Trabant - der Renner aus Plaste

1. Oktober 2010, 08:05 Uhr

Nach 20 Jahren Deutscher Einheit wird es Zeit, die Kultautos des Ostens zu würdigen. Der Trabi wurde zum Symbol der Mangelwirtschaft, aber die Fans lieben ihn noch heute. Er ist die Nummer zwei auf der Oldtimer-Hitliste.

Trabant, Rennpappe, DDR, Plaste, Zweitakt

Ein Trabant rostet nicht, die Karosserie ist aus Plaste©

Ein Trabi steht an einer Kreuzung. Die Ampel wird grün, der Trabifahrer gibt Gas, doch sein Auto kommt nicht vom Fleck. Warum? Ganz einfach - der Mercedes hinter ihm hat die Lüftung eingeschaltet.

Solche Witze schossen im Jahr 1990 wie Pilze aus dem Boden. Der Trabant war damals nur ein rollender Scherz, ein Verkehrshindernis, ein nervender Zweitakt-Stinker. Auf den Autobahnen waren Wessis am Volant schnell genervt von den Trabi-Kolonnen, die sich schon von weitem durch bläulichen Rauch ankündigten.

Durch Tauschwirtschaft zum Trabiglück

Doch der kleine Wagen mit seiner baumwollverstärkten Duroplast-Karosserie und dem typischen "Rend-Deng-Deng"-Sound des 26 PS starken Zweitakters ist nicht so einfach totzukriegen. Der Trabi stellt mit rund 34.000 Exemplaren nach dem VW Käfer den größten Oldtimer-Bestand auf deutschen Straßen. Und das nicht nur in Berlin, Leipzig oder Dresden: Sogar tief im Westen hat sich eine eingefleischte Fangemeinde der kultigen Rennpappe verschrieben. "Dieses Auto ist so einfach und billig", schwärmt Thomas Wentker vom nordrhein-westfälischen Trabant-Club Sputnik. Sein Trabant 601 Universal wurde im Jahr 1990 gebaut, es ist einer der letzten. Regelmäßig fährt Wentker mit seiner Familie und den Freunden des Trabi-Clubs auf Tour - natürlich mit dem "Qek Junior" im Schlepptau, einem 300 Kilo leichten Wohnwagen.

Die Mitglieder des Trabant-Club Sputnik kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen, aus Ruhrgebiet und Münsterland, aus Bochum, Düsseldorf oder Ascheberg. "Meinen ersten Trabi habe ich umsonst bekommen", erinnert sich Clubmitglied Timo Jürgenschellert, "der Besitzer hat mir Papiere und Schlüssel in die Hand gedrückt und wollte schon wieder die Tür zumachen." Er musste den Mann dazu überreden, ihm wenigstens eine kurze Einweisung zu geben. Sechs Jahr lange hielt der Wagen tapfer durch, dann musste ein neuer her. Seinen aktuellen Trabi organisierte sich Kfz-Mechaniker Jürgenschellert so, wie es viele Trabi-Piloten zu DDR-Zeiten mit Ersatzteilen machen mussten: durch ein Tauschgeschäft. "Ich bekam den Trabi und habe dafür einen Zahnriemenwechsel bei einem alten Audi durchgeführt."

Trabant, Rennpappe, DDR, Plaste, Zweitakt

Der Wagen ist klein, der Motor noch kleiner©

Einfach zu reparieren

Auch wer technisch nicht so versiert ist, kann sich beim einfach aufgebauten Trabi als Schrauber versuchen. Der Spruch "Hast du Hammer, Zange, Draht, kommst du bis nach Leningrad" enthält ein Körnchen Wahrheit. Das Zweitaktgemisch (Öl und Benzin im Verhältnis 1:50) mixt man sich selbst, bei Tempo 80 liegt der Durchschnittsverbrauch bei bescheidenen sechs Litern pro 100 Kilometer.

Trabifahren ist ein Erlebnis, aber gar nicht so einfach: Zuerst muss man sich an die Lenkradschaltung gewöhnen. Das Auto ist so winzig, dass das Gaspedal fast in der Mitte des Fußraums sitzt, doch selbst als langer Lulatsch findet man problemlos Platz hinterm Lenkrad. Hat man den ersten Gang reingewürgt, knattert das Motörchen fröhlich vor sich hin und schiebt den leichten Trabi erstaunlich forsch an. Überholmanöver sollte man besser lassen, doch im Stadtverkehr zeigt sich der Trabi putzmunter.

Trabant, Rennpappe, DDR, Plaste, Zweitakt

Schick nach Art der DDR©

Sympathieträger des Ostens

Erfreuen kann man sich an den knallig bunten Knöpfen, mit denen man in Zwickau wohl fröhliche Kontrapunkte zum tristen Armaturenbrett setzen wollte. Und natürlich am Original-Zubehör, das Trabi-Fans Wentker und Jürgenschellert gesammelt haben: Ein Thermometer mit der großspurigen Aufschrift "Thermo-Kontrolle" oder ein Schalthebel mit durchsichtigem bernsteinfarbenem Knauf, in dem ein kleines Modellauto wie in einem Flaschenschiff gefangen ist.

Wo immer die Trabi-Fans mit ihren Autos auftauchen, stoßen sie überwiegend auf große Sympathie. "Der Trabi ist in Oldtimerkreisen angekommen. Früher war er vor allem als Stinker verschrien, doch mittlerweile lassen sich viele Leute in ihren Wagen auf der Autobahn zurückfallen, um begeistert Fotos zu machen", erzählt Thomas Wentker. Immer könne man einen Trabi aus den östlichen Bundesländern schnell von denen aus westlichen Gefilden unterscheiden, sagt Wentker: "Fans aus dem Westen legen eher Wert auf Originaltreue, bei Fans aus dem Osten wird optisch und technisch oft getunt, was das Zeug hält."

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
DDR Münsterland Nordrhein-Westfalen Pilze Ruhrgebiet VW Käfer
Auto
Ratgeber
Winter/Schnee-Tipps von einem Vielfahrer: Hauptsache Ruhe bewahren Winter/Schnee-Tipps von einem Vielfahrer Hauptsache Ruhe bewahren
VIEW Fotocommunity VIEW Fotocommunity Pferdestärken in besonderen Perspektiven. Zur VIEW Fotocommunity
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?