vorabend einer Etappe. "Daher versuchen wir alle denkbaren Routen zu antizipieren. Je genauer wir die Strecke voraussehen, desto mehr Zeit sparen wir. Bei der Dakar kommt es auf jede Minute an."

Die Rallye Dakar, 1978 von dem Franzosen Thierry Sabine als Rallye Paris-Dakar ins Leben gerufen, ist das bedeutendste Offroad-Motorsportereignis der Welt. Alljährlich treten rund 500 Rennwagen, LKWs und Motorräder zur Wettfahrt über die 9000 Kilometer Strecke in die Hauptstadt des Senegals an. Die europäischen Etappen werden noch einigermaßen gemütlich absolviert, die Herausforderungen warten in Afrika, wo unwegsame Schotterpisten und metertiefen Wüstensand auf die Rennfahrer wartet, weitab jeder Zivilisation.

Cockpit-Temperaturen über 70 Grad

"Fahren und Navigieren ist eine Sache", sagt von Zitzewitz, "aber es kommt genauso darauf an, dass man die gesamten Belastungen während der 15 Rallyetage gut wegsteckt." Und die haben es in sich: Cockpit-Temperaturen von über 70 Grad, Reifenwechsel in nicht mal zwei Minuten, nachts bei Minusgraden und hohem Geräuschpegel im Zelt schlafen. "Bei Wüstenrallyes muss man ständig auf das Unvorhersehbare reagieren, doch genau das macht ja auch den Reiz der Veranstaltung aus."

Neun Mal ist von Zitzewitz bereits bei der Rallye Dakar gestartet, drei Mal auf dem Motorrad, sechs Mal als Co-Pilot im Rennwagen. Ein fünfter Platz war bisher seine beste Platzierung, 1997 auf dem Motorrad, als bester deutscher Teilnehmer. "Nur wer vom ersten Tag bis zum letzten Tag perfekt durchkommt, hat eine Chance zu gewinnen", sagt von Zitzewitz. Im letzten Jahr sah es für ihn de Villiers lange Zeit ziemlich gut aus, doch dann warf sie ein technischer Defekt in aussichtsreicher Position fahrend zurück, am Ende wurden sie Elfter.

  zurück
1 2