Gegen den Wind durchstarten

27. Dezember 2012, 16:06 Uhr

Rund 160 neue Automodelle sind für 2013 angekündigt - komplett neue Reihen, Generationswechsel und Facelifts. Ein erster Überblick.

Das Autojahr 2013, 4161

Wenn der CLS vorfährt muss der Jetta Platz machen.©

Matthias Wissmann macht in gebremstem Pessimismus: "Mit Wachstum ist im Inland 2013 nicht zu rechnen", glaubt der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA): "Aber einen tiefen Absturz wie im Winter 2008/09 wird es auch nicht geben." Drei Millionen Autos, schätzt der VDA, dürften 2013 in Deutschland verkauft werden, nur noch 11,4 Millionen in Westeuropa. "Der Gegenwind nimmt zu", sagt Wissmann: "2013 wird ein hartes Arbeitsjahr." Auch für die deutschen Hersteller auf ihrem Heimatmarkt: Denn was an Fahrzeugen auf den darbenden Märkten in Süd- und Westeuropa nicht verkauft werden kann, landet zum großen Teil auf dem noch halbwegs stabilen deutschen Markt - zu Kampfpreisen. Neben üppigen Rabatten sind es neue Modelle und Technologien, die den Kunden 2013 ein neues Auto schmackhaft machen sollen.

Sternenkreuzer kommt im Sommer

Mercedes-Benz etwa überarbeitet zwei seiner wichtigsten Modellreihen. Gründlich renoviert haben die Stuttgarter ihre E-Klasse als Limousine und Kombi. Allein schon das völlig neue Scheinwerferdesign verleiht ihm eine modernere Optik. Innen sorgen neue und verbesserte Assistenzsysteme für entspannteres und sicheres Fahren. Während die E-Klasse schon im März bei den Händlern steht, müssen die Mercedes-Kunden auf die neue S-Klasse noch bis zum Sommer warten. Dann kommt der Sternenkreuzer mit Leichtbau, sparsameren Motoren inklusive Plug-in-Hybrid und diversen elektronischen Helferlein. Das Ziel ist klar: die Marktführerschaft bei den luxuriösen Limousinen. Im Kompaktbereich beginnt Mercedes 2013 die frisch renovierte A-Klasse aufzufächern. Als erstes steht im April der coupéhafte Viertürer CLA an - mit Frontantrieb, etwas kürzer als die C-Klasse und rund 3.000 Euro preiswerter.

Bei BMW nur Varianten

Die Konkurrenz aus München mag da nicht nachstehen. Allerdings soll der 5er-BMW im Spätsommer nur dezent optisch aufgefrischt werden und optimierte Motoren bekommen. So löst der 540i den 535i mit einem 320 PS starken Sechszylinder ab und der V8 leistet künftig 450 PS. Grundlegenderes spielt sich bei BMW rund um den 3er ab. Für den gibt es zum Sommer eine Fließheck-Version namens GT. Außerdem werden zum Herbst hin Coupé und später auch Cabrio und Gran Coupé in eine eigene Modellreihe ausgegliedert. Den BMW 4er soll es ab Oktober geben. Kurz vor Jahresende legen die Bayern dann auch Hand an am X5. Der SUV dürfte um bis zu 150 Kilogramm abspecken und auch als Active-Hybride angeboten werden - wahlweise mit Diesel oder Benzinmotor als Ergänzung des Elektromotors. Ein paar Kilometer weiter in Ingolstadt lässt man es geruhsamer angehen: Keine neuen Baureihen, sondern eher das Optimieren der bestehenden Modelle steht für 2013 auf der Agenda. So wird es auf Basis des A3 künftig auch eine Limousine geben, die an der Tür zur Mittelklasse anklopft - auch bei den Herren der Ringe hat sich der Trend zum klassischen Stufenheck herumgesprochen. Ansonsten sind es vor allem die Powerversionen, die 2013 bei Audi kommen sollen. Dazu gehört ab April der Audi RS 5 als Cabrio oder der RS 6 Avant als 560 PS starker Kombi.

Die Limo kommt wieder

Limousinen mit Stufenheck wird man 2013 wohl wieder des Öfteren auf den Straßen sehen - nicht nur in den oberen Fahrzeugklassen. Mazdas neuer 6er etwa kommt außer als Kombi auch mit dem Knick im Heck. Ebenso Skodas dritte und deutlich gewachsene Generation des Octavia. Einen Monat später folgt der technisch eng mit ihm verwandte Seat Toledo. Im Sommer spendiert Skoda dann auch dem Superb ein Facelift. Cadillac versucht es ab Herbst nach der IAA in Frankfurt mit einem neuen CTS. Und Maserati bietet neben dem bereits vorgestellten und deutlich kraftvoller gewordenen Quattroporte ab Herbst auch in der Mittelklasse eine Limousine. Viel mehr als der Name Ghibli ist allerdings noch nicht darüber bekannt. Vermutlich dürfte es aber zum ersten Mal in der Maserati-Geschichte auch ein Dieselaggregat im Angebot geben und der Preis um die 80.000 Euro liegen.

Für die Spaßfraktion kommt der Mini

Ungebrochen ist der Boom bei den Kombis - kaum eine Baureihe der Kompakt- oder Mittelklasse ohne Laster. Im August will Volkswagen dem gerade gestarteten Golf ein Variant-Version zur Seite stellen, mit weitgehend gleichen Abmessungen wie der Vorgänger. Schon drei Monate vorher rollt die Konkurrenz aus dem eigenen Konzern von den Produktionsbändern: Der Skoda Octavia Kombi hat die gleiche Plattform wie der Golf-Kombi, ist aber deutlich preiswerter. An weiteren Kombis stehen erstmals auch der Toyota Auris an, der ebenfalls als Hybrid lieferbar sein soll. Und der Renault Clio Grantour, der Platz für 430 Liter Gepäck haben soll. Mit dem Dokker bietet die Renault-Tochter Dacia ab März zudem einen geräumigen Hochdachkombi zum Schnäppchenpreis: Bei 8.990 Euro geht es los.

Reichlich Neues gibt es 2013 im hart umkämpften Segment der Kompakt- und Kleinwagen. Gegen Ende des Jahres will BMW den überarbeiteten Mini auf den Markt bringen, mit rundlicheren Formen, komplett überarbeitetem Innenraum und schon auf der Plattform des kommenden BMW-Vans. Nissans neuer Note soll ab dem Spätherbst auf der Basis des Renault Clio entstehen. Gebaut wird er in England. Volkswagen baut die Modellreihe des Golf nach und nach aus. Vor dem Kombi im Herbst steht im Mai der GTI an - mit 220 PS, einer Höchstgeschwindigkeit von 246 km/h und einem roten Streifen quer über die Front. Damit es den Wolfsburgern nicht zu wohl wird, schickt Kia im März schon mal den zweitürigen ProCee\'d ins Rennen, Hyundai einen Monat vorher das i30 Coupé.

Neues auch im Bereich der SUV und Geländewagen. Pünktlich zur IAA im September fährt Porsche mit einem kleinen Bruder für den Cayenne auf. Der Macan basiert technisch auf dem Audi Q5 und soll künftig in Leipzig gebaut werden. Der Ford Kuga wird um acht Zentimeter in der Länge wachsen und basiert nun auf dem amerikanischen Escape. Chevrolet wiederbelebt in Deutschland den Kompakt-SUV Trax. Und Ende 2013 bekommt der Skoda Yeti, der seit 2009 unverändert gebaut wird, seine erste Modellpflege. Er wird dabei nicht nur in der Länge gestreckt, sondern kann sich auch mehr als bisher unter den Assistenzsystemen aus dem VW-Regal bedienen.

2013 könnte zudem endlich wieder ein Autojahr sein, in dem Legenden geboren werden. Vor allem zwei traumhaft schöne Sportwagen haben das Zeug dazu. Alfa Romeo baut ab Sommer den 4C, der als Mittelmotor-Coupé und seriennahe Studie bereits auf den vergangenen Automessen für Furore gesorgt hat. Der bis zu 300 PS starke Zweisitzer soll mit rund 45.000 Euro noch relativ erschwinglich bleiben. Den zweiten Traum auf vier Rädern hat Jaguar mit dem F-Type versprochen. Das Cabrio knüpft an den legendären Jaguar E-Type an und soll ab knapp 74.000 Euro kosten. Dabei sind die beiden nicht die einzigen Automobile, die ab 2013 schiere Lust bereiten sollen. Porsche baut mit dem Turbo seine 911er-Reihe weiter aus und stößt mit dem 770.000 Euro teueren 918 in ähnliche Regionen vor wie Ferrari. Dort soll der Nachfolger des Enzo mal eben so 800.000 Euro kosten. Bei Aston Martin wartet der offene Vanquish Volante ab März auf betuchte Käufer. Deutlich preiswerter geht es da bei Citroën zu, wo man den DS3 zum Cabrio aufschneiden will. Und bei Opel: Die arg gebeutelten Rüsselsheimer wollen mit dem Cascada wieder ein viersitziges Cabriolet anbieten. Peugeot gönnt seinem 2+2-Sitzer RCZ im Januar ein Facelift, das unter anderem die Frontpartie deutlich dezenter als bisher erscheinen lässt. Und einen Monat später liefert Volkswagen den neuen Beetle in der offenen Version aus.

Darf nur außerhalb der Autowelt nicht schief gehen: "Wer schon beim Frühstück eine Hiobsbotschaft nach der anderen hört, geht nicht am Nachmittag voller Vorfreude ins Autohaus", weiß VDA-Chef Wissmann.

Das Autojahr 2013
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