
Der Turnier: Schlanke Linie, viel Platz© Gernot Kramper
Der Focus tritt vom Start weg mit vier Benzinern und zwei Commonraildieseln an. Bereits der 109 PS Selbstzünder stellt eine mehr als standesgemäße Motorisierung da, er wurde mit der stufenlosen CVT-Automatik gefahren. Dann macht der Focus Freude, man kann angenehm und entspannt dahin gleiten, beim Tritt aufs Pedal sind Reserven vorhanden und doch verheizt man nur 5.5 Liter. Weniger schön, der Partikelfilter kostet 600 Euro extra. Beim Zwei-Liter-Diesel (136 PS) liegt entsprechend mehr Power an. Auch der Zwei-Liter-Menzin-Motor ist ein Kraftkerl, die Fahrleistungen (0-100 km/h in 9,2 Sekunden) liegen angesichts des Preises über den Erwartungen.
Schon der erste Focus setzte Maßstäbe beim Fahrwerk. Die zweite Generation konnte nach zulegen. Die Lenkung gelang präziser, eine etwas steifere Bodengruppe und Justierungen bei der Abstimmung machen das Fahren zum Vergnügen. Ford hat der Versuchung widerstanden, sportliches Fahrvehalten mit "gesunde Härte schadet nicht" zu übersetzen, der Focus bietet vorbildliches Handling und ohne Gerumpel und Gepumpel bei jeder Unebenheit.

Solide, aufgeräumt, aber auch keine Extratouren© Gernot Kramper
Der Focus schont das Konto, mit dem kleinsten Motor (1.4 Liter, 80 PS) beginnt der Preisreigen bei appetitlichen 14.375 Euro für die "Ambiente"-Ausstattung. Schon dieses Modell verfügt über sechs Airbags und ein ESP. Im "Ambiente" wird es sich trotzdem kaum jemand gemütlich machen wollen, rechnet sich die Linie "Trend" für 15.550 Euro schon allein durch die enthaltene Klimaanlage, in "Sport" ( ab 17.375 Euro mit Alufelgen, Sportlenkrad etc.) kann man sagen: "Passt schon!" Mit der "Vernunft- und Spaß-Maschine", dem 1.6 Liter TDCi (109 PS) Diesel liegt man dann bei 20.250 Euro. In der Kalkulation ist offensichtlich wenig Luft, ein zweiter Schlüssel mit Fernbedienung kommt auf zusätzliche 50 Euro. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Preislich ist der Focus ein heißes Geschoß: Drei Türen, Sport-Ausstattung und 145 PS Benziner gibt es für 19.325 Euro.
Ford-Kunden liegen vermutlich im Trend. Bei ihnen sitzt das Geld nicht so locker und sie sind nicht bereit, immer mehr Geld für fragwürdige technische Verbesserungen auszugeben. Parade-Beispiel für das Low-Cost-Downsizing bei Ford ist das Thema Kurvenlicht. Ford bietet das Sicherheitsfeature für nur 300 Euro mit den Standart-Halogenscheinwerfern an, normalerweise müssen dazu die BiXenon-Lichtkanonen geordert werden, der Aufpreis beläuft sich dann meist auf über 1000 Euro.
Der neue Focus ist nicht nur der beste Focus, den es je gab, nach der Qualitäts-Offensive gibt sich der Wagen keine Blöße mehr und kann getrost den Kampf mit den Platzhirschen von VW und Opel treten. Auch Fahrer, die Ford bislang gemieden haben, sollten eine Probefahrt nicht scheuen.
Gernot Kramper