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20. März 2006, 18:18 Uhr

Luftiger Lichtblick

Bislang kamen aus Wolfsburg selten Spaßmobile. Mit dem neuen viersitzigen Sonnenanbeter Volkswagen Eos gelangt endlich der lange vermisste Pepp in die Modellpalette.

Nach oben offen: der Eos auf Testfahrt an der Küste Kaliforniens bei San Diego© Ted Soqui

Die Göttin der Morgenröte hat sich schon wieder schlafen gelegt, als der silberfarbene Volkswagen an einem Vormittag durch San Diego braust, vorbei am Sea-World-Park in Richtung Strand, an dem sich die Wellen des Pazifiks brechen. Ein perfekter Moment, um ein Bad in der kalifornischen Sonne zu nehmen. Auf Knopfdruck surren winzige Motoren los, senken die Seitenscheiben, lupfen das Stahldach an und klappen Abdeckungen auf, um Platz zu machen für die Dachelemente, die sich nun zusammenfalten und im Kofferraum verstauen.

Knapp 25 Sekunden dauert die Verwandlung vom Coupé in ein Cabriolet, und es ist ein Schauspiel, das staunende Blicke auf sich zieht. "Nice car!", ruft eine Joggerin im Vorbeilaufen. Es ist der Eos, Volkswagens neues Cabrio. Benannt nach der griechischen Göttin der aufgehenden Sonne, ist das Auto ein bisschen größer als der Golf und soll im Sommer auf den Markt kommen.

"Aber das ist kein Golf-Cabrio!", sagt Silvia Hoch, Marketingleiterin für den Eos. Schon deshalb nicht, weil der neue Wolfsburger das gleiche Fahrwerk wie der Passat hat und 20 Zentimeter länger ist als der Golf. Und die Preisliste beginnt bei 26 000 Euro - auch das entspricht eher dem Passat. Vor allem aber soll der Eos überhaupt kein Cabrio sein, sondern ein vollwertiger Viersitzer mit ordentlichem Kofferraum (380 Liter) und variablem Dach. "Wir haben festgestellt", sagt Silvia Hoch, "dass die Kunden verschiedene Sachen kombinieren möchten, die Grenze zwischen Cabrio und Coupé verwischt."

Neu ist der Trend nicht. Vor sechs Jahren schon brachte Peugeot mit dem 206 CC das erste Cabrio-Coupé auf den Markt und hatte damit so viel Erfolg, dass alle großen Hersteller folgten. Seitdem hat sich das Cabrio-Segment, in dem diese Sowohl-als-auch-Modelle statistisch untergebracht werden, europaweit auf 3,1 Prozent Marktanteil verdoppelt: 2004 wurden gut 450 000 Oben-ohne-Autos abgesetzt, davon allein 160 000 in Deutschland. Doch die neuesten Zahlen vom Kraftfahrtbundesamt zeigen, dass sich der Cabrio-Trend abgeschwächt hat: 2005 wurden 8,9 Prozent weniger Cabrios verkauft als im Vorjahr.

Und ausgerechnet jetzt kommt der Eos. Warum so spät? "Wir wollten kein Auto, das um das Dach herum konstruiert ist, wie das häufig bei Cabrios mit Stahldach passiert", sagt Silvia Hoch. "Wir wollten keine Kompromisse eingehen, das brauchte eben seine Zeit." Das Dach ist ein kleines Wunder an Hebeln, Stangen und Blechteilen. Stolz verweisen die Wolfsburger darauf, als Erste ein Auto anzubieten, dessen Metallklappdeckel aus fünf Teilen besteht. Konkurrenzcabrios hätten nur drei Dachelemente, was das Zusammen- oder Auseinanderfalten wegen der sperrigen großen Flächen fast akrobatisch anmuten lässt. Anders beim Eos: Der gleiche Vorgang sieht wegen der kleineren Blechteile eleganter aus.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2006

Technische Daten
Motoren Benzin: 2 l mit 110 kW/150 PS u. 2-l-Turbo mit 147 kW/200 PS
Fahrleistungen 0-100 km/h: 9,8 bzw. 7,8 s; Spitze: 209 km/h bzw. 232 km/h
Verbrauch Durchschnittl. 8,5 bzw. 8,3 Liter Super Plus
Abmessungen L/B/H: 4,41/1,79/1,44 m
Leergew. 1,48 Tonnen bzw. 1,53 Tonnen
Gepäckraum maximal 380 Liter
Preis Ab 27 950 Euro
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