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5. Mai 2007, 08:47 Uhr

Sehenswerte Täuschung

Den neuen Ford Mondeo gab es anfangs nur als Computersimulation. Damit wird frühzeitig erkannt, ob zum Beispiel Schalter schlecht erreichbar sind. Ein Blick ins virtuelle Cockpit Von Hans-Robert Richarz

Der neue Ford Mondeo wurde am Dienstag (06.03.2007) bei den Pressetagen des Automobilsalons in Genf (Schweiz) präsentiert.© dpa

Die Situation erscheint unwirklich. Mitten in einem abgedunkelten Raum des Ford-Entwicklungszentrums in Köln-Merkenich steht auf einem Podest ein Fahrersitz. Und rundum an den vier Wänden ist ziemlich verschwommen der Innenraum des neuen Ford Mondeo zu sehen. Aber nur für den, der sich die Szene mit bloßem Auge anschaut. Wer sich jedoch eine Spezialbrille auf die Nase setzt und dann Platz nimmt, für den verwandelt sich die Umgebung schlagartig in eine gestochen scharfe dreidimensionale Welt. Eine virtuelle, erzeugt von blitzschnellen Computern.

Trotzdem hat der Mensch auf dem Fahrerstuhl das Gefühl, im neuen Ford zu sitzen. Er hat Steuerrad und Armaturenbrett im Blick, sieht auf Bedienelemente, Radio und Navigationsgerät, kann nach vorne, nach rechts und nach links durch die vorgegaukelten Scheiben andere Autos, Passanten oder Gebäude sehen und registriert sogar im Rückspiegel, was hinter ihm passiert. Aus dem Dunkel ertönt von einem Ford-Experten der Rat: "Wenn Sie den Sitz etwas nach vorn rücken, sehen Sie noch besser." Die rechte Hand wandert nach unten zum Verstellhebel. Der ist tatsächlich da. Unwillkürlich greift gleichzeitig die Linke zum Lenkrad, um sich daran nach vorn zu ziehen - und langt ins Leere. Das Lenkrad ist zwar sichtbar, aber nicht wirklich vorhanden.

Cave (Höhle) nennt sich das würfelförmige Zimmer, in dem die virtuelle Begegnung mit dem neuen Ford Mondeo stattfindet. Dank Cave lassen sich während der Entwicklungszeit eines Autos zum Beispiel neue Designideen testen, ohne dass jedes Mal zeitaufwendige Plastikmodelle für viel Geld gebaut werden müssen. Aber das ist längst nicht alles. Kurzerhand wird der Sitz aus dem Raum geschoben, ein neuer Computerbefehl eingetippt, und schon erlebt der Betrachter den Mondeo in der Außenansicht. Er kann um den Wagen herumgehen, Motorhaube, Kofferraumdeckel oder Türen vom Computer öffnen lassen und sogar einen Blick von außen in den Innenraum werfen.

Nebenan, einen Raum weiter, stehen die drei leibhaftigen Versionen des neuen Mondeo, die es ab Sommer zu kaufen gibt: eine Stufenhecklimousine, eine Schräghecklimousine und ein Kombi. Designchef Martin Smith erzählt, dass die Suche nach dem neuen Ford-Stil vor vier Jahren begonnen hat. "Damals ist uns klar geworden, dass wir uns zwar in punkto Fahrdynamik sehen lassen konnten, das Design diese Qualitäten aber keinesfalls visualisierte." Das soll nun anders werden mit einer gebogenen Dachlinie, einer nach hinten ansteigenden Gürtellinie und Scheinwerfern, die fast bis an die Radkästen reichen. "Kinetic Design" nennt Smith den stilistischen Kniff, der das Auto bereits im Stand dynamisch wirken lassen soll.

Der Mondeo ist stilistisch geglückt. Aber die Konkurrenten - VW Passat, Opel Vectra und Audi A4 - sind keineswegs hässliche Geschöpfe. Womöglich kann der neue Ford da mit seiner Serienausstattung punkten. Dazu gehören zum Beispiel ein Bordcomputer und ein Knie-Airbag für den Fahrer. Der Einstiegspreis liegt mit 21 990 Euro zwar nur um einen guten Hunderter unter dem des Opel Vectra. Gegenüber dem Passat sind es jedoch rund 900 Euro, beim Audi sogar 2500 Euro. Der Innenraum wirkt gediegen, billig anmutende Kunststoffteile gibt es im Cockpit nicht. Der Platz für Fahrer und alle übrigen Passagiere ist großzügig bemessen. Letzteres hat Ford bereits frühzeitig mit Cave getestet. Ebenso, ob alle Schalter, Tasten und Hebel auch wirklich griffgünstig liegen. Wie das gemacht wurde, lässt sich in der Computerhöhle noch einmal nachvollziehen. Dem Betrachter wird ein Ring mit Sender auf den Zeigefinger geschoben. Bewegt er ihn auf einen Schalter zu, sieht er seinen Finger auf der Projektionswand. Allerdings nur wie ein abgehacktes Gliedmaß - ziemlich gruselig.

Von Hans-Robert Richarz
 
 
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