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27. September 2009, 12:08 Uhr

Sparen, bis der Arzt kommt

Bei der Sparfahrt "Efficiency Challenge", auf der Audi 20 seiner Autos zehn Tage lang und über 4000 Kilometer weit durch Europa treibt, fährt auch das neue Ökomodell A3 1.6 TDI mit. Stern online saß bei der ersten Etappe in Norwegen hinter dem Lenkrad des Wunderdiesels – und fuhr gleich Verbrauchsrekord. Von Michael Specht

Audi A3 1.6 TDI

Audis Sparsamster: Der A3 1.6 TDI soll im Durchschnitt 3,8 Liter je 100 km verbrauchen, was einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer entspricht© Audi

Sie muss irgendwie defekt sein, diese verdammte Tanknadel. 200 Kilometer geht es auf der norwegischen E6 bereits durch Wälder und Gebirge, entlang der Fjorde und über den Polarkreis gen Süden. Doch das kleine rote Ding regt sich nicht, steht wie fest geklebt noch immer auf "Voll". Eine Antwort liefert der Bordcomputer, der einen Durchschnittsverbrauch von 3,2 Liter pro 100 Kilometer anzeigt. Somit fehlen gerade mal 6,4 Liter im Tank. Zu wenig, um die Nadel zu bewegen. Ebenso unglaublich ist die Anzeige der restliche Reichweite: 1520 Kilometer.

Bei solchen Werten reiben sich die mitgereisten Motoren-Ingenieure auf der "Efficiency Challenge" von Audi natürlich die Hände. Die Entwicklung des neuen Vierzylinder-Diesels, der sein Debüt demnächst im Golf BlueMotion haben und danach auch Polo und Audi A3 antreiben wird, scheint sich gelohnt zu haben. Den Normverbrauch gibt das Werk mit 3,8 Litern an, was einem CO2-Ausstoß von nur 99 g/km entspricht. Außerorts sollen es gar 3,4 Liter sein (die wir unterboten haben) und selbst im schluckfreudigen Stadtverkehr drückt die Common-Rail-Pumpe nicht mehr als 4,7 Liter je 100 Kilometer in die Brennräume – wohlgemerkt stets gemessen nach den realitätsfernen Labormethoden der europäischen Kommission in Brüssel.

Ohne Hightech und Feintuning keinen niedrigen Verbrauch 3,8 Liter. Bei Porsche ist dies der Hubraum des neuen 500 PS starken 911 Turbo. Bei Audi steht diese Zahl für das derzeit sparsamste Modell in der gesamten Produktpalette. Zum Händler rollt der Knauser-Audi im Januar 2010. Offizielle Preise gibt es noch keine. Gemunkelt wird aber was von 23.500 Euro. Wie beim Golf BlueMotion so bedurfte es auch beim A3 1.6 TDI einiger technischer Tuningstricks, um die psychologische CO2-Marke von 100 Gramm zu knacken. So erhielt Audis Kompaktmodell unter anderem Leichtlaufreifen, ein Stopp-Start-System und eine längere Getriebeübersetzung. Letztere senkt im fünften und höchsten Gang das Drehzahl- und Geräuschniveau. Außerdem ist die Lichtmaschine elektronisch so geschaltet, dass sie in Schubphasen und beim Bremsen Strom gewinnt (Rekuperation), beim Beschleunigen dagegen nur im Leerlauf mitdreht und so dem Motor nicht zur Last fällt.

Audi A3 1.6 TDI

Nach der Tagesetappe von 410 Kilometern mussten lediglich 12,9 Liter Diesel nachgefüllt werden© Audi

Am meisten kann der Fahrer sparen

Doch trotz aller technischen Kniffe, das größte Spritsparpotenzial sitzt nach wie vor hinter dem Lenkrad. "Bis zu 30 Prozent sind fahrerabhängig", weiß Audis Spar- und Fahrtrainer Kai-Uwe Jochims und gibt den Teilnehmern der Öko-Rallye auch gleich ein paar Tipps mit auf den Weg: vorausschauende Fahrweise, frühes Hochschalten, wenig Bremsen, viel Rollen im Leerlauf, Schwung nutzen. Solch ein Fahrstil hat natürlich Auswirkungen aufs Tempo: Man ist stets zu langsam, was in Deutschland fast einer kriminellen Handlung gleichkommt. Wer traut sich hier schon, im höchsten Gang mit 1200 Umdrehungen und Tempo 65 über die Landstraßen zu zockeln und einen Trucker im Nacken zu haben? In einem extrem dünn besiedelten Land wie Norwegen geht das wunderbar. Ohnehin ist hier außerorts meist nur Tempo 60 bis 80 erlaubt und Übertretungen werden empfindlich, teils mit bis zu 900 Euro Bußgeld bestraft.

Audi A3 1.6 TDI

Die 3,2 Liter auf unserer Tour sind allerdings im Alltag nicht zu schaffen. Mit Tempo 65 im 5. Gang bei 1200 Umdrehungen schleicht keiner die Landstraße entlang© Audi

Ein Arzt ist immer dabei

Derartige Rahmenbedingungen zwingen förmlich alle Teilnehmer der "Efficiency Challenge" zum Streicheln des Gaspedals, ersticken aber auch jeden Anflug von Fahrspaß im Keim. Auf der 410 Kilometer langen Tagesetappe von Harstad nach Mo i Rana konnten wir den Minimalverbrauch des Audi 1.6 TDI von 3,2 Litern dadurch zwar bis ins Ziel halten. Allerdings unter Schmerzen. Das rechte Bein drohte immer wieder zu verkrampfen, bedingt durch die über Stunden konstante Fußposition. Derlei Zipperlein und andere "Kollateralschäden" können sich die Spritsparer jedoch behandeln lassen. Audi nahm vorsorglich einen Arzt mit auf die zehntägige Europa-Tour.

Von Michael Specht
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Eisenbaer (28.09.2009, 19:19 Uhr)
Meinen Golf III 1,9 TDI...
...habe ich seinerzeit auf Minimalverbräuche um die 3 Liter heruntergetrieben. Und das mit der "alten" Verteiler-Einspritzpumpe noch. Die Pumpe-Düse-Einheit hingegen war phonetisch ein Fortschritt (ja tatsächlich), hingegen Verbrauchs-technisch gesehen ein Rückschritt, lediglich das Ansprechverhalten und die Kraftentfaltung waren und sind "erste Sahne".

Aber das nun weiterentwickelte Common-Rail-Verfahren verspricht anscheinend die alten Verbrauchs-Tugenden wieder aufleben zu lassen und weiteren phonetischen Fortschritt wahr werden zu lassen. Werde demnächst auch mal schauen, ob das so stimmt.
dist-bln (28.09.2009, 12:20 Uhr)
BILLIGE PR!!!
...das man ein Modell durch "technisches Feintuning" und entsprechende Fahrweise sehr sparsam bewegen kann, ist doch wohl keine "NEUE ERKENNTNIS"...
dies ändert jedoch nichts an den hohen Verbräuchen der Volumenmodelle z.B. des VW-Konzerns!
ist die Berichterstattung ein Gerangel von VW und süddeutsche Hersteller um die höhste "Schummelkompentenz"..? ich glaube- nur billige PR, letzendlich zur Absatzförderung...
WilderWatz (28.09.2009, 11:31 Uhr)
Tempomat
Nach der Klimaanlgae meint wichtigster Ausstattungswunsch: TEMPOMAT. Nur so fällt mir nicht schon nach 100Km der Fuß ab. Und es schützt gegen Geschwindigkeitsübertretung!
Außerdem: Wenn ich mal eine freie, tolle Landstraße oder Autobahn habe, pfeife ich auf den Verbrauch. Dann ist Freude am Fahren angesagt. So was kommt schließlich selten genug vor und belastet daher die Tankrechnung auch nur marginal.
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