Soviel Zukunft wie in den Siebzigern wagte man im Autobau nie wieder. Die Fotografien von Rainer W. Schlegelmilch lassen die heißesten Sportwagen aus dieser Zeit wieder aufleben.
Politisch korrekt sieht anders aus: Die Autos auf den Fotos von Schlegelmilch sind hemmungslose Rennmaschinen und Spritsäufer, die Models posieren in anzüglichen Posen, Sicherheitsgurte waren unbekannt, dafür war häufig eine Zigarette mit im Bild. Die 70er waren voller Optimismus. Sicher war: Die Zukunft würde rasant, irgendwie galaktisch und ganz sexy werden. Dieses ungebrochene Vertrauen zeigt sich in den Autofotografien des Formel-1-Fotografen Rainer W. Schlegelmilch, die er in dem Band "70s Concept Cars" versammelt hat.
Schlegelmilch war dabei, als die bedeutendsten Designer aus Italien, von Bertone bis Pininfarina, in den späten 60er und frühen 70er das Auto neu erfinden wollten. Ihre Vision waren keilförmige Geschoße: hochmotorisiert, dabei aber filigran.
Die Fahrzeuge in dem Band zeigen einen Traum von Mobilität, wie er nie Wirklichkeit sein sollte. Kurz nach der Blütezeit der rasansten Keile kam es zum ersten Ölschock. Im Untertitel heißt der Band: "Yesterday's Dreams oft the Future." So intensiv hat seitdem niemand mehr von der Zukunft geträumt. Die Auto-Stylististen schufen Modelle, die auch nach vier Jahrzenten nicht zum alten Eisen gehören - im Gegenteil: Neben ihnen wirken die Messestudien von heute verzagt und gestrig.
Kleiner Trost für die später Geborenen: Die heißen Keile sehen aus, als könnten sie die Schallmauer durchbrechen, waren aber häufig nur Fingerübungen der Designer und nicht fahrbereit. Zu den Aufnahmen mussten die Boliden ohne Motor per Anhänger gebracht werden.
70s Concept Cars - Yesterday's Dreams of the Future - Rainer W. Schlegelmilch - teNeues - 79,90 Euro