Erstes Schaulaufen

30. Dezember 2012, 16:40 Uhr

Auf der North American International Auto Show in Detroit lassen vor allem die amerikanischen Autobauer gern ihre Muskeln spielen. Und die hat vor allem die neue Corvette C7 mit dem 455-PS-V8-Kraftwerk. Aber auch für eine deutsche Marke ist das Schaulaufen im Bundesstaat Michigan richtungsweisend für das Auto-Jahr 2013.

Wenn die NAIAS am 14. Januar ihre Pforten öffnet, wird das Gedränge in der winterlichen Cobo Hall um den Chevrolet-Stand am größten sein. Dort steht der unbestrittene Star des ersten automobilen Stelldichein des Jahres: die siebte Generation der Corvette. Die C7 wird einen neu entwickelten 6,2-Liter-V8-Motor haben, der 455 PS und 610 Newtonmeter Drehmoment hat und die Vette in weniger als vier Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Dank Direkteinspritzung und Zylinderabschaltung soll der Verbrauch bei rund neun Litern pro 100 Kilometer liegen. Neben der Corvette dürfte selbst der Bestseller Chevrolet Silverado verblassen. Der mächtige Pickup-Truck bekommt drei neue EcoTec3-Motoren mit Direkteinspritzung - zwei V8-Aggregate und ein V6-Triebwerk. Das Top-Achtzylinder-Aggregat hat 376 PS und das zweitstärkste bringt es immerhin noch auf 325 Pferdestärken. Aber auch mit den 262 PS des Sechszylinders ist man nicht untermotorisiert.

Der Cadliac ELR ist so etwas wie der schicke Bruder des Chevrolet Volt. Das Luxus-Coupé bekommt die Antriebseinheit des wenig erfolgreichen Stromers mit einer T-förmig angeordneten Lithium-Ionen-Batterie. Die Produktion des in Detroit-Hamtramck gebauten Coupés soll Ende 2013 beginnen. Ein weiterer Vertreter der ehemals "Big Three" - Ford - lässt sich im Vorfeld des Jahres-Auftakts nicht in die Karten schauen: Die Anzeigen verdichten sich, dass der neue Ford-F-150 in Detroit seine Premiere feiern wird - ob schon als Serienmodell oder noch als Studie ist unklar. Schließlich wird die nächste Generation des Pick-up-Trucks erst 2015 auf den Markt kommen. Ford hat für sein Arbeitstier ambitionierte Ziele ausgegeben: Der Benzinverbrauch soll um weitere 15 bis 20 Prozent sinken. Erreicht werden soll dieser verringerte Durst durch den verstärkten Einsatz von Aluminium. Unterm Strich soll die nächste F-150-Generation rund 315 Kilogramm leichter werden und mit neuen sparsameren 2,7- und 2,9-Liter-V6-Motoren ausgestattet sein.

Bei Chrysler läuft es im Moment rund. Grund genug, dem 300 C eine "Mowtown Edition" zu spendieren. Auf den perlweißen perforierten Nappaledersitzen prangt das Mowtown-Logo. Mehr als einen Blick dürfte der Jeep Liberty wert sein. Der kompakte SUV wird auch die Basis für die Alfa-Romeo- und eventuelle Lancia-Version sein, die außerhalb der USA angeboten werden.

Für Mercedes ist die NAIAS richtungsweisend. Die Sternen-Marke versucht mit der umfassend überarbeiteten E-Klasse, den gegenüber Audi A6 und BMW 5er verlorenen Boden wettzumachen. Dafür wurde einiges in die Entwicklung gesteckt. Dementsprechend umfassend fällt die Modellüberarbeitung aus: einige Assistenzsysteme, wie zum Beispiel die Stereokamera, werden zusammen mit der neuen S-Klasse eingeführt. Das Brot-und-Butter-Auto der Schwaben unterscheidet sich auch optisch deutlich von Vorgänger: Die diamantförmigen Front-Scheinwerfer sind ebenso verschwunden, wie die betont ausgestellten hinteren Radläufe. Auch der kleinere Bruder des CLS, der CLA wird die Reise über den Atlantik antreten. Bislang ist nur eine Vorschau für ein ausgewähltes Klientel geplant. Der Münchner Konkurrent BMW legt mit dem 4er Concept Coupé nach: Der 4,64 Meter lange Zweitürer hat die Technik der 3er Baureihe, deren Coupé es ersetzt. In dasselbe emotionale Horn stößt das BMW M6 Grand Coupé mit dem bulligen V8-Kraftwerk mit 560 PS. Dazu gibt es die Modellpflege des etwas in die Jahre gekommenen Roadsters Z4.

Mini haucht dem Paceman mit der 218-PS-starken John-Cooper-Works-Version kräftig Leben ein. Dasselbe, nur einige Nummern größer, vollzieht Audi mit dem Oberklassen-Coupé Audi 7. Der Audi RS 7 bekommt vermutlich den 560-PS-V8-Biturbo-Motor, der auch dem RS 6 zu sportlichen Höchstleistungen verhilft. Die nötige Power wird das Bentley Continental GT Speed Cabrio haben.

Honda hat zwei Studien im Gepäck: Das "Urban SUV Concept" ist ein kompakter Crossover. Die Basis kommt vom neuen Honda Jazz, der 2013 debütiert. Die SUV-Version ist als "Weltauto" konzipiert und dürfte frühestens 2015 auf den Markt kommen. Mit dem NSX Concept nehmen die Asiaten einen zweiten Anlauf. Die silberglänzende Flunder stand schon bei der letzten NAIAS. Die neue Version dürfte schon deutlich näher am Serienmodell sein. Dem Vernehmen nach, setzt Honda auch bei der nächsten Ausbaustufe des 4,30 langen Mittelmotor-Sportwagen auf einen Hybridantrieb. Zentrales Element ist ein V6-Motor mit Direkteinspritzung, dem zwei E-Motoren an den Vorderrädern zur Seite stehen. Diese Komposition verbindet sich zu einem intelligenten Allradantrieb.

Den hat auch der Lamborghini Aventador Roadster. Allerdings setzt die offene Version des Top-Sportlers aus Sant\'Agata Bolognese auf die herkömmliche Quattro-Variante. Der Allradantrieb hilft, die unbändige Kraft von 700 PS auf den Asphalt zu bringen. Toyota will mit der Studie der Stufenheck-Limousine Furia weiter den Weg zu mehr Emotionen beschreiten. Der Heckspoiler aus Carbon erinnert an den Sportwagen GT 86. Diese Verwandlung hat der Lexus IS schon zum größten Teil hinter sich: Der Mittelklassewagen ist fahrdynamischer als der Vorgänger. Auch beim Hybrid-Antrieb haben die Japaner einen Schritt nach vorne gemacht. Der 2,5-Liter-Vierzylinder-Motor soll in Kombination mit dem Elektro-Aggregat bei etwa 210 PS weniger als 100 g/km CO2 ausstoßen. Das entspräche einem Verbrauch von etwa 4,2 l/100 km. Nissan-Ableger Infiniti nutzt die erste Messe des Jahres zu einer Erneuerung der Namensgebung: Die SUVs bekommen das Kürzel QX, der Rest ein Q.

Detroit Motorshow 2013
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