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30. Juni 2010, 18:36 Uhr

Rückkehr der Familiensaurier

Lange schienen sie zu einer aussterbenden Gattung zu gehören: die großen Vans. Viele Jahre waren sie der Maßstab im Familientransport, dann haben ihnen die kompakteren Geschwister und die SUVs das Wasser abgegraben. Nun kommt der neue Sharan.

Große Vans, Minivans, Sharan, Seat Alhambra, Ford S-Max, Galaxy

Markante Front, Fahrzeugkörper in Schachtel-Form© Volkswagen

Als die Vans Mitte der achtziger Jahre in Europa auf den Markt kamen, waren sie eine Sensation. Sie waren groß, sie waren komfortabel und sie waren unerhört flexibel. Also das Richtige für Familien – vor allem, wenn diese noch Spaß an Freizeitsport hatten. Angeführt wurde die Welle vom Chrysler Voyager und dem Renault Espace. Eine Zeitlang bemühten sich fast alle namhaften Hersteller darum, einen großen Familienbomber im Programm zu haben.

Schnell verlor der Trend jedoch an Zugkraft. Mit dem Opel Zafira wurde 1999 ein deutlich kleinerer Minivan vorgestellt, der wesentlich cleverer mit dem Raum umging. Der Mehrnutzen der großen Vans war kaum noch zu spüren. Obendrein haftet an der ganzen Gattung das Schild "Pampersbomber". Der Geruch von Windeln und Vorstadt stempelte die Wagen als rationale Zweckmobile. Parallel setzte der Lifestyletrend zum SUV ein. Auch hier passte die Familie hinein, obendrein stimmt das Image. Golfplatz statt Lidl lautet das SUV-Motto. Seitdem gilt der Sharan als das Auto für die, die sich keinen Touareg leisten können. In Deutschland konnte obendrein kein noch so clever gemachter Minivan jemals den "Bully"-Kultfaktor der Multivans von Volkswagen Nutzfahrzeuge ausstechen.

Eines der ältesten Modelle im Markt
Seither dümpelten die großen Vans in einer Ecke des Verkaufsraums vor sich hin. Bestes Beispiel ist der Sharan von Volkswagen. Er wird mehr oder minder unverändert seit 1995 gebaut. Zur Erinnerung: Damals lief noch der Golf III von den Bändern. Familien sind offenbar geduldig und bezahlen auch für die Technik von vorgestern noch gutes Geld. Denn billig war auch der alte Sharan nicht. Nun tritt der Nachfolger an und lässt keine Schraube an der anderen. Schon äußerlich ist die Veränderung gegenüber dem deutlich angestaubten Design des alten Modells gewaltig. Die neue Front zeigt jetzt auch das aktuelle VW-Familiengesicht mit niedrigem und breitem Kühlergrill. Außerdem sorgt die in Länge und Breite gewachsene Karosserie bei geringer gewordener Höhe für einen dynamischeren Auftritt.

Das Raumkonzept glänzt mit neuer Variabilität: Neben den nun vorhandenen Schiebetüren verfügt der Sharan über umlegbare Sitzbänke anstelle der abstrus altmodischen ausbaubaren Fondbank. Serienmäßig rollt der Neue mit fünf Sitzen von den Bändern. Gegen Aufpreis steht jedoch ein "Sechssitzer-" und ein "Siebensitzer-Paket" auf der Ausstattungsliste. Im Sechssitzer nehmen die Passagiere in der zweiten und dritten Reihe jeweils auf zwei Einzelsitzen Platz. Das Kofferraumvolumen des 4,85 Meter langen Vans beträgt bis zu 2.297 Liter. Die Motorenpalette umfasst Euro-5-Triebwerke mit einem Leistungsband von 103 kW/140 PS bis 147 kW/200 PS. Alle Antriebe können erstmals auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe geordert werden. Bei den Preisen nimmt sich der Hersteller zurück; die Kosten des Basismodells sinken von 29.350 Euro auf 28.875 Euro.

Seat zieht nach
Mit einer ähnlichen Ahnengeschichte kann der neue Seat Alhambra aufwarten. Das nahezu baugleiche Schwestermodell des Sharan läuft seit 14 Jahren vom Band. Die kommende Generation orientiert sich wieder am Wolfsburger Vorbild. Mit einem Dachspoiler, einer geänderten Frontpartie und neuen Rückleuchten soll der Spanier jedoch etwas mehr Dynamik ausstrahlen. Das Raumkonzept und das Motorenprogramm des Alhambra decken sich mit dem seines Schwestermodells. Traditionell ist Seat etwas günstiger als die deutsche Muttermarke; Preise für das im Herbst startende Modell sind aber noch nicht bekannt.

Große Vans, Minivans, Sharan, Seat Alhambra, Ford S-Max, Galaxy

Komfortfeature sind die Schiebetüren© Volkswagen

Wichtige Wettbewerber der Volkswagen-Konzernbrüder sind die großen Vans von Ford. Beide haben gerade eine Frischzellenkur hinter sich. Gleich zwei Varianten mit unterschiedlichen Zielgruppen treten an: Der siebensitzige Galaxy ist ein Großraumwagen klassischer Prägung mit Fokus auf maximalem Platzangebot. Eher schick und schnittig gibt sich der fünf- bis siebensitzige S-Max auf gleicher technischer Plattform, aber mit sportlicher Karosserie und insgesamt dynamischerer Ausrichtung. Im Zuge einer Modellpflege wurden die Geschwister optisch aufpoliert. Außerdem feiert der neue Turbo-Benzindirekteinspritzer der Marke Premiere; das 2,0-Liter-Vierzylinder-Triebwerk mit 149 kW/203 PS soll mit 8,1 Liter Kraftstoff auskommen und damit bei ähnlicher Leistung deutlich weniger verbrauchen als der Vorgänger mit 2,5 Litern Hubraum. Die Preisliste für den S-Max beginnt bei 28.300 Euro, der Galaxy kostet ab 30.000 Euro.

Keine Rückkehr zu großen Zeiten
Mit dem Bau eines neuen Sharan fügt VW sich ins Unvermeidliche. Schließlich hätte man den alten Familienopa nicht ewig weiterbauen können. Aber auch mit Schiebetüren – die andere Hersteller zum Teil seit Jahren anbieten – wird der Sharan nicht eine Renaissance der großen Minivans einleiten. Schon im eigenen Haus ist die Konkurrenz zu stark. Deutlich günstiger und für die normale Familie vollkommen ausreichend ist der Touran. Ihn gibt es bereits für 22.400 Euro. Die VW-SUVs Tiguan und Touareg bieten mehr Image. Rustikale Pragmatiker finden mit dem großen Caddy eine Alternative und sportliche Familien im Multivan ein attraktives Angebot.

Gernot Kramper/MID
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
blwolf (02.07.2010, 09:41 Uhr)
sharan
Sicherlich reicht ein Touran aus ( wirklich schönes Auto ), aber wer mal kurz nacheinander im Touran und dann im Sharan gesessen ist, wird die Platzunterschiede deutlich merken.
Und übrigens hat der bisherige Sharan keine ( abstrus ) auszubauende Fondsitzbank, sondern Einzelsitze und als Sharan - Fahrer, der den 6. und 7. Sitz relativ selten braucht, bin ich froh, die Dinger nicht ständig spazierenfahren zu müssen, erhöht ja schließlich unnötig das Gewicht
Buureremmel (02.07.2010, 08:34 Uhr)
Der Verlust an Zugkraft
hing auch damit zusammen, dass die ersten großen Vans Voyager und Espace grauenhafter Schrott-ab-Werk waren, deren Unterhaltung eine normale Familienkasse schnell ruinieren konnte. Mit Einstieg seriöser Hersteller in das Segment stieg dann auch wieder die Attraktivität. Und dazu trägt sicherlich auch bei, dass Ford seine Vans nun endlich mit gescheiten Motoren ausstatten kann.
dist-bln (01.07.2010, 09:35 Uhr)
VW- PR
...klingt doch noch nach VW-PR!
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