Mit dem extremen Flachbau Ford GT will der US-Konzern wieder in der Ferrari-Liga mitmischen. Vorbild ist eine rund 40 Jahre alte Legende.

Der neue Bolide Ford GT (l.) und der GT 40 aus den Sechzigern unterscheiden sich vorn auf den ersten Blick kaum© Stephan Lindloff
Wie wird ausgerechnet ein Ford zur automobilen Legende? Nun: Der Beginn seiner Geschichte sollte einige Jahrzehnte zurückliegen, in diesem Fall um das Jahr 1964. Dann muss es ordentlich gemenschelt haben: Henry Ford II. wollte Ferrari kaufen. Enzo weigerte sich, Henry tobte wie ein Kind, das keinen Nachtisch bekommt, und sann auf Rache: Dann bauen wir eben ein eigenes Auto und machen sie nieder. Weil's so gut klappte, war die Legende schon fast perfekt. Mit dem GT 40 siegte Ford in Le Mans (auch der Ort der Handlung ist legendär) viermal in Folge und beendete die Siegesserie von Enzos roten Rennern. Das Sahnehäubchen: Dan Gurney, einer der GT 40-Piloten, soll einmal auf freier Strecke angehalten haben, um einen Ferrari passieren zu lassen. Aber nur, um ihn anschließend noch mal zu überholen. Das nennt man wohl nachhaltige Demütigung. Schließlich, und immer legendenbildend: Der GT 40 war ein Biest und verlangte nach todesmutigen Piloten.

Oldie (l.) und Neuauflage mit Achtzylinder-Heckmotor unter großer Klappe und jeweils mit aufwendigem Gitterrohrrahmen© Stephan Lindloff
"Das war den Fahrern freigestellt, ob sie sich anschnallen wollten oder nicht", erzählt Helmut Kelleners in Erinnerung an die Sportwagen-Weltmeisterschaft von 1969. Kelleners auf Ford GT 40. "In Le Mans sind wir nach dem Startschuss über die Strecke gerannt und dann in die Autos gesprungen. Diejenigen, die sich noch angeschnallt haben, sind halt 20 oder 30 Sekunden später los als die anderen. Das spielte bei einem 24-Stunden-Rennen keine Rolle." Kelleners fuhr angeschnallt, immerhin, aber bei einem Unfall spielte das ebenfalls kaum eine Rolle. Die alten Ford GT 40 waren nämlich rasende Benzinfässer. Hatten 140 Liter Sprit an Bord, 70 Liter zu jeder Seite des Fahrers. In Plastiktanks, ungeschützt bei einem seitlichen Aufprall, undenkbar heute. "Die Kisten haben ja oft gebrannt", sagt Kelleners, und das klingt bei ihm so lapidar, als wolle er sagen: Mir ist nichts passiert, anderen schon - so war das eben.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 41/2004