Geschärfter Dreizack

13. Februar 2013, 22:59 Uhr

Maserati hat Großes vor: nach dem neuen Quattroporte klopft mit dem Ghibli bereits in diesem Frühjahr das nächste Modell an die Tür der Oberklasse. Doch Maserati will noch mehr. Ein neuer Crossover, ein Gegner für den Porsche 911 sowie Neuauflagen für den Gran Turismo sollen die Verkaufszahlen auf 50.000 Einheiten drücken.

In den letzten Jahren gab es bei Maserati wenig wirklich Neues. Mit inhaltlich dünnen Sportversionen und Sonderserien wurde die Fangemeinde des Dreizacks beinahe an den Rand der Verzweiflung getrieben. Doch mit dem neuen Quattroporte feierte der norditalienische Sportwagenhersteller den Startschuss in eine neue Ära. Vorbei sein soll es mit den Zeiten, in denen die Modellpalette allenfalls zwischen 5.000 und 9.000 Autos im Jahr ermöglichte. Zu viel zu Sterben - zu wenig zum Überleben. Mittelfristig sind 50.000 Maseratis pro Jahr geplant. Hört sich wirr an; doch es scheint mit einer sinnvollen Aufstockung der Modellpalette nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Verkaufszahlen mächtig nach oben gehen.

Der Quattroporte, im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich gewachsen, zeigt, dass die Italiener zugehört haben. Nunmehr gibt es mehr Leistung, mehr Komfort und insbesondere eines: deutlich mehr Wettbewerbsfähigkeit. Denn mit der Krone der Schönheitskönigin fuhr schon der Vorgänger zehn Jahre herum. Doch ging es um die harten Fakten, hatte der Maserati-Fahrer stets das Nachsehen. Der Quattroporte war nur der Auftakt für eine Modelloffensive, die es in der Geschichte eines italienischen Sportwagenherstellers noch nicht gegeben hat. Hierzu wurden rund 1,2 Milliarden Euro investiert. Ein Volltreffer soll dabei bereits der Maserati Ghibli werden. Die Oberklasselimousine soll sich ab diesem Herbst mit einer Länge von rund fünf Metern die sportlichen Premiumlimousinen vorknöpfen. Mit seinen Abmessungen und seinem Leistungsspektrum spielt der neue Ghibli dabei in einer Liga mit der Quattroporte-Vorgängergeneration. Die Konkurrenz BMW 5er, Mercedes E-Klasse und Audi A6 - und hier insbesondere die Topmodelle - hat der Ghibli dabei fest im Blick. "Derzeit decken wir mit Quattroporte, GT und Cabrio gerade einmal 20 Prozent des Luxusmarktes ab", so Wester, "das wird sich ändern. Und durch die größeren Volumina wird auch Ferrari als Motorenlieferant von uns profitieren."

Maseratis Nomenklatur mag überraschen, denn der Ghibli war in den 60er und 70er Jahren ein edles Sportcoupé mit bulligem V8-Charme, von dem es auch eine betont sehenswerte, offene Version gab. Zukünftig also zwei Türen mehr und zwei Zylinder weniger, denn das Volumenmodell wird in der Basis von einem 300 PS starken Sechszylinder befeuert. Die stärkere Version spielt mit rund 400 PS und knapp 300 km/h Spitze in der bisherigen Quattroporte-Liga. Der hat sich - frisch mit Turbopower erstarkt - mit 530 PS und einer Länge von 5,25 Metern deutlich nach oben Richtung Mercedes S-Klasse und BMW 7er abgesetzt. Wie die neue Quattroporte-Generation ist auch der Ghibli mit der Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF ausgestattet. Optional wird er ebenso wie später der Quattroporte auch mit Allradantrieb zu bekommen sein. Gerade die Märkte in Europa und den USA hatten dies vehement gefordert.

Groß sind die Erwartungen auch an einen Maserati Ghibli mit Dieselmotor. Der drei Liter große Commonrail-Diesel aus dem Hause VM gehört im Jeep Grand Cherokee nicht zu den besten Aggregaten in dieser Liga. "Das wird sich ändern", unterstreicht Maserati-Chef Harald Wester, "der Motor wird in Sachen Klang und Leistungsentfaltung ein echter Maserati sein." Hier hängen die Trauben besonders hoch, denn die Soundgestaltung eines Maserati gehört zu den besten in der Automobilbranche. Und jetzt gibt es bei Ghibli und dem Crossover Levante nicht nur eine Reduzierung auf sechs Zylinder, sondern auch die Einführung von Dieseltriebwerken.

Der Dieselmotor, der in Ghibli und dann ab Ende 2014 / Anfang 2015 auch im Crossover namens Levante zu bekommen sein wird, startet mit etwas mehr als 250 PS. Eine höhere Leistungsstufe mit 350 PS ist ebenfalls fest in Planung - kommt aber später. Der Levante ist technisch eng mit dem Jeep Grand Cherokee verwandt, mit der er sich auch die Plattform teilt. Optisch soll jedoch weder außen noch innen etwas an den amerikanischen Geländeklassiker erinnern. Im Gegensatz zum Grand Cherokee soll der Levante nunmehr doch in Norditalien gebaut werden. Der Maserati SUV springt spät auf den SUV-Express auf. Ab 2015 soll er zum Volumenmodell der Marke werden und damit dem Porsche Cayenne folgen. Geplant sind 23.000 bis 25.000 Levante pro Jahr. "Diesel und Benziner kommen zeitlich bei uns zusammen", so Harald Wester, "und ich sage auch nicht nein zu einem Diesel im Quattroporte - wenn er echte Maserati-Gene hat. Dieselmotoren haben eine globale Chance - sie sind besser als die meisten Hybriden."

Die Schlagzahl bei Maserati wird kaum kleiner, denn auch 2015 / 2016 soll die Modellpalette erneuert und ausgeweitet werden. Während der neue Maserati Gran Turismo sowie sein Bruder Gran Cabrio insbesondere leichter, fahrdynamischer und weniger kompromissbehaftet werden sollen, steht mit einem echten Sportwagen ein komplett neues Modell am Horizont. Der Name des Maserati Sportwagens steht noch nicht endgültig fest. Klar ist jedoch, dass der Sportler insbesondere den Porsche 911 ins Visier nehmen soll. Der 2+2-Sitzer soll von einem Sechszylinder-Turbo mit Leistungen bis über 500 PS angetrieben werden. Durch Aluminium-Karosse und Leichtbau-Elemente soll der kleine Maserati zu einem echten Porsche-Jäger werden. Ein optionaler Allradantrieb ist ebenso wenig ausgeschlossen wie eine Cabrioversion, die jedoch kaum vor 2017 Realität werden dürfte. Viel zu tun für die 400 weltweiten Händler, die ab Ende 2013 in den Startlöchern stehen.

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