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19. Juli 2010, 15:45 Uhr

James Sikes zum Idiotentest!

Angeblich haben in seinem Toyota die Bremsen versagt, so dass James Sikes aus Kalifornien in hohem Tempo über die Interstate donnerte. Inzwischen wissen wir: Das Problem saß hinterm Lenkrad, und Mr. Sikes ist alles andere als glaubwürdig. Von Harald Kaiser

Toyota, Pannenserie, James Sikes

James Sikes erzählt vom Bremsversagen - mit kostspieligen Folgen für Toyota© Denis Poroy/AP

Neulich in der Massenhysterie. Wer im Frühjahr in den USA Toyota fuhr, muss sich wie ein Aussätziger gefühlt haben. Tausende Fahrer anderer Marken umkurvten die Sonderlinge großräumig in der Hoffnung, dass so dem Erreger "pedalus klemmus" nicht der Sprung in die eigene Bordelektronik gelingt. Diese mikroskopische Bestie stand im Ruf, auch Nicht-Toyotas blitzartig an Klemmgas erkranken und genau so unbeabsichtigt losbrettern zu lassen und Unheil zu stiften.

James Sikes ist das passiert. Angeblich. Wie kein anderer ist er das Gesicht der Toyota-Affäre. Der 61-jährige Immobilienmakler aus dem Raum San Diego meldete im März bei voller Fahrt via Notruf, dass sein Toyota Prius zum irren Mustang mutiert sei und sich nicht mehr einfangen lasse.

Per "Horrofahrt" zum Medienstar

Kaum, dass er das mitgeteilt hatte, wurde er zum landesweiten Medienstar. Fernsehteams waren auf der Interstate 8 an seinen Prius herangeprescht oder schwebten im Hubschrauber über ihm und filmten seine Bändigungsversuche. Nichts ging. Angeblich erst mit einem beherzten Tritt auf die Feststellbremse (die den Wagen eigentlich beim Parken arretieren soll!) habe die lebensgefährliche Chose schließlich gestoppt werden können.

Danach zeigte er sich vor den Medien völlig fertig und glücklich, dass er den Horrortrip überlebt hat. Aber auch großherzig. Dem stern (Heft 12/1020) sagte er, dass er Toyota nicht verklagen will, sondern dass es ihm darauf ankommt, dass der Fehler behoben wird. Es gehe ihm um die Allgemeinheit.

Wer wollte Toyota schaden?

Schöner Ansatz. Doch inzwischen stehen nicht mehr die Autos im Mittelpunkt der Affäre, sondern die Fahrer. Denn, unfreundlich formuliert, hat die USA heute etwa 3000 Deppen mehr. So viele Fahrer beklagten sich bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde wegen angeblich irre gewordener Toyotas, die plötzlich mit Vollgas los wetzten oder deren Bremskraft sich verflüchtigt hatte. Und genau diesen Leuten wurde jüngst über die US-Medien mitgeteilt, dass sie nach einer vorläufigen Untersuchung dieser Behörde keine zwei Pedale eines Toyotas fehlerfrei bedienen können und schlicht Gas mit Bremse verwechselt haben. Vielleicht sollte sich nun Toyota generös zeigen und im Aufpreiskatalog speziell für die USA ein drittes Bein anbieten, um den hochkomplexen Wechselschritt im Fußraum ohne Verknotungen hin zu bekommen.

Und wie der letzte Teil eines Puzzles passt es ins Gesamtbild des hysterischen wirtschaftpolitischen Geschehens vor fünf Monaten jenseits des Atlantiks, dass sich neben Banken- und Finanzkrise genau in der Zeit auch General Motors und Chrysler infolge krassen Missmanagements im Morast der Insolvenz festgefahren hatten. Nur mit Steuermilliarden konnten sie inzwischen wieder einigermaßen flott gemacht werden. Hatten womöglich bestimmte Kreise ein überlebenswichtiges Interesse daran, Toyota derartig heftig an die Karre zu fahren, damit die Firma nicht vom Niedergang der einheimischen Autobauer profitiert?

Hochverschuldeter Swingerclub-Betreiber

Eine merkwürdige Parallele ist auch, dass Mister Sikes exakt in der Phase uneigennützig gehandelt haben will. Einer - so wird auf einer bekannten Auto-Webseite (www.jalopnik.com) kolportiert - der noch im März bei den Banken mit einem sechsstelligen Dollarbetrag in der Kreide gestanden haben soll. Was der Kerl, der nach Angaben derselben Webseite auch einen Swingerclub betreibt, mit seiner Aktion im Schilde führte, ist mysteriös. Schon kurz nach seinem vermeintlichen Horrortrip gab es Grund für die Annahme, dass etwas oberfaul sein muss. Experten der Verkehrssicherheitsbehörde hatten nämlich festgestellt, dass die Bremsen am Prius von James Sikes einwandfrei funktionieren und dass er während der angeblichen Irrfahrt auch nie voll gebremst hat.

90 Sammelklagen von angeblichen Opfern sind noch anhängig. Die Verkäufe beginnen sich gerade wieder zu erholen. Toyota hat 16,4 Millionen Dollar Strafe für angeblich verzögerte Informationspolitik bezahlt. Überweist Uncle Sam nun das Geld zurück? Verklagt Toyota Mister Sikes? Aber noch nicht einmal bei Wikipedia steht, dass jemals einem Nackten etwas aus der Tasche gezogen worden ist.

Von Harald Kaiser
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
andreos17051705 (22.07.2010, 15:01 Uhr)
Noch was
Wenn man nicht fahren kann soll man es lassen!!!
andreos17051705 (22.07.2010, 14:57 Uhr)
Was is denn das für ein Mist denn die Amerikaner schon wieder angestellt haben ?
Die Typen haben doch echt den Arsch offen.
Ich weiß genau was die wollen, die wollten damit eh nur Geld rausholen und sonst nichts ich hoffe die bekommen mal ihre gerechte Strafe dafür.
Und dieser James Sikes sollte jetzt eigentlich alles bezahlen dafür das er so ein Mist erzählt hat ,dass würde ihn dann davon abhalten weiteren Mist zu labbern.
dentix07 (20.07.2010, 12:31 Uhr)
Ach, welch überraschende Erkenntnis!
@ Kabelmann
Ist doch klar, daß ihn dies unglaubwürdig macht! Besonders bei den moralisch so intergeren Amis! *g*
Ansonsten habe ich genau das schon kurz nach den ersten Berichten geschrieben! 1. daß Herr Sikes anscheinend nicht Autofahren kann, 2. daß die ganze Kampagne sehr an die Audi-plötzlich-beschleunigt-Serie vor einigen Jahren erinnert, als es der US-Autoindustrie ebenfalls miserabel ging, und 3. daß es sich (seltsamerweise) immer um rein amerikanische Phänomene handelt!
Und das habe ich unbedarfter Mensch nur aus den Berichten und meiner Erfahrung als langjähriger Führerscheinbesitzer, Auto-, und Automatikfahrer geschlossen! Seltsam daß Journalisten dazu anscheinend ncht fähig waren!?
dist-bln (20.07.2010, 12:00 Uhr)
und die deutsche Medien..? Selbstkritik bitte!
die verhielten sich doch nicht besser und schrieben Toyota in Grund und Boden um der VW-AG zu helfen, die Nummer eins zu werden..?
ein bischen mehr selbstkritik wäre nicht schlecht!
dreissigvau (20.07.2010, 00:07 Uhr)
Zur Sache nochmal....
Alle deutschen Presse"organe" haben bei der Hysterie mitgemacht.
Star, Mirror, wer auch immer.
Will das nicht nochmal aufwärmen, aber die
Bremsleistung eines PKW zwischen 5-10 mal höher als die Motorleistung. Einmal
das Pedal ordentlich treten, und jedes
Auto hält trotz Vollgas an.


Der Rest war von Anfang an Quatsch.
Nojiko (19.07.2010, 21:14 Uhr)
Fehler, sorry!
wurde heimtückisch abgelenkt hier ...
ausstatten - ausstattete - ausgestattet muss es heißen - im Gegensatz zu "Sie gestatten?"
Nojiko (19.07.2010, 21:12 Uhr)
alles Deppen....?
wenn wir schon mal dabei sind:
schalten - schaltete - geschaltet
ausschalten - ausschaltete - ausgeschalteT
nix für ungut, manta ;-)
Aber das Behumpsen lernt man doch heutzutage an Beispielen aus den besten Kreisen - da denkt sich halt mancher, ich versuch's auch mal ... nur leiiiider kommt der Normalbürger - hier wie anderswo - damit irgendwie nie durch :-(
asdfghjkl (19.07.2010, 18:26 Uhr)
Zuviele Pedale...
...die Autos haben einfach zu viele Pedale. Das ist sowas von unübersichtlich... Zwei Pedale. Da kommt doch kein Mensch mit zurecht.
Ich meine, der hatte wohl schon großes Glück, dass er einen Automatikwagen fährt und nicht - wie diese Rückständigen Europäer es häufig tun - einen mit Kupplungspedal. Hätte sein Wagen drei Pedale gehabt, würde er wahrscheinlich nicht mehr leben.

Aber mal im ernst. Wahrscheinlich war er einfach nur angenervt und wollte die Kiste mal so richtig ausfahren, allen Geschwindigkeitsbeschränkungen zum Trotz. Und da hat er halt die Bullen angerufen, und behauptet, er könne nicht anhalten - sonst hätte man ihn wohl mit großem Polizeiaufgebot verfolgt und nach der "Höllenfahrt" direkt festgenommen.
nony (19.07.2010, 18:00 Uhr)
3000 Deppen .... in den USA
... und wie sieht es in Deutschland aus? Da war doch mal so ein Online Erzeugnis einer jeden Donnerstag erscheinenden Zeitschrift, jene mit dem rotweissen sternförmigen Signet oben links in der Ecke. In der Online Redaktion unter der Rubrik Auto, sitzen auch noch haufenweise Deppen, die - allen Warnungen und Hinweisen der User zum Trotz - nicht müde wurden, auf die ach so schlechten Toyotas / Lexus hinzuweisen, die im Vergleich zu den tollen deutschen Autos, doch vor Mängeln kaum aus der Garage kämen. Und falls doch, sofort zu einer lebensbedrohenden Höllenmaschine mutieren.
Aber eben. Daran erinnert sich ja kaum noch ein Depp unter den Lesern, also kann man sein opportunistisches Fähnchen wieder in den Wind hängen und so tun, als sei nichts gewesen. Sind ja nur die dummen Amis ..... Peinlich lieber Stern. Echt peinlich. ...... Und nun liebe Admins, viel Spass beim Löschen. Vielleicht quailfiziert ihr euch auf diese Weise ja bei Hrn. Jobs. Der sucht ja auch immer wieder mal Admins, die unliebsame Kommentare entfernen.
manta (19.07.2010, 17:46 Uhr)
Die Chance !!!!
Diese 3000 Deppen wie sie imText genannt werden würde ich mir gerne ganz genau ansehen. Den eins ist klar, das können nur ganz üble Zeitgenossen sein. Die eine Hälfte wird wohl das Problem haben, dass sie von geburt an nicht mit der nötigen Menge an Gehirn ausgestatten sind um am Leben teilzunehmen. Daher die Defizite beim bedienen eines Automatikwagens. Man kann nur hoffen dass sich diese Menschen berufsmäßig auf unterster Stufe bewegen wie etwa Einräumen bei Wal-Mart oder Burger basteln bei MCD. Falls sich unter diesen "IQ-Bomben" wirklich einer mit Sicherheitsrelevantem Job befindet sollte hier schnell gehandelt werden.
Die andere Hälfte dagegen versucht gewitzt einen Nutzen daraus zu ziehen. Es ist ein Pack von Opportunisten. Gleich mal eine Sammelklage starten und versuchen die fette Kohle abzuräumen....sind ja in den USA !
Also, Stern, es ist überhauptnicht unfreundlich formuliert wenn man sagt 3000 Deppen. Das ist eher noch freundlich. Es ist eine schande für eine westliche Industrienation 3000 solcher individuen unter sich zu haben. Sei es wie gesagt aus Dummheit oder Habgier.
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