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So fährt sich der Sportler mit Ökoantrieb

Leistungen wie ein Porsche, aber nur ein Verbrauch von 2,5 Litern. BMW bringt beim i8 Nachhaltigkeit und Sportlichkeit zusammen. In der City fährt der Hightech-Renner auch rein elektrisch.

  Noch sind die Vorserienmodelle mit bunten Folien verklebt.

Noch sind die Vorserienmodelle mit bunten Folien verklebt.

BMW gibt Vollgas bei der E-Mobilität. Unklar ist jedoch, ob die i-Reihe die Münchner als Visionäre in die Zukunft katapultiert, oder ob der Konzern damit auf ein Debakel zurast. BMW engagiert sich wie kaum ein anderer Hersteller. Die meisten Autobauer begnügen sich damit, bereits vorhandenen Fahrzeuge, die als Verbrenner konzipiert wurden, in Kleinserien nachträglich zu elektrifizieren.

Die i-Familie von BMW stammt nicht von anderen Baureihen ab. Sie wurden von Grund auf als Elektrofahrzeuge konzipiert. BMW hat sich nicht allein mit dem Antrieb beschäftigt, sondern leistet sowohl beim Thema Leichtbau wie auch bei der Fertigung der Karosserie Pionierarbeit. Damit gehen die Münchener voll ins Risiko: Sollte der Verkauf der Stromautos stocken, gibt es keine Benzinbaureihe im Hintergrund, die die Verluste abfedern könnte. Ein Scheitern der i-Reihe könnte BMW kaum überstehen. Das wäre das Worst-Case-Szenario. Damit es nicht eintritt, haben die BMW-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Sie haben zukunftsweisende E-Mobile auf die Straße gestellt.

Trendwende im Sportwagenbau

Bereits gezeigt wurde der kleinere i3, nun kommt der i8. Ein echter Sportwagen. Dem flachen Hightech-Renner liegt ein komplett neuer Denkansatz zugrunde. Motto: kein Verzicht beim Fahrspaß, trotzdem optimale Effizienz. Ein technischer Spagat, den es in dieser Form bislang nicht gab. Der i8 soll eine Trendwende im Sportwagenbau einläuten. Bereits nächstes Frühjahr steht er beim Händler. Preise will BMW in fünf Wochen bei der Weltpremiere auf der IAA bekannt geben. Im Gespräch sind derzeit 120.000 Euro.

Eine stolze Summe. Doch ein Porsche Carrera 4S liegt auf ähnlichem Niveau. "Beim i8 bekommen Sie zusätzlich die Möglichkeit, elektrisch zu fahren", sagt Projektleiter Carsten Breitfeld. Denn technisch ist der i8 ein Plug-in-Hybrid, der bis zu 35 Kilometer mit Strom rollen kann. Genug, um selbst in großen Innenstädten nahezu geräuschlos und vor allem emissionsfrei unterwegs zu sein. Das mag derzeit noch keine große Relevanz haben, doch es könnte in Zukunft ein wichtiges Thema werden. London mit seiner City-Maut ist bereits ein erstes Signal in diese Richtung.

Wer stellt sich den i8 in die Garage? Reiche Ökos? Produktmanager Henrik Wenders bezeichnet sie als "Innovation Seeking Prospectives", kaufkräftige Menschen, die neuen Technologien sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. Alter: 35 Jahre aufwärts, in Asien jünger. "Der i8-Kunde sieht das Thema Nachhaltigkeit als einen festen Bestandteil seines Wertegefüges an und kauft entsprechend danach", so Wenders. Dass BMWs Gene "Aus Freude am Fahren" auch beim i8 nicht auf der Strecke bleiben, zeigte eine erste Fahrt mit noch getarnten Vorserienmodellen. Ort: das hauseigene Testgelände im südfranzösischen Miramas, wo der i8 bis an seine Grenzen gebracht werden kann.

  Selbst auf der Rennstrecke geht dem Hybriden nicht die Puste aus.

Selbst auf der Rennstrecke geht dem Hybriden nicht die Puste aus.

Rennwagen mit Dreizylinder

Mühelos lässt sich der Sportwagen über die kurvige Handlingstrecke scheuchen, lenkt präzise ein und bleibt auch bei hohem Kurventempo gutmütig neutral und leicht beherrschbar. Geschuldet ist dieses mustergültige Fahrverhalten der professionellen Konstruktion. "Kein anderes BMW-Modell hat einen tieferen Schwerpunkt und ist so perfekt ausbalanciert wie der i8", so Breitfeld. Hinzu kommen eine hochfeste und leichte Karbon-Karosserie in Verbindung mit einem steifen Aluminium-Chassis.

Wer glaubt, ein Sportwagen müsse seine Leistung ausschließlich aus viel Hubraum und noch mehr Zylindern beziehen, wird beim i8 eines Besseren belehrt. Hier stehen Intelligenz und vor allem Effizienz im Vordergrund. Vorne sitzt direkt auf der Achse ein E-Motor mit 131 PS und 250 Nm maximalem Drehmoment, hinten arbeitet ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 231 PS und 320 Nm. Beide sind so geschickt miteinander kombiniert, dass eine Systemleistung von 362 PS und 570 Newtonmetern bereitsteht. Genug, um den i8 in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten zu lassen. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit, immerhin 250 km/h, braucht sich der nur 1490 Kilogramm leichte und 4,69 Meter lange Öko-Sportler nicht zu verstecken.

Beim Verbrauch verspricht BMW dennoch Effizienz auf höchstem Niveau. Nach EU-Norm und komplizierter Hybridformel werden "weniger als 2,5 Liter auf 100 Kilometer" genannt. Endgültige Werte folgen im September. Im Alltag dürften es ohnehin ein paar Liter mehr sein, je nachdem, wie oft und wie lange der Fahrer den Elektromodus nutzt.

Eco-Chic schlägt Proll-Potenz

Großen Anteil am sparsamen Umgang mit Ressourcen hat die Aerodynamik. Die Luftführung ist bis ins Detail optimiert, selbst am Unterboden, den Radhäusern (Air-Curtain) und an den Seitenspiegeln. Einen extrovertierten Heckspoiler hat der i8 somit nicht nötig und ist mit einem cW-Wert von 0,26 dennoch Klassenbester. Kein Sportwagen in dieser Kategorie kommt da heran, heißt es bei BMW. Beim Porsche Carrera beträgt der Wert 0,29.

Produktmanager Henrik Wenders ist zuversichtlich, dass der BMW i8 eine Art Trendwende im Umgang mit Sportwagen einleitet. Laut ist out. Eco-Chic schlägt Proll-Potenz. Der peinliche Auftritt mit getunten Achtzylindern gilt vor dem Szene-Café schon längst nicht mehr als zeitgemäß. Wenders: "Sympathischer und stilvoller ist es doch, leise und emissionsfrei über den Boulevard zu rollen."

Das hört sich einleuchtend an, zeigt aber auch das Risiko der i-Reihe: Die Kunden müssen beim Wechsel von Achtzylindern zum Ökosportler mitziehen. Ein Hybrid wie der i8 bringt auf jeden Fall das Zeug mit, begeistern zu können.

Michael Specht/MID/MID

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