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26. August 2008, 11:21 Uhr

Brennstoff für den Ami

Der schwer angeschlagene US-Konzern Ford hält an seiner Öko-Linie fest. 2020 sollen Elektroautos auf der Straße sein, deren Batterien von Brennstoffzellen aufgeladen werden. Als einziger SUV ist der Ford Edge bereits mit dieser Technologie unterwegs. Von Michael Specht

Die Antriebstechnik von übermorgen? Der Ford Edge ist mit Brennstoffzellen und Batterie unterwegs© Hersteller

Lediglich 25.735 Dollar müsste der Kunde für einen gewöhnlichen Ford Edge hinlegen und er könnte mit einem 265 PS starken Sechszylinder vom Händlerhof fahren. Dass dieses Modell auch leicht das 50-fache kosten kann, ohne dass es äußerlich anders aussieht und sogar noch weniger Leistung hat, verwundert doch etwas. Dabei ist weder der Motor vergoldet, noch der Innenraum mit Svarowksi-Diamanten ausgeschlagen. Im Gegenteil, auch im Edge "HySeries Drive" verbreitet schnödes Plastik ein typisch amerikanisches Cockpit-Ambiente.

Was diesen besonderen Edge teuer macht, sind seine Technik und seine Einmaligkeit. Unter dem Blechkleid steckt der Antrieb von übermorgen - zumindest stellt ihn sich Ford so vor. Hinweise darauf geben schon die beiden runden "Tankdeckel" am vorderen und hinteren Kotflügel. "110-220 Volt" heißt es vorne, "Hydrogen" steht hinten. Der Edge "HySeries Drive" ist ein Plug-in-Elektroauto, dessen Batterien zu Hause an der Steckdose und während der Fahrt von einer Brennstoffzelle geladen werden. Die Brennstoffzelle wiederum bezieht ihre Energie aus dem Wasserstofftank unter dem Mitteltunnel.

Die Brennstoffzelle spielt nicht mehr die Hauptrolle

Eine derartige und auch fahrbare Antriebskonfiguration in einem SUV ist bislang einmalig. Gewöhnlich werden Brennstoffzellen im Auto genutzt, um direkt den Elektromotor mit Strom zu versorgen. Die Batterie ist lediglich dafür zuständig, beim Starten und Beschleunigen zu helfen. Prototypen und Forschungsfahrzeuge von General Motors, Toyota, Mercedes, Volkswagen, Nissan und andere arbeiten so. "Weil jetzt die Batterie die Grundlast deckt, konnten wir die gesamte Brennstoffzellentechnik um 50 Prozent verkleinern", sagt Roland Krüger, der Leiter für Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik im europäischen Forschungszentrum von Ford in Aachen.

40 Kilometer sollen die Lithium-Akkus durchhalten und den gut 2,5 Tonnen schweren Edge lautlos durch den Verkehr bringen. Doch schon nach etwa 25 Kilometer schaltet sich die Brennstoffzelle zu, um die Batterie wieder zu laden. "Wer täglich 80 Kilometer fahren muss, käme auf einen durchschnittlichen Verbrauch von nur 2,8 Liter/100 km", so Krüger. Mit 4,5 Kilogramm Wasserstoff unter 350 bar Druck soll der Edge sogar eine Reichweite von 320 Kilometer schaffen - und bleibt während der gesamten Strecke ein ZEV, ein Zero Emission Vehicle.

Der Elektromotor ist ein Grüner

Elektromotoren besitzen unter allen Antriebsmaschinen den besten Wirkungsgrad. Bis zu 98 Prozent der zugeführten Energie setzen sie in Bewegung um. Verbrennungsmotoren erreichen knapp ein Drittel, der Rest ist heiße Luft. Zudem machen E-Motoren weder Lärm oder verbrauchen Öl, noch produzieren sie Abgase. Obendrein kann sich der Fahrer bei jedem Tritt aufs Gaspedal freuen. Aus dem Stand heraus liefern E-Motoren ihre höchste Kraft und ermöglichen eine Beschleunigung, die manchem Sportwagen gut zu Gesicht stehen würde. Dafür ist nicht einmal ein Getriebe nötig.

Auch der Edge setzt sich mit Nachdruck in Bewegung, reagiert spontan auf Stromzufuhr. Zumindest dann, wenn die "Sport-Taste" auf der Mittelkonsole gedrückt wird und den beiden je 65 kW (89 PS) starken E-Motoren (einer vorn, einer hinten) der volle Saft zur Verfügung steht. Leuchtet auf dem Schalter allerdings das "off", geht es merklich gemächlicher voran. Dafür reicht der Strom dann länger.

Sparen lässt sich auch mit dem Schalter daneben, auf ihm steht "Max Regen" zu lesen. Doch wer denkt, es handelt sich hierbei um die schnellste Stufe der Scheibenwischer, irrt. Es steht für den höchsten Grad der Energierückgewinnung (Regeneration). Der Edge verzögert über die E-Motoren bei Gaswegnahme deutlich stärker und speist so wesentlich mehr Strom in die Batterie.

Doch auch die besten Lithium-Ionen-Zellen halten nicht ewig durch. Trotz enormer Fortschritte in vergangenen Jahren, der Akku bleibt die Achillesferse des Elektroautos. Selbst eine dreimal so schwere Batterie wie jene im Edge (140 Kilo) schafft vielleicht gerade eine Reichweite von 100 Kilometern. Viel zuwenig in einem Land wie Amerika.

Ohne Range Extender kein Elektroauto

Aus diesem Grund setzen die Autohersteller auf so genannte Range Extender (Reichweitenverlängerer). Sie stellen eine kostengünstige Zwischenlösung auf dem Weg zum reinen Elektroauto dar. General Motors baut in seinen für 2010 angekündigten "Volt" einen kleinen Benzinmotor ein. Werden die Batterien müde, springt dieser an und lädt nach. Auch der ehemalige Aston-Martin-Designer Henrik Fisker streckt bei seiner Elektro-Luxuslimousine "Karma" (ab Ende 2009) den Aktionsradius durch einen zusätzlichen Verbrennungsmotor auf bis zu 1000 Kilometer. Jedoch eine (noch) sündhaft teure Brennstoffzelle mit dieser Funktion zu versehen, findet in der Branche wenig Zustimmung. Ford-Forscher Roland Krüger indes ist sich sicher: "2020 wird die Brennstoffzelle nicht mehr kosten als ein Premium-Dieselmotor."

Von Michael Specht
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
TheWurst (26.08.2008, 13:59 Uhr)
@ Otti74
Vielleicht solltest Du den Text auch mal zuende lesen: "Doch schon nach etwa 25 Kilometer schaltet sich die Brennstoffzelle zu, um die Batterie wieder zu laden"
Skarrin (26.08.2008, 12:43 Uhr)
GeldverBrennstoffzellen
sind seit mindestens 30 Jahren "in 5 Jahren serienreif". Ganz abgesehen davon, dass GvBz eine geringere Lebensdauer haben als moderne Akkus, gibt es nun mal keine Wasserstoffquellen und das H2 muß ineffizient und energieaufwendig mit Strom oder fossilen Rohstoffen gewonnen werden. Was ist wohl effizienter und billiger: z.B. aus Erdgas erst H2 herzustellen und dann in einer GvBz zu verheizen, oder gleich damit einen effizienten Gasmotor als "range extender" zu betreiben?
2020 wird Ford auch noch nicht wissen, woher denn nun der viele Wasserstoff kommen soll, oder wer die hunderte Milliarden Dollar für eine Wasserstofftankstellen-Infrastruktur bezahlen soll.
Otti74 (26.08.2008, 12:03 Uhr)
Lerneffekt?
Wenn ich mir das Foto anschaue, und dann die vom Autor vorgelegten Daten (40km Reichweite und 2,5 Tonnen Gesamtgewicht) lese, frage ich mich unweigerlich, ob Ford etwas aus der vorherrschenden Automobilkrise gelernt hat.
Was zum Teufel sollen 2,5 Tonnen und daraus resultierenden 40 km Reichweite?? Vor allem bei den Distanzen in USA...
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