Die nächtliche "Top Secret"-Tour endete tödlich: Ein Erlkönig-Fahrer ist auf der A5 bei Darmstadt in die Mittelleitplanke geprallt. Der Mann steuerte seit 25 Jahren Porsche-Prototypen und galt als erfahren. Trotzdem verlor er die Kontrolle über das getarnte Cabrio.

Der 51-Jährige prallte mit hohem Tempo in die Mittelleitplanke.© Jürgen Mahnke/DPA
Ein Porsche-Testfahrer ist am Freitag mit seinem getarnten Sportwagen auf der A5 bei Darmstadt verunglückt. Der 51-Jährige wurde so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb. Er war nach Polizeiangaben mit einem geheimen Vorserien-Modell - dem 911er Cabrio - zwischen Frankfurt und Heidelberg unterwegs gewesen. Bei Weiterstadt prallte er aus zunächst ungeklärter Ursache mit hoher Geschwindigkeit in die Mittelleitplanke. Ein zweiter Testfahrer des Stuttgarter Autoherstellers, der dem Unfallfahrzeug in einem viertürigen Panamera folgte, konnte rechtzeitig ausweichen und anhalten. Er soll nicht in den Unfall verwickelt sein.
Die beiden Fahrer waren laut Porsche um 22 Uhr gestartet und sollten die Erlkönige bis Freitagmorgen, 6 Uhr, testen. Die Männer seien nachts unterwegs gewesen, weil es sich um einen Straßendauerlauftest gehandelt habe, sagte ein Sprecher. "Es war kein Hochgeschwindigkeitstest. So etwas führen wir nicht auf öffentlichen Straßen durch." Die Staatsanwaltschaft Darmstadt schaltete zur Klärung der Unfallursache einen Gutachter ein. Der 51-jährige Testfahrer aus dem Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach bei Böblingen arbeitete nach Unternehmensangaben 25 Jahre lang für die Stuttgarter. "Er war einer der erfahrensten Testfahrer", sagte der Sprecher.
In der Vergangenheit hatten Testfahrt-Unfälle auf öffentlichen Straßen immer wieder für Aufsehen und Empörung gesorgt. Im Jahr 2005 wurde ein Mercedes-Mitarbeiter wegen eines tödlichen Unfalls in Schweden zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße verurteilt. Er war bei einer Fahrt ins nordschwedische Testgelände Arjeplog in einer Kurve von der Straße abgekommen, hatte dabei eine Frau erfasst und getötet. In Deutschland stand 2004 ebenfalls ein Mercedes-Testfahrer vor Gericht. Er soll auf der A5 zwischen Karlsruhe und Bruchsal mit Tempo 220 bis 250 auf einen Kleinwagen zugerast sein und die Fahrerin dabei so erschreckt haben, dass sie ins Schleudern kam und gegen einen Baum am Straßenrand prallte. Die 21-Jährige und ihre zweijährige Tochter kamen bei dem Unfall ums Leben. Der Mann bestritt, zum fraglichen Zeitpunkt am Unfallort gewesen zu sein.
Die Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt wird seit ihrem Bau in den 30er Jahren gerne zu Testfahrten genutzt. Die kilometerlange Gerade durch waldreiches Gebiet eignet sich besonders für Hochgeschwindigkeitstests. Erstes und bisher auch berühmtestes Opfer unter den Testern war der Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Der mit der Fliegerin Elly Beinhorn verheiratete Sportstar starb am 28. Januar 1938, als eine Windböe seinen Wagen der Auto Union bei mehr als 430 Stundenkilometern Geschwindigkeit erfasste und von der Bahn drückte. Die Unfallstelle von damals liegt nur etwa acht Kilometer von dem Ort entfernt, an dem jetzt der Porsche-Testfahrer tödlich verunglückte.