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29. Juli 2008, 15:18 Uhr

Grande Espresso

Italiens schönste Luxus-Limousine kommt in die Jahre. Mit neuer Front, neuem Heck und gestärktem V8 soll der Maserati Quattroporte S die Baureihe beleben und weiterhin reichen Männern den Kopf verdrehen. Von Michael Specht

Klassisch und stilvoll: Pininfarina bewies beim Facelift ein gutes Händchen. Die Kühlerlamellen stehen jetzt senkrecht© Hersteller

Über ein halbes Jahrhundert durfte Ferrari-Hausdesigner Pininfarina keinen Maserati zeichnen. Schade eigentlich, denn mit dem 2003 vorgestellten Quattroporte landete er sofort einen Hit und katapultierte Maserati damit zurück in die Liga der rassigen Sportlimousinen. Das Auto kam so gut an, dass die edle Fiat-Tochter aus Modena in den vergangenen fünf Jahren über 15 000 Stück absetzte. Der Quattroporte wurde damit zum bestverkauften Maserati in der Geschichte des Unternehmens – und dies trotz einiger Kritik an Verarbeitung und Fahrverhalten.

Neues Gesicht ohne modischen Firlefanz

Auch bei der jetzigen Modellpflege bewies der Grandseigneur des automobilen Designs ein geschicktes Händchen. Er beließ alle Blechteile in ihrer alten Form.

Gut so. Geändert wurden die Anbauteile, das Übliche also. An der Front fallen deutlich der größere Grill mit seinen jetzt senkrechten Lamellen und die neuen Scheinwerfer mit ihren kleinen LED-Leuchten auf. Glücklicherweise verzichtete Maserati auf die leicht prollig wirkende Tagfahr-Lichterkette, wie sie bisweilen als modischer Firlefanz von anderen Herstellern eingesetzt wird. Die LED-Lämpchen dienen lediglich als Blinker. Auch hinten gibt es neue Heckleuchten, die mit ihrem weißen LED-Innenteil zwar nicht unbedingt schöner geworden sind, aber Familienzugehörigkeit demonstrieren sollen, denn die Rücklichter des GranTurismo sind ähnlich unterteilt.

Frei nach dem Motto "Muss denn Leistung Sünde sein?" geht mit der Modellpflege des Quattroporte auch eine stärkere Motorisierung einher. Der rassige Achtzylinder (erkennbar an den roten Ventildeckeln) stammt aus dem GranTurismo S, der in der Limousine jedoch akustisch mehr im Hintergrund bleibt. Dennoch: Kernig klingt auch er. Aus jetzt 4,7 Liter Hubraum werden 430 PS mobilisiert. Genug, um den zwei Tonnen schweren Italiener in sechs Gängen auf bis zu 280 km/h hoch zu treiben. Der Sprint von null auf Tempo 100, für den Stammtisch ja noch immer ein nicht zu unterschätzender Wert, ist nach 5,4 Sekunden erledigt. Viel wichtiger für den Alltag ist jedoch der Durchzug. Ihn haben die Maserati-Ingenieure gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert, besonders bei mittleren Drehzahlen. Bei 3000/min schickt die Kurbelwelle jetzt rund 70 Newtonmeter mehr ins Getriebe als zuvor. Maximal schafft der Achtzylinder 490 Newtonmeter, so viel wie ein BMW 750i.

Tanken könnte Schmerzen verursachen

Solche Werte bekommt man natürlich nicht geschenkt, energiemäßig gesehen. Wer aber mindestens 123.350 Euro für automobile Ästhetik ausgeben kann, den dürfen auch 18 oder 20 Liter nicht jucken, die sich der Quattroporte alle 100 Kilometer aus seinem Tank zieht. 15,7 Liter gibt der Hersteller als kombinierten Wert an. In der Stadt sollen es 21,99! Liter sein.

Entschädigt wird der Maserati-Lenker dafür mit mehreren schönen Dingen. Zum Beispiel Exklusivität. Viel mehr als 250 Quattroporte werden in Deutschland jährlich nicht neu zugelassen, eine homöopathische Dosis im vergleich zur etablierten Konkurrenz (S-Klasse, Siebener, A8, Jaguar XJ). Selbst Bentley verkauft mehr. Zweite Entschädigung: Stil, Emotion und einen lässig-italienischen Auftritt, wenn man aus dem Auto steigt. Hiermit stellt der Jungmanager unmissverständlich klar: Ich hab’s geschafft, wo ich bin, ist oben. Am meisten scheint dies - zumindest in Deutschland - Männer in ihren besten Jahren anzumachen. Denn verblüffenderweise ist Maserati die Automarke mit dem höchsten Anteil 40- bis 49-jähriger Kunden. Er liegt bei 45 Prozent. Das schafft nicht einmal Porsche, auch Smart nicht und schon gar nicht Mercedes-Benz. Die Stuttgarter kommen mit ihren Modellen auf lediglich 20 Prozent.

Von Michael Specht
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
sophisticated (29.07.2008, 14:57 Uhr)
Man braucht beides:
- das Hybrid-Auto bzw. 1-Liter-Auto für den Verstand;
- so etwas wie den "Maserati Quattroporte S" zum Träumen!
*
*
*
Träumen darf man!
RBrunnerHH (29.07.2008, 13:31 Uhr)
einsatzreicht
sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, dies ist ein freies Land. Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht, das Gewicht der modernen Autos wird wirklich zum Problem, NUR, das betrifft alle Klassen, ist Ihnen bewusst, dass ein Golf zu Beginn unter 1.000 Kilo wog? Aber heute hat auch der Plebs denn Sinn für Komfort entdeckt und dank extrem aufwendigster Diesel-Triebwerke (die nur durch die enorme Stückzahl überhaupt für die kleinen Leute erschwinglich wurde), kann (bzw. konnte)er seinen 1,5t auch noch mit Turbo-Bumms über die Autobahn jagen und zumindest ein ganz kleines bisschen die "Bonzen" jagen. Natürlich braucht kein Mensch wirklich 500 PS, aber von dem Willen sich abzugrenzen bzw. sich zu individualisieren lebt unser Wirtschaftssystem. Wie es anders funktioniert, hat uns 40 Jahre ein kleines ehemaliges Nachbarland gezeigt, dort gab es ein weit verbreitetes Mobil namens Trabant 601!
einsatzreicht (29.07.2008, 12:51 Uhr)
@RBrunnerHH
tschuldigung wenn ich wiederspreche, ein Kunstwerk wäre es wenn das Auto 3 Liter verbrauchen würde. Es ist heutzutage keine Kunst mehr Autos mit monstermäßig viel Leistung zu bauen. Aufs Klima hat das natürlich wirklich keinerlei Einfluß, soviel Sprit wie da ist wird auch verbraten, wenn nicht hier dann anderswo. Aber für dieses Auto wäre Dinosaurier der passendere Begriff, es sollte heute vorrangig darum gehen leichtere, effizientere Autos zu entwickeln. Und gerade Leute die es sich leisten können habe ja auch eine gewisse Vorbildfunktion. Aber davon ist halt leider gar nichts zu merken, hier geht es nach wie vor um größer, stärker, schneller, luxuriöser...
RBrunnerHH (29.07.2008, 11:32 Uhr)
bmpost
Gott sei Dank werden Bilder automobiler Kunstwerke noch ohne Scham gezeigt. Die Stückzahlen dieses gesamten Marktsegmentes erreichen keine Stückzahlen, die global auf´s Klima irgendwelche Auswirkungen hätten. Es läßt sich nur so schön die Neidhammelei vertuschen.
bmpost (29.07.2008, 11:17 Uhr)
Angesichts der globalen
Situation, was Energieressourcen, Erderwärmung etc. ist es schon ein tolles Stück, wenn der Stern sich erblödet, solch prähistorischen Vehikeln eine Werbeplattform zu bieten, nein, gar selbst in den höchsten Tönen zu preisen. Irgendwie paßt das nicht zusammen und wirkt peinlich!
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