In Zukunft muss sich die solvente Kundschaft wohl auch Gedanken darüber machen, wie man die ungeliebten Ungeziefer-Überreste aus den Haaren und von den Gläsern der Sonnenbrille bekommt.

Nach 14 Jahren wieder ein offener Turbo© Porsche
Porsche Fahrer sind es gewohnt, an warmen Tagen ständig Scheiben und Scheinwerfer von klebrigen Insektenresten zu befreien. In Zukunft muss sich die solvente Kundschaft wohl auch Gedanken darüber machen, wie man die ungeliebten Ungeziefer-Überreste aus den Haaren und von den Gläsern der Sonnenbrille bekommt. Der offene Turbo ist das schnellste Cabrio, das Porsche auf die Straße lässt.
14 Jahre ohne Turbo-Bumms. Die Fans offener Sportwagen aus Zuffenhausen haben ein lange Durststrecke hinter sich. Da bezahlt man schon Unsummen für einen Porsche ohne Dach und muss sich unter Umständen von einem aufgebrezelten Boxster in die Schranken weisen lassen. Eine grauenvolle Vorstellung.
Schluss, aus, fertig und vorbei. Ab sofort hat der legendäre Typ 930, der von 1987 bis 1989 die offene Turbo-Tradition begründete, einen Nachfolger. Einen würdigen, versteht sich. Musste sich der Ur-Turbo noch mit 300 PS aus 3,3 Litern Hubraum begnügen, blubbern unter dem obligatorischen Heckspoiler des aktuellen Turbo-Cabrios 420 PS, die der luftgekühlte Boxer aus 3,6 Litern Hubraum schöpft. Zwangsbeatmet. Zwei Turbolader versorgen das Kraftwerk pausenlos mit hoch verdichteter Atemluft.

Der Klassiker: ein Turbo-Cabrio aus dem Jahr 1987© Porsche
Dabei springen maximal 560 Newtonmeter heraus, die von einer Visco-Kupplung je nach Situation auf beide Achsen verteilt werden. Die Fahrleistungen sind dementsprechend. Den Sprint von null auf 100 Sachen packt der geköpfte Turbo in 4,3 Sekunden, nach 9,5 Sekunden liegen 160 Stundenkilometer an. Die 300er-Marke ist kein Problem - wenn das Dach zu ist. 305 Sachen schafft der Turbo, bevor Roll- und Luftwiderstand der Beschleunigung ein Ende setzen. Mit geöffnetem Verdeck werden dem Porsche schon früher die Beine schwer. Ganz abgesehen davon, dass selbst Cabrio-Fetischisten bei solchen Geschwindigkeiten die Freude am offenen Fahren verlieren.
Obwohl man bei Porsche nicht viel von Proll-Extras hält, der Überschuss an Muskelmasse ist nicht komplett zu verstecken. Ohne fest installiertem Heckspoiler darf kein Turbo aus der Garage. Die Abtriebshilfe hat zwar nicht ganz das Bügelbrett-Format vergangener Modelle, ist dafür aber zusätzlich ausfahrbar. Hinzu kommen diverse Löcher, die dem Turbo-Tier zwecks Beatmung des Sechszylinders in den Pelz geschnitten wurden. Die Einlassöffnungen im Seitenteil vor der Hinterachse beatmen die Ladeluftkühlung, während in der Frontschürze drei große schwarze Öffnungen Kühlluft zu den Wasserkühlern leiten und im Rückspiegel den Fluchtreflex der anderen Verkehrsteilnehmer auslösen sollen.
Mit großen Experimenten hält man sich in Zuffenhausen nicht auf. Auch das Turbo-Cabrio hat ein Stoffmützchen im Verdeckkasten, dass sich im Bedarfsfall innerhalb von 20 Sekunden selbst auspackt. Anhalten muss man dafür übrigens nicht. Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Sachen geht der Deckel zuverlässig zu. Das kann keines der so hoch gelobten Blech-Klappdächer.
Die Extra-Portion Kraft lässt sich Porsche was kosten. 138.652 Euro sollte man schon haben, um sich ein 911 Turbo Cabrio bestellen zu dürfen. Dafür bekommt man seinen Zuffenhausener aber auch in Metallic-Lack gehüllt und mit Leder ausgeschlagen. Außerdem sind Alarmanlage, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Zentralverriegelung, Alarmanlage, Navigationssystem, Telefon und CD-Player mit an Bord.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Motor | Sechszylinder-Boxermotor mit zwei Turboladern |
| Hubraum | 3.600 ccm |
| Leistung | 420 PS / 309 kW |
| Bremsen | Scheibenbremsen rundum, ABS und PSM serienmäßig |
| Länge/Breite/Höhe | 4.435/1.830/1.295 Millimeter |
| 0-100 km/h | 4,3 Sekunden |
| Höchstgeschw. | 305 km/h |
| Leergewicht | 1.660 Kilo |
| Grundpreis | 138.652 Euro |