Bei Maybach gibt´s einen Hotline-Butler serienmäßig. Der besorgt´s dem Besitzer rund um die Uhr - mit Pannenservice oder Lebenshilfe.

Die Maybach-Zentrale »Center of Excellence« in Sindelfingen© Sebastian Lasse
Bei Maybach gibt´s einen Hotline-Butler serienmäßig. Der besorgt´s dem Besitzer rund um die Uhr - mit Pannenservice oder Lebenshilfe.
Wo der Personal Liaison Manager ist? Mit dieser quälenden Frage müssen Maybach-Kunden ihr Gedächtnis nicht belasten. Die Fahrer anderer Automarken auch nicht - die haben gar keinen. Aber im rollenden Palast mit dem doppelten M auf der langen Kühlerhaube antwortet der Gesuchte umgehend. Seine Handynummer steckt unter dem
i-Knopf des ausklappbaren Bordtelefons. Schon ab Werk einprogrammiert.
Doch das Schickimicki-Kauderwelsch für den »Persönlichen Verbindungsbetreuer« weckt trügerische Hoffnung. Denn obwohl es mitunter vonnöten sein mag, sortiert der serienmäßige Manager keineswegs die Liebschaften des Maybach-Kunden. Daraus könnte auch schnell ein stressiger Vollzeitjob werden, wenn beispielsweise ein arabischer Ölscheich oder die Sprechblase Dieter Bohlen in der mobilen Luxus-Suite herumflanieren. Das Risiko ist erheblich, denn beide zählen als »erfolgreiche Entrepreneurs sowie Persönlichkeiten aus dem Showgeschäft« (Maybach-Pressetext) zur angepeilten Zielgruppe der höheren Mercedes-Tochter. Die selbstverständlich kein simples Automobilwerk ist, sondern eine Manufaktur.
Und der Personal Liaison Manager (PLM) ist nicht beim Dialog flammender Herzen oder anderer Körperteile behilflich. Der PLM ist ein Telefon-Seelsorger und Kummerkasten-Onkel für genervte Maybach-Passagiere. Bei schnöden Normalo-Karossen heißt so was Kundenbetreuer oder bestenfalls Serviceleiter. Und der arbeitet in einer Werkstatt. Anders der PLM. Der schafft, mit 39 Kollegen Tag und Nacht erreichbar wie ein Notarzt, im Sindelfinger »Center of Excellence«. Oder in einer von 25 erlesenen Formel-Krösus-Filialen außerhalb des Spätzle-Landes. Diese so genannten Maybach-Center liegen gut verteilt an den gängigen Tummelplätzen des Geldadels wie Berlin, München, New York, Hongkong oder Dubai.
Einfach ist der Job für die PLM in den Glitzer-Metropolen nicht. Bei Schlicht-Autos muss der Kundendienstmann allenfalls die üblichen Ersatzteilpreise und Stundenlöhne im Kopf haben. Die Liaison-Spezis hingegen müssen »mit der Lebenswelt ihrer Klientel vertraut« sein, um »optimale Betreuungsqualität« garantieren zu können.