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2. Dezember 2006, 13:14 Uhr

Essen brennt

Elektronisch tiefergelegte Autos, Pampersbomber mit 300 PS, Dragster mit Hubschraubermotoren und viel nackte Haut: Bei der Essen Motor Show kommt jeder auf seine Kosten.

Verkaufsföderung mit bewährten Mitteln© Hersteller/PressInform

"Was fahren Sie für ein Auto?", fragt der Mann am Tuner-Stand. "Einen Mercedes CL 500", lautet die Antwort des Mannes im grauen Anzug. "Aha", runzelt der Tuner die Stirn, vevor sich seine Miene dann aufhellt: "Ist aber kein Problem - da kann man noch was dran machen".

Solche Dialoge gibt es wahrscheinlich nur auf der Essen Motor Show. Bis zum 10. September regieren hier blitzende Alufelgen (im Durchschnitt mindestens 18 Zoll groß), Chip-getunte Motoren - und natürlich betörend schöne Messe-Hostessen. Von A wie Abt bis Z wie Zender stellt auf der Show alles und jeder aus, der in der Tuning- oder Motorsportwelt Rang und Namen hat.

Papis Liebling

Autohersteller mögen noch so sehr auf die Bilanzen achten - den knalligen Auftritt in Essen lassen sich die meisten immer etwas kosten. Und die, die nicht direkt vertreten sind, werden meistens wenigstens durch zahlreiche Tuner repräsentiert. BMW zum Beispiel - AC Schnitzer zeigt den "Tension", ein 411 PS starkes und 331 Km/h schnelles Coupé auf Basis des M6. Beworben wird er als schnellster Straßen-BMW, der zurzeit zu haben ist.

Wer auch noch Kind und Kegel transportieren muss, sollte am VW-Stand das ein oder andere Auge riskieren. Mit viel Trallala und großer Enthüllungs-Feier haben die Wolfsburger den Passat R36 vorgestellt. Außen tiefer, innen viel Stahl-Optik und unter der Haube 300 PS. Damit hat sich die Antwort auf die quengelnde Kinder-Frage "Wann sind wir endlich da?" ein für allemal erledigt.

Wo sind die Girls?

Etwas unspektakulärer kommt die R-Line daher. VW präsentiert die Autos mit dem sportlichen Ausstattungspaket gänzlich in weiß. Wenn erst einmal ein Farb-Trend auf den Weg gebracht wurde, lässt sich das wohl nicht aufhalten.

Die Farbe Blau dagegen regiert bei Opel. Das ist nicht nur die Erkennungsfarbe der Sportabteilung aus Rüsselsheim, sondern soll vielleicht auch schon mal auf die Designänderungen einstimmen, die demnächst auf Opel-Händler zukommen: Blaues Glas umrahmt dann das gelbe Logo. Was die Gestaltung angeht, hat Opel jedenfalls einen knallbunten und freundlichen Messestand auf die Beine gestellt. Allerdings sind die Opel-Mädels wesentlich hübscher als die so genannten "C-MONs" - diese unmotiviert ins Leere starrenden Stoffpuppen, mit denen die Rüsselsheimer den neuen Corsa bewerben.

Mach mehr draus

"Your car is more" lautet das Motto der Show. Soll heißen: Jedes Auto hat mehr Potenzial als in seiner Basisversion, in der es nackt und bloß vom Band rollt. Auch eine andere Interpretation würde für die Motor Show gut passen: Dein Auto ist mehr als nur Spoiler, Schweller und Rallyestreifen. Denn auch wenn Tuning die Hauptrolle in Essen spielt, hat die Messe doch viel mehr zu bieten.

Besonders Fans des historischen Motorsports kommen in diesem Jahr auf ihre Kosten. In der sehenswerten Ausstellung "Die 24 Stunden von LeMans" gibt es legendäre Sieger-Autos von 1924 bis heute zu bestaunen. Wer selber einmal Rennfahrer spielen möchte, kann zwar keinen der ebenfalls zahlreich ausgestellten F1-Flitzer fahren - aber es gibt ja Simulatoren samt Cockpit.

"Miss Germany 2006", Isabelle Knispel© Volker Hartmann/DDP

Unvergessen

Chrom und Blech vergangener Zeiten gibt es wie immer reichlich. Ob alte Ferraris, blank polierte Vorkriegs-Limousinen oder amerikanische Musclecars - das Auge kann sich kaum satt sehen. Ganz abgefahren geht es im Kellergeschoss zu. Hier zeigen Lowrider ihr Können - aufgemotzte, in unbeschreiblich schreiendes Design gehüllte Show-Cars, die mit Hydraulikzylindern per Fernsteuerung zum "Tanzen" gebracht werden. Dazu kommen amerikanische Monster Trucks und Dragster, die schon mal mit vier Hubschrauberturbinen angetrieben werden und schlappe 6000 PS leisten.

Die Krönung sind Designstudien, "Crazy Cars" sowie einige von Künstlern gestaltete Vehikel, bei denen man manchmal gar nicht weiß, wo man zuerst weggucken soll. Einige sehen aus, als sei ihr Schöpfer jahrelang nicht von einem LSD-Trip heruntergekommen und habe sich trotzdem entschlossen, Autos zu entwerfen. Aber Essen war schon immer eine Messe für alle Geschmäcker, bei der alles erlaubt ist außer dem Satz: "Dieses Auto hat keine Sonderausstattung".

Pressinform
 
 
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