Die Zukunft des Autos heißt Hybrid

11. Januar 2012, 21:20 Uhr

In Deutschland wurden sie lange verschmäht, in Detroit trumpfen die Hybrid-Autos auf. Sogar VW und Mercedes rüsten typische Dienstwagen mit dem zusätzlichen Stromantrieb aus. Von Gernot Kramper

Detroit Motor Show, Hybrid, Jetta, Mercedes, Prius

Auch Volkswagen macht Ernst und zeigt in Detroit einen Jetta mit Hybridtechnik©

Hybrid-Antriebe sind nicht neu: Pionier ist Toyota, bekanntestes Modell der Toyota Prius. Ihn gibt es bereits seit 1997. In Japan und den USA sind Hybrid-Modelle aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Hybrid heißen sie, weil sie - zumindest im Prinzip - mit ihrem Stromantrieb oder dem Verbrennungsmotor vorankommen können. In Deutschland feiert nur der futuristische Prius ein fröhliches Exotendasein – alle anderen haben es schwer, Kunden zu überzeugen. Derzeit liegt der Hybrid-Marktanteil in Deutschland bei homöopathischen 0,4 Prozent.

Das dürfte sich ändern. Auf der Messe in Detroit haben auch die deutschen Hersteller das Thema Hybrid erstmals ernsthaft angefasst. Bislang wurden von ihnen nur Luxuswagen mit Alibi-Hybridantrieben ausgestattet. Nun werden Baureihen mit großen Stückzahlen damit ausgestattet. Volkswagen rüstet den Jetta und Mercedes die E-Klasse mit der Technik aus. Daimler bietet sogar – als weltweit zweiter Hersteller - einen Dieselhybriden speziell für den europäischen Markt an. Mit nur 4,2 Litern Diesel soll das Dickschiff E 300 BlueTec Hybrid auskommen. VW verspricht für den Hybrid-Jetta im städtischen Stop-And-Go-Verkehr eine Verbrauchsreduzierung von 30 Prozent.

Ford mit Vorsprung

Und natürlich wartet auch das wichtigste Auto der Messe – der Ford Fusion/Mondeo – mit Hybrid-Versionen auf. Während Mercedes und Volkswagen die ersten Schritte mit der Technik unternehmen, kann Ford auf eine lange Erfahrung zurückblicken. Entsprechend ist der Vorsprung. Den Mondeo wird man an der Steckdose aufladen können. Plug-In heißt das im Fachjargon. Alltagsentfernungen legt er rein elektrisch zurück.

Auch sonst blühen auf jedem Messestand die Hybride: Der 3er-BMW erhält die Kombination aus Benzin- und E-Antrieb, und Volvo stellt sein erstes eigenes Plug-in-Hybrid-Fahrzeug mit Benzinmotor vor. Der "XC60 Plug-In-Hybrid Concept" soll nur 2,3 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen – ist aber noch ein Konzeptfahrzeug. In Deutschland bietet Volvo ab November 2012 den V60 Plug-in-Hybrid an – weltweit der erste Diesel, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Pionier Toyota zeigt in Detroit den Yaris Hybrid. Der Preis für den Hybrid-Kleinwagen soll in Europa etwa 18.000 Euro betragen. Bei den meisten japanischen Herstellern und den US-Autobauern gehören Hybrid-Modelle inzwischen zur normalen Modellpalette.

Pause bei den Batterie-Fahrzeugen

Natürlich gibt es in Detroit auch wieder reine Batterie-Autos zu sehen, etwa von den kalifornischen Herstellern Coda und Tesla. Aber auch eine E-Beetle-Studie von Volkswagen wird präsentiert. Smart stellt einen lustigen Pick-Up-Stromer vor. Doch die große Strom-Euphorie ist vorbei. Die erste Generation der Elektroautos ist seit etwa einem Jahr im Handel, private Käufer finden sie nicht. Wer rein elektrisch fährt, macht es aus Imagegründen, oder weil einige Staaten die Stromer massiv subventionieren. In Deutschland werden die Fahrzeuge fast ausschließlich von öffentlichen Verwaltungen, Stromanbietern und Ökoverbänden benutzt.

Für einen neuen Anlauf ist es zu früh. Das entscheidende Dilemma "zu hohe Kosten bei eingeschränkten Fahrleistungen" hat bislang kein Hersteller lösen können. Die Auto-Messen des vergangenen Jahres in Frankfurt und Tokio zeigten Kleinstwagen, die einen Ausweg zumindest andeuten. Diese Mini-Autos im Kabinenrollerdesign oder in Form rollender Eier brechen konsequent mit dem Vorbild Pkw. Doch außer dem Renault Twizy gibt es kein serienreifes Modell. Vollkommen unklar ist auch, welche Käufer bereit sind, für einen überdachten Motorroller über 10.000 Euro auszugeben.

Woher kommt der Hybrid-Boom?

Der Hybridantrieb kommt dem Kunden, seinen Ansprüchen und Gewohnheiten entgegen, denn diese Autos funktionieren genauso wie ein Benziner oder Diesel. Zwar bedeutet der Elektroantrieb mit Akku zusätzliche Kosten, bietet aber auch mehr PS und Drehmoment. Entsprechend kleiner, leichter und billiger kann der konventionelle Motor ausfallen. Für einen moderaten Preisaufschlag erhält der Kunde so einen spürbaren Mehrwert: Einen geringeren Verbrauch und bei einem Steckdosen-Hybrid sogar die Möglichkeit, im Alltag ganz ohne Emissionen auszukommen.

Vor allem aber muss der Kunde beim Hybrid keine Einschränkungen befürchten. Weder schrumpft die Reichweite im Winter zusammen, noch muss man fürchten liegenzubleiben, sollte man einmal keinen Parkplatz mit Ladestation finden. Große Hersteller tun sich schwer, auch nur einen Motorroller mit Stromantrieb anzubieten, aus Angst die Kundenerwartungen zu enttäuschen. Modelle wie der Plug-in-Hybrid von Volvo und die Hybriden der E-Klasse und des Mondeos sind für den Dienstwagenmarkt konzipiert. Sie müssen hohe Fahrleistungen bewältigen und eine verwöhnte Kundschaft bedienen, die technische Unzulänglichkeiten und unplanmäßige Werkstattaufenthalte gnadenlos abstraft. Beim Thema Hybrid traut man sich also was.

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