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13. Januar 2005, 18:06 Uhr

"Michele, wir werden alle nicht jünger...."

Wird der Weltmeister nur älter oder wird er kindischer? Jetzt zieht es Michael Schumacher auf das Snowboard und nächste Woche zum Papst.

Der Weltmeister und Pistenakrobat© Oliver Multhaup/DPA

Wenn Männer anfangen, übers Älterwerden zu reden, wird das ja ganz schnell ganz, ganz traurig. Oder einfach nur merkwürdig. Zum Beispiel wenn man nun ausgerechnet Michael Schumacher als alten Sack in Verruf bringt. Das Formel-1-Team von Ferrari veranstaltet im italienischen Wintersportort Madonna di Campiglio jeden Januar eine Skifreizeit – und Schumacher ist jetzt schon zum zehnten Mal dabei. Aber zum ersten Mal erdreistet sich ein einheimischer Reporter, dem Campione zu sagen: "Michele, wir werden alle nicht jünger...." Das ist grundsätzlich schon mal eine fulminante Majestätsbeleidigung, aber in diesem Fall schlicht unfair, wenn man die nächtliche Performance des Michael S. erlebt hat. Quasi Karaoke-Weltmeister. Und mit so wenig Schlaf so fit auszuschauen – Respekt und Donnerwetter.

Vor ein paar Tagen ist Schumacher 36 Jahre alt geworden, und Midlife-Panik, Jugendwahn oder was auch immer haben den Schumi plötzlich aufs Snowboard getrieben. Und wenn man ihn am Mittwoch hat fahren sehen (und wie sie seinetwegen den Lift haben anhalten müssen, als er beim Einsteigen umgefallen ist), muss man sagen: Keine schlechte Idee von Ferrari, am kommenden Montag mal beim Papst vorbei zu schauen.

Früher haben Leute, die ihn mögen, sich ja Sorgen gemacht, wenn er auf Skiern unterwegs war, obgleich sich seine technischen Fähigkeiten beinahe seinem Tempo angepasst haben im Laufe der Jahre. Aber jetzt, warum Snowboard? "Weil meine Kinder Snowboard fahren, die reden über nichts anderes im Winter", sagt Schumacher, "und mein Sohn, der jetzt bald sechs wird, hat zu mir und meiner Frau gesagt: wenn wir mit euch Ski fahren, müsst ihr auch mit uns Snowboarden gehen." Und bei Schumachers Ehrgeiz sollte man sich nicht wundern, wenn man demnächst einen Typen mit langem Kinn und Fiat-Brett in der Halfpipe trifft.

Sechsunddreißig ist im Spitzensport sozusagen ein Pensionistenalter; und nun fragen Reporter mit sehr dicken Bäuchen, ob Schumacher denn sein Trainingsprogramm allmählich dem Alter anpasse, und überhaupt: ob er nicht wirklich demnächst mal in Rente gehen wolle und so. Dafür hat der Campione natürlich nur ein routiniertes Lächeln übrig. "Ich werde ganz sicher keine langfristigen Abmachungen mehr treffen, aber erstmal läuft mein Vertrag ja bis 2006, aber ich sehe kein Ende. Mir macht das ja Spaß." Und man darf ja nicht vergessen, dass der legendäre Juan-Manuel Fangio mit 38 überhaupt erst angefangen hat in der Formel 1. Und mit 46 hat er dann aufgehört. Vermutlich ist Schumacher in dem Alter immer noch fitter als alle anderen Formel-1-Piloten. Zumindest wird er nach Karaoke-Nächten fitter ausschauen.

Von Markus Götting
 
 
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