Nicht KAputt, nur offen

6. Juni 2003, 19:00 Uhr

Seit sieben Jahren gehört der Ka zum Straßenbild und war damit reif für eine Frischzellenkur. Neben einem sportlichen Ableger bekam der knubbelige Kölner jüngst einen offenen Zweisitzer an die Seite gestellt: den Streetka. Wir waren mit dem kleinen Roadster unterwegs.

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Aus dem angestaubten Ka ist ein schicker Roadster geworden©

Seit sieben Jahren gehört der Ka zum Straßenbild und war damit reif für eine Frischzellenkur. Neben einem sportlichen Ableger bekam der knubbelige Kölner jüngst einen offenen Zweisitzer an die Seite gestellt: den Streetka. Wir waren mit dem kleinen Roadster unterwegs.

Zu Beginn etwas Wortklauberei. "Streetka" heißt übersetzt "Ka für die Straße". Worauf war der kleine Ford dann bisher unterwegs? Antworten bitte an die Ford-Presseabteilung in Köln.

Zu allen Phasen seiner Entwicklung sorgte der offene Ka für Aufsehen. Auf dem Turiner Automobilsalon 2000, weil er als Konzeptfahrzeug einfach gut aussah. Auf dem Pariser Autosalon 2002, weil er als Serienfahrzeug noch immer schick aussah und gleichzeitig Kylie Minogue auf seiner Motorhaube posierte.

Edel-Fan

Nötig hat der Streetka die leichtbekleidete Unterstützung nicht. Die Karosserie wurde überarbeitet und vom siebenjährigen Staub befreit. Kühlergrill und Frontschürze sind größer und eckiger als beim bisherigen Ka, links und rechts vom Nummernschild sitzen auffällige Nebelscheinwerfer. Aus den großen runden Klarglas-Scheinwerfern wurden blinkerbreite Schlitze. Ka-Veteranen werden das riesige Plastik-Teil vermissen, das beim alten Ka Kotflügel und Stoßstange bildete. Schön war die Konstruktion nie. Aber unempfindlich gegen Parkrempler. Die breit ausgestellten Kotflügel-Backen des Streetka sind in Wagenfarbe lackiert und wesentlich empfindlicher.

Das neue Heck gefällt©

Markantes Heck

Mehr Schwung auch am anderen Ende des Kölners. Das Streetka-Heck rundet den sportlichen Auftritt ab. Vom Grinse-Gesicht aus Stoßstange, Kotflügeln und Heckleuchten ist nichts mehr übrig. Ein gerader Steg verbindet die beiden Radhäuser und zerschneidet die beiden schrägen Leuchtbänder, die die kleinen Heckleuchten abgelöst haben. Auf der flachen Kofferraumdeckel sitzt ein kleiner Spoiler, der für mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten sorgen soll. Schick: der runde Rückfahrscheinwerfer unterhalb des Nummernschildes.

Innenraum von "gestern"

Der Innenraum kann nicht mit der generalüberholten Karosserie mithalten. Die Mittelkonsole, die neben dem Lenkrad in den Fußraum "tropft", die runden Lüftungsdüsen und das Ablage-Loch im Armaturenbrett vor dem Beifahrer kennt man schon vom alten Ka.

Das einst als revolutionär gepriesene "New Edge"-Design mit den ungewöhnlichen Formen reißt heute niemanden mehr vom Hocker. Da hilft es auch nicht, dass das einst graue Plastik schwarz eingefärbt und überall mit Alu-Applikationen beklebt wurde. Der Kunststoff fühlt sich an, als stamme er aus dem Recycling-Kreislauf des Dualen Systems.

Dafür entschädigen die serienmäßigen Sportsitze mit ordentlichem Seitenhalt und langstreckentauglicher Polsterung. Ledersitze gibt es nur in Verbindung mit der 2.510 Euro teureren "Elegance"-Ausstattung. Dafür sind dann auch gleich Audiosystem und Klimaanlage mit an Bord.

Tiefe Sitzposition

Das Platzangebot ist für so einen Winzling beachtlich. Selbst Passagiere über 1,85 Meter sind ohne Verrenkungen unterzubringen. Der Vorteil liegt in der tiefen Sitzposition und der kugeligen Grundform der Ur-Ka. Dadurch sitzt man, anders als im Konkurrenten Peugeot 206 CC, im offenen Ka erfreulich weit vom oberen Rand der Frontscheibe entfernt. Auch bei geschlossenem Verdeck bleibt viel Luft zwischen Frisur und Stoffdach.

Das Verdeck des Streetka ist einfach, spart dafür aber Geld©

Aufwändiges Stoffdach

Mit dem massiven Blech-Klappdach des Peugeots kann das Streetka-Verdeck nicht mithalten. Windgeräusche und Motorlärm dringen mühelos durch das ungefütterte Stoffmützchen, mit dem man keine frostigen Temperaturen erleben möchte. Zudem ist beim Öffnen und Schließen Handarbeit angesagt. Nach dem Entriegeln muss das Dach erst nach hinten und dann wieder nach vorne geklappt werden. Dabei wird der hintere Teil mit dem Kunststofffenster angehoben. Ein Knopf links hinter dem Fahrersitz entriegelt und öffnet den Verdeckkasten, der anschließend das gesamte Dach schluckt. Deckel zu und fertig ist der Open-Air-Ka. Der umgekehrte Weg ist nicht weniger aufwendig. Ford gibt für die gesamte Prozedur eine Richtzeit von 30 Sekunden an. Die Redaktions-Bestzeit lag deutlich drüber.

Platz fürs Gepäck

Das Kofferraumvolumen zeigt sich vom Zustand des Daches völlig unbeeindruckt. Das Verdeckt nutzt den Raum, der durch den Wegfall der Rückbank entstanden ist. So bleiben 214 Liter Stauraum. Das reicht fürs mittlere Wochenend-Gepäck. Allerdings war der Kofferraum unseres Testwagens mit hässlichem und miserabel eingepasstem Nadelfilz ausgeschlagen.

Neuer Motor

Mehr Mut als bei der Einrichtung des Innenraums haben die Ford-Werker unter der Motorhaube bewiesen. Hier arbeitet ausschließlich ein nagelneuer 95-PS-Motor mit 1,6 Litern Hubraum. Fast 100 PS in so einem kleinen Auto. Klingt üppig. Ist es aber nicht. Je nach Ausstattung wiegt der Streetka bis zu 100 Kilo mehr als ein Ka. So gehen die 35 Zusatz-PS dafür drauf, Mehrgewicht und angestammtes Leistungsdefizit auszugleichen.

Fit für den Ampelsprint

Schlapp ist der Streetka deshalb noch lange nicht. Für die Fahrt in die City oder von Ort zu Ort reicht die Leistung völlig. Die kurz übersetzte Fünfgang-Schaltung macht an der Ampel eine gute Figur. Wer's darauf anlegt, kann an der Ampel so manchen Protzschlitten mit quietschenden Reifen und kernig heulendem Motor stehen lassen. Auf der Autobahn oder beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven geht dem kleinen Kölner mit einem maximalen Drehmoment von 135 Newtonmetern allerdings schnell die Puste aus. 12,1 Sekunden braucht der kleine Roadster für den Sprint von 0 auf 100. Schluss ist bei 173 km/h.

Der Innenraum ist von "gestern".©

Sportliches Fahrwerk

Fahrwerk, Lenkung und Bremsen sind auf wesentlich mehr Leistung ausgelegt. Unterschätzte Kurven quittiert der Streetka mit bravem Untersteuern, dem mit einfachem Gaswegnehmen beizukommen ist. Dem ohnehin schon gelungenen Ka-Fahrwerk kommen hier die verbreiterte Spur (+22 Millimeter), der tiefere Schwerpunkt (-30 Millimeter) und die härteren Dämpfer entgegen. Das sportlichere Fahrverhalten geht aufs Komfort-Konto. Schlaglöcher und Querfugen werden deutlich an die Passagiere weitergereicht. Einen guten Kompromiss haben die Entwickler bei der Lenkung gefunden. Sie ist leichtgängig genug, um sich in jeden Parkplatz zu zirkeln, und dennoch ausreichend präzise, um damit durch enge Kurven zu wedeln.

Große Augen an der Zapfsäule. Unser Testwagen gab sich, trotz fordernder Fahrweise, mit 8,0 Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden.

Fazit
Der Streetka findet die Nische in der Nische. Kleine Cabrios und Roadster (Peugeot 206 CC, Smart Roadster) sind beliebt und nicht billig. Der offene Ka kann hier mit schickem Design und einem nachvollziehbaren Grundpreis von 16.990 Euro punkten. Im Gegenzug muss man auf ein High-Tech-Dach und extravagante Materialien verzichten. Die teilweise schlampige Verarbeitung stört allerdings das positive Gesamtbild. Hier müssen die Streetka-Bauer beim italienischen Cabrio-Spezialisten Pininfarina noch nachlegen.

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Ford Streetka
Motor Vierzylinder-Triebwerk
Hubraum 1.597 ccm
Leistung 95 PS / 70 kW
Bremsen Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten. ABS serienmäßig
Länge/Breite/Höhe 3.650/1.695/1.335 Millimeter
Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe
0-100 km/h 12,1 Sekunden
Höchstgeschw. 173 km/h
Durchschnittsverb. 7,9 Liter (Werksangabe)
Grundpreis 16.990 Euro

Ford Streetka

  • Markantes Design
  • Großzügiges Platzangebot
  • Narrensicheres Fahrwerk
  • Direkte Lenkung
  • Günstiger Verbrauch
  • Gutes Preis-/Leistungsverhältnis
  • Durchzugsstarker Motor
  • Aufwändiges Verdeck
  • Teilweise schlampige Verarbeitung
Jochen Knecht
 
 
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