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3. April 2009, 21:05 Uhr

Spurwechsel

Wer sein chices Hinterteil sieht, der ist sicher einem Audi Avant hinterher zu staunen. Der Accord Tourer ist derzeit eine der wohl schönsten Möglichkeiten, einen Japaner zu fahren. Seine Sicherheitsausstattung setzt Maßstäbe, doch es gibt Lücken im Detail.

Honda Accord Tourer, Audi A4 Avant 2.0 TDI, BMW 320d Touring

Deutlich eleganter geworden: Der neue Honda Accord Tourer 2.2i-DTEC© Hersteller/Press-inform

Wer an Honda denkt, dem kommen der quirlige 80er-Star CRX, der ewige Bestseller Civic oder der legendäre Supersportwagen NSX in den Sinn. In den letzten Jahren blieben die sportlichen Japaner bei den meisten Modellen zurückhaltend und blass oder schossen wie beim aktuellen Civic über das Ziel hinaus. Viel zu lange wartet die geneigte Kundschaft auf einen neuen Spaßroadster S 2000 oder den fertig entwickelten NSX-Nachfolger. Doch der wohl interessanteste Honda ist der in der aktuellen Generation deutlich eleganter gewordene Accord. Die Unförmigkeit des Limousinen-Hecks bleibt einem beim rundlichen Tourer zu Glück erspart. Dem fehlt zu einem grandiosen Auftritt nur ein paar Kleinigkeiten - und ein paar Pferdestärken mehr unter der Haube.

Endlich ist der 2,2 Liter große Diesel im Honda Accord auch mit Automatikgetriebe zu bekommen. Wieso die Entwicklung derart lang gedauert hat, kann nur überraschen. Denn während die Konkurrenz auf moderne Getriebeautomaten mit sechs oder sieben Gängen setzt oder sich gar auf innovative Doppelkupplungen kapriziert hat, gibt es bei den Japanern nur Hausmannskost. Die bekannte Fünfgangautomatik des Benziners wurde überarbeitet und kann so das höhere Drehmoment von 350 Nm verarbeiten. Das Getriebe arbeitet ordentlich und betont im Hintergrund; nimmt dem Vierzylinder jedoch einiges von seinem Tatendrang. Da die Konkurrenz zum größten Teil deutlich stärkere Dieseltriebwerke anbietet, wurde auch dem durchaus sportlich positionierten Accord Tourer eine Leistungsspritze von mindestens 180 PS gut Gesicht stehen. Sportlichkeit und Selbstzünder schließen sich längst nicht mehr aus.

Indiskutabel hoher Durchschnittsverbrauch

Insbesondere, weil auch das Fahrwerk mehr als die anliegenden 110 kW / 150 PS vertragen kann. Trotz 350 Nm maximalem Drehmoment bei 2.000 U/min und einer kaum spürbaren Anfahrschwäche sind 0 auf 100 km/h in 10,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von kaum mehr als 200 km/h enttäuschend, wenn man gegen Audi A4, Ford Mondeo, Alfa 159 oder 3er BMW ankämpft. So sehr der Motor mit seinem weichen Lauf überzeugen kann, so schlapp zeigt sich der 4,75 Meter lange Honda Accord Tourer in Sachen Durchschnittsverbrauch. Im Praxistest pendelte sich die Nadel bei 9,1 Litern Diesel auf 100 Kilometern ein. Trotz Winterbereifung angesichts einer Werksangabe von 6,6 Litern ein indiskutabel hoher Wert - insbesondere mit den mittelprächtigen Fahrleistungen. Hier kann man von einem ausgewiesenen Motorenspezialisten wie Honda mehr erwarten. Ein seidiger Motorenlauf allein reicht lange nicht mehr. Zudem liegen verbrauchsreduzierende Effizienzmaßnahmen wie eine Start-Stopp-Automatik, entkoppelbare Nebenaggregate oder eine regeneratives Bremssystem in weiter Ferne - auch beim Handschalter.

Das Fahrverhalten gibt abgesehen von der recht gefühllosen Lenkung viel Anlass zur Freude. Die Nick- und Wankbewegungen des über 1,6 Tonnen schweren Kombis halten sich auch im flotten Galopp angenehm zurück und die Bremsen packen ordentlich zu. Überraschend für ein Fahrzeug der zivilen 150-PS-Liga spürt nicht nur der empfindsame Pilot jedoch die Antriebseinflüsse in der Lenkung. In schnellen gefahrenen Kurven neigt der Japaner zu deutlichem Untersteuern und lässt seine elektronischen Rettungsanker recht früh von der Leine. Denn auf das Thema Sicherheit haben die Ingenieure beim Honda Accord besonders viel Wert gelegt. ESP, ABS und eine Vielzahl lebenspendender Airbags sind klassenüblich und auch eine adaptive Geschwindigkeitsregelung bieten viele; doch der Familienkombi kann deutlich mehr. Ähnlich dem von Mercedes initiierten Pre-Safe-Paket sorgt ein Sicherheitssystem mit Namen CMBS (Collision Mitigation Brake System) dafür, die Unfallfolgen abzumildern. Drei Sekunden von einem sicheren Aufprall gibt es lautes Warnsignal für den unachtsamen Fahrer, eine Sekunde später wird automatisch sanft gebremst und der Sicherheitsgurt gestrafft. Eine Sekunde vor dem sicheren Aufprall auf ein Hindernis wird mit der Kraft von 0,6 G gebremst und die Gurte straff gezogen.

Übersichtlicher Innenraum

Noch visionärer ist der aktive Spurhalteassistent, der im Geschwindigkeitsbereich zwischen 72 und 180 km/h automatisch die Spur hält. Eine neben dem Innenspiegel angebrachte Kamera liest die Fahrbahnmarkierungen und lenkt mit Hilfe des Fahrers leicht gegen, um in der Spur zu bleiben. Einzig der bei einigen Herstellern erhältliche Überholassistent bleibt beim Accord außen vor. Leider lässt sich Honda das empfehlenswerte Sicherheitssystem mit 2.450 Euro extra bezahlen.

Gefallen kann der Innenraum des Honda Accord. Anders als im Spielmobil Civic sieht das Cockpit aus wie es sein muss. Schalter und Bedienelemente sind abgesehen vom Lichtschalter am überfrachteten Blinkerhebel dort, wo sie sein sollten. Gerade im dunklen sind die Schalter sehr gut beleuchtet und die Instrumente informieren übersichtlich. Die Sitze lassen sich für Insassen jeder Größe bequem einstellen. Sie sind weich, trotzdem bequem und bieten guten Seitenhalt. Die Sitzheizung könnte jedoch etwas kräftiger auf der Brust sein und eine optionale Belüftung ist überhaupt nicht vorgesehen. In der zweiten Reihe geht es etwas knapper zu. Doch zwei nicht allzu groß gewachsene Fondpassagiere sitzen sehr bequem und können allenfalls die zu niedrigen Kopfstützen und eine fehlende Sitzheizung monieren. Nicht auf der Höhe der Zeit ist das DVD-Navigationssystem. Den grobpixeligen Bildschirm im Auge hat man selbst in Innenstädten den Eindruck durch ein nicht erschlossenes Gebiet zu pilotieren. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit ist müde, Anzeigen, Bedienung und Sonderfunktionen sind im Vergleich zu aktuellen Modellen der Konkurrenz zwei Generation zurück. Dafür sind 2.400 Euro Aufpreis alles andere als akzeptabel. Nicht zuletzt weil auch das Soundsystem kaum mehr als akustisches Mittelmaß bietet.

Langsame Heckklappe

Mit einem Kofferraumvolumen von 406 bis 1.252 Litern ist der Accord Tourer kein Lademeister, bietet aber allemal genug Platz für den nächsten Kurzurlaub zu dritt oder viert. Praktisch aber ermüdend ist die elektrische Heckklappe. In der Zeit, in der sie öffnet oder schließt, kann man gefühlt eine große Inspektion durchführen. Zudem muckt sie regelmäßig, wenn kleine Ladeteile zusammengeschoben werden sollen oder man den Accord gleichzeitig abschließen möchte. Das klappt erst nach Beendigung des Schließvorganges. Immerhin ist die elektrische Heckklappenbetätigung in der Topausstattungsvariante Accord Executive ebenso wie Xenonlicht und beheizte Ledersitze kostenlos. Dieses Modell kostet als Automatik jedoch bereits 37.590 Euro. Mit den standesgemäßen Sicherheits- und Komfortextras liegt der Honda Accord Tourer 2.2i-DTEC bei stattlichen 42.970 Euro. Damit liegt man bei besserer Ausstattung auf Höhe eines 170 PS starken Audi A4 Avant 2.0 TDI oder eines 177 PS starken BMW 320d Touring.

Stefan Grundhoff; press-inform
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
gmathol (06.04.2009, 09:05 Uhr)
Diesel sind nicht Honda's Staerke...
Die arbeiten an anderen Antrieben und bieten mittlerweile mit dem Clarity ein Wasserstoff betriebenes Serienfahrzeug an das mit einer Befuellung bis zu 420 Km schafft. Da muessen BMW, Mercedes und Audi passen.
Nicht genug damit, Honda bietet mit Plug Power gleich die Heim-Wasserstoff Tankstelle mit an.
Desweiteren wird ein Niedrigpreis Hybrid von Honda angeboten.
Was solls, wer hat den die hoeheren Umsaetze in den USA? Honda oder die deutsche "Fuehrungs-Auto-Macht"?
Natsukawa (04.04.2009, 16:52 Uhr)
Schade, Honda!
Auch anderes außer des Designs verbindet die Marken Honda und Audi: Beide warfen den "Autobau für Jedermann" über Bord und verschrieben sich schier unbezahlbarer Luxusfrickelei. Wenn ich da an unseren alten 83er Honda Accord EX denke... Ein echt geniales Familienfahrzeug für damals 16.000DM... und jetzt? 80.000DM.
Freue mich auf unseren Sandero ;-)
Eisenbaer (04.04.2009, 10:29 Uhr)
Warum stärkere Motoren?
Weil man in einem einzigen Land auf der ganzen Welt noch auf einigen Strecken ohne Tempolimit fahren kann? Für einen Global Player lohnt sich diese Investition bestimmt nicht. Und das Attribut "Autbahnfest" oder "auf Autobahnen getestet" interessiert den rest der Welt auch nicht mehr wirklich. Warum sollte man also stärkere Motoren in einen Allerweltskombi einbauen? Das ergibt doch keinen rechten Sinn!!!
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