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7. Dezember 2010, 21:43 Uhr

Die große amerikanische Herausforderung

Der Orlando ist der Chevrolet für die große Familie. Auf der ersten Testfahrt präsentierte sich der Van, der im Frühjahr Deutschland erobern will, erstaunlich reif und rund. Sein großes Plus ist der kleine Preis.

Wer beim Autokauf mit einem begrenzten Budget kalkulieren muss, sucht häufig ein Fahrzeug, das möglichst viel kann. Das ist einer der Gründe, warum die Segmente der leichten SUV und der Vans von Nachfragekrisen kaum beeindruckt seit Jahren stetig wachsen. Um von diesem Kuchen zu naschen, wurde der Chevrolet Orlando entwickelt. Ein Einstiegspreis von deutlich unter 20.000 Euro soll helfen, sich unter den Familienlimousinen einen festen Platz zu erobern.

Die potenziellen Käufer der VW-Modelle Touran oder Sharan hat die amerikanische Marke dabei weniger im Blick. Stattdessen hat Chevrolet den Mazda5 als Konkurrent ausgemacht. Allerdings kann der Orlando dessen Schiebetüren nicht bieten, sondern muss versuchen, über Ausstattung und Qualität Kaufanreize zu schaffen. Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall der Einstiegspreis von 18.990 Euro.

Perfekt als nur Fünfsitzer

Das Innenraumkonzept ist auf sieben Plätze ausgelegt. Die dritte Reihe ist dabei voll versenkbar und der ebene Ladeboden ist ein für den Transport von Gütern nicht zu unterschätzender Vorteil. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Zustieg auf die Plätze fünf und sechs nicht wirklich bequem, aber auch bei Chevrolet haben die Ingenieure über das Problem intensiv nachgedacht. Immerhin ahben sie die technisch größtmögliche Zustiegslücke geschaffen. Außerdem geben die rund 40 Millimeter über dem Niveau der beiden vorderen Sessel angebrachten hinteren Sitze den Passagieren ein verbessertes Raumgefühl.

Wer die volle Sitzplatzkapazität ausnutzt, kommt um Kompromisse beim Gepäcktransport jedoch nicht herum. Sieben Personen zum Ferienflieger an den Flughafen zu bringen, ist eine leichte Übung für den Orlando, nur die Koffer bleiben dann zurück. 89 Liter Gepäckvolumen sind kein wirklich vorzeigbarer Wert. Anders ist es, wenn der Wagen als Fünfsitzer seine Transportaufgaben erledigt. Dann stehen mindestens 454 Liter Volumen zur Verfügung. Auch für die große Einkaufstour im Baumarkt ist der Orlando fit, hinter den Vordersitzen können im Bedarfsfall fast 1500 Liter Volumen genutzt werden.

Überraschend hochwertige Innenausstattung

Ergonomisch gut geformte Sitze, die dem Rücken Halt geben und an den Wangen stabil genug sind, waren in der Vergangenheit nicht als Stärke von amerikanischen Marken bekannt. Deshalb überrascht der Orlando auch mit den ausgeprägten Seitenwülsten der Frontsitze. Erfreulicherweise fehlt der Innenausstattung zudem jene plastikdominierte Sparsamkeit, die US-Produkten in der Vergangenheit häufig anhaftete. Die Atmosphäre im Orlando ist überraschend solide und wertig. Wer sich das Cockpit genauer anschaut, findet eine Grundarchitektur wieder, die Opel-Fahrer von verschiedenen Modellen her kennen. Dazu gehört der hoch sitzende Bildschirm der Navigation. Ein Clou versteckt sich genau unter dem Monitor: Per Tastendruck klappt das ganze Schalterpanel weg, um den Aufbewahrungsort für MP3-Player oder andere externe Unterhaltungsquellen frei zu legen.

Unauffälliger Dieselmotor

Für die Probefahrt wählten wir den zwei Liter großen Turbodiesels gewählt, bei dem die Kunden die Wahl zwischen drei Varianten haben werden. Mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe ist der Motor in den Leistungsstufen 96 kW/130 PS und 120 kW/163 PS zu haben. Letztere kann auch mit einer Sechsgang-Automatik bestellt werden. Als vierte Variante steht ein 1,8 Liter großer Benziner zur Verfügung, der 104 kW/141 PS leistet. Chevrolet hofft, nach der Anlaufphase des Orlando den Dieselanteil bis auf 50 Prozent am Gesamtvolumen steigern zu können.

Das Testfahrzeug mit 163 PS und Handschaltung hat einen stimmigen und munteren Eindruck hinterlassen. In den meisten Lastzuständen hat sich der Motor unauffällig, geräuscharm und leistungswillig verhalten. Lediglich bei höheren Drehzahlen hat sich ein knurriger Unterton bemerkbar gemacht, der sich aber durch zügige Gangwechsel beheben lässt. Fahrwerk und Lenkung erscheinen bei dem Auto so europäisch, dass man die US-Marke dahinter leicht vergessen kann. Das Auto reagiert direkt und unmittelbar auf Richtungsänderungen, von der Vorderachse kommt ausreichend Rückmeldung, sodass sich ein griffiges und handliches Fahrgefühl einstellt.

Die beiden handgeschalteten Dieselvarianten sollen laut EU-Verbrauchstest mit sechs Litern Kraftstoff je 100 Kilometer auskommen. Die Automatikversion ist mit einem Liter mehr veranschlagt. Die als Nutzer ins Auge gefasste Standardfamilie dürfte sich folglich bei Auslastung von vier Sitzen und mit Urlaubsgepäck auf einen Verbrauch um neun Liter einstellen.

Axel F. Busse/MID
 
 
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