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Fast wie die neue S-Klasse

14. Dezember 2012, 13:40 Uhr

Nach dem Facelift ist die E-Klasse kaum wieder zu erkennen. Mercedes trimmt sie auf Luxus und stopft sie mit allerlei Oberklasse-Technik voll.

Die neue S-Klasse ist noch gar nicht da und schon wird sie von der E-Klasse nachgemacht. Mit neuer Front, effizienteren Motoren und modernsten Assistenzsystemen rollt die Mercedes E-Klasse ab April 2013 zu den Händlern. Im Angebot haben die Stuttgarter Benzin-, Diesel-und Hybrid-Motoren. Der Verkaufsstart für die Limousine und das T-Modell erfolgt zum gleichen Zeitpunkt. Der Einstiegspreis für den E 200 liegt bei rund 40.000 Euro und liegt damit auf Niveau des Vorgängermodells.

Nun auch mit fettem Stern

Erstmals bietet Mercedes bei der E-Klasse zwei unterschiedliche Frontdesigns an. Während die Basisausführung und die Ausstattungslinie "Elegance" den klassischen Kühlergrill mit Lamellenoptik und Stern auf der Motorhaube bekommen, ist die "Avantgarde-"Ausstattung mit dem Sportwagenkühler und großem integrierten Stern ausgerüstet. Dazu gibt es bei allen Modellen eine neu geformte Motorhaube und moderner gestaltete Stoßfänger mit Spoilerlippe.

Die Stoßfänger sind zudem völlig von Lichtelementen befreit. Im Gegensatz zum Vorgängermodell deckt nur ein einziges Scheinwerferglas alle Funktionselemente der neuen Scheinwerfer ab. Trotzdem bleibt das typische Vieraugen-Gesicht der E-Klasse erhalten, weil Leuchtelemente innerhalb der Scheinwerfer die Kontouren der alten Optik nachzeichnen. Serienmäßig verfügt die neue E-Klasse über Tagfahr- und Abblendlicht mit LED-Technik. Auf Wunsch erhält der Kunde auch Voll-LED-Scheinwerfer.

Strukturlinien und Zierleisten sorgen dafür, dass sowohl die Limousine als auch das T-Modell jetzt wesentlich gestreckter wirken. Überarbeitete Stoßfänger und LED-Rückleuchten verleihen dem Heck der E-Klasse ein breiteres Aussehen.

Deutlich wurde auch der Innenraum aufgewertet. Neue Materialien und ein neuer Instrumententräger lassen das Armaturenbrett wertiger erscheinen. Der Schalthebel bei den Automatikversionen ist jetzt nicht mehr auf der Mittelkonsole, sondern am Lenkrad untergebracht. Neben den drei Ausstattunglinien Basis, Elegance und Avantgarde hat der Kunde jetzt eine erheblich größere Auswahl zur individuellen Gestaltung über optionale Ausstattungsmerkmale als bisher.

Viele neue und teure Assistenten

Noch opulenter als die optischen Überarbeitungen sind allerdings die angebotenen Möglichkeiten bei den Assistenzsystemen. Die allerdings auch extra bezahlt werden müssen. In der neuen E-Klasse feiern eine Vielzahl neuer oder optimierter Systeme aus der künftigen S-Klasse ihre Premiere. Sie sollen das Autofahren noch komfortabler und vor allem sicherer machen.

Das technische Highlight ist dabei zweifelsohne die im Bereich des Innenspiegels angebrachte Stereokamera mit zwei Kameraaugen. Sie ermöglicht in einem Bereich von rund 50 Meter vor dem Auto räumliches Sehen und kann eine Gesamtstrecke von 500 Meter überblicken. Die Werte der Kameras werden von unterschiedlichen Systemen ausgewertet und können dadurch entgegenkommende Autos, Fußgänger und die unterschiedlichsten Verkehrszeichen oder Fahrbahnmarkierungen erkennen und sie räumlich sowie von ihrem Bewegungsablauf her einordnen. Dadurch können Unfälle vermieden werden, da sie in Verbindung mit der mehrstufigen Radarsensorik Unfälle durch automatische Verringerung der Geschwindigkeit im Notfall verhindern können.

Des Weiteren kann der Kunde optional dank Distronic Plus mit Lenk-Assistent das Auto sicher in der Spur halten. Das System ermöglicht sogar ein teilautonomes Fahren im Stau. Der Bremsassistent "BAS Plus" mit Kreuzungs-Assistent kann Fußgänger erkennen und verstärkt bei Bedarf die Bremsung des Fahrzeugs. Auch Pre-Safe erkennt Fußgänger und kann bis zu einem Tempo von 50 km/h eine autonome Bremsung einleiten. Pre-safe Plus soll Heckkollisionen im Vorfeld erkennen können und den nachfolgenden Verkehr verstärkt warnen. Gleichzeitig aktiviert er die Sicherheitssysteme im Innenraum und bremst das Fahrzeug zum Stillstand, um Folgeunfälle zu vermeiden.

Der aktive Spurhalte-Assistent erkennt belegte Fahrspuren, wie etwa beim Gegenverkehr und verhindert ein Ausscheren auf diese. Dank des adaptiven Fernlicht-Assistenten kann der Fahrer der E-Klasse immer mit Fernlicht fahren, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Eine 360-Grad-Kamera, Verkehrszeichen-Assistent und automatische Einparkhilfe gehören schon fast wie normale Ausstattungsoptionen dazu.

Umfangreiche Motorenpalette

Sechs Benzinmotoren von 135 kW/184 PS bis 300 kW/408 PS, fünf Dieseltriebwerke mit 100 kW/136 PS bis 185 kW/252 PS und ein Hybridmodell stehen beim Kaufentscheid zur Auswahl. Der E 200 als Einstiegsmodell ist mit dem neuen Vierzylinder-Benzintriebwerk mit Direkteinspritzung und Turbolader ausgestattet. Das technisch ausgeklügelte Triebwerk soll äußerst sparsam sein und sich mit 5,8 Litern pro 100 Kilometer begnügen. Zudem erfüllt er bereits jetzt die neue EU6 Norm, die ab 2015 gilt. Neben einem weiteren Vierzylinder mit 155 kW/211 PS umfasst das Benzinprogramm drei Sechszylinder-Triebwerke und einen V8-Zylinder mit 300 kW/408 PS. Die Sechs- und Achtzylinder-Modelle sind zudem als Allradversionen erhältlich.

Beim Diesel gibt es drei Vierzylinder mit 100 kW/136 PS bis 150 kW/204 PS, zwei Sechszylinder mit 170 kW/231 PS und 185 kW/252 PS. Allrad gibt es für die jeweils stärksten Motorisierungen. Ein Vierzylinder-Hybrid, der eine CO2-Emission von 107 g/km aufweisen soll, rundet zunächst die Motorenpalette ab. Natürlich wird es auch noch AMG-Versionen für die Sportler unter den E-Klasse-Fahrern geben.

Beim Schalten kann der Kunde je nach Modell zwischen einer manuellen Sechgangschaltung oder der Automatik 7G-Tronic Plus wählen. Vier unterschiedlich ausgelegte Fahrwerke sollen dafür sorgen, dass jeder nach seinem Geschmack die richtige Ausswahl treffen kann. Ob komfortabel, etwas sportlicher, sportlich oder luftgefedert - in Verbindung mit der neuen elektromechanischen Lenkung verspricht Mercedes mit allen Versionen ein dynamisches Fahrverhalten.

Eine umfangreiche Serienausstattung , zu der unter anderem auch das automatische Öffnen und Schließen der Kofferraumklappe über Bewegungssensoren ohne Handeinsatz gehört, runden das auf den ersten Blick überzeugende Angebot der Stuttgarter ab. Und wann hat es das zum letzten Mal gegeben, dass Mercedes mit einem neuen Modell die Preise nicht deutlich anhebt, sondern trotz verbesserter Ausstattung bei einigen Modellen sogar senkt?

Jürgen Schamek/MID

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