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2. April 2008, 09:29 Uhr

Park and Surf

BMW bietet noch in diesem Jahr den uneingeschränkten Internetzugriff in seinen Autos an. Das System kann im ersten Testbetrieb überzeugen. Zum mobilen Büro taugt der surfende Bayer aber nur bedingt.

Fast serienreif: Der uneingeschränkte Internetzugriff im Auto© Hersteller/PressInform

Mit "ConnectedDrive" setzt BMW schon seit längerem auf die intelligente Vernetzung im Auto. In Zukunft sollen die weißblauen Luxusliner noch viel mehr möglich machen: Per Anruf im BMW-Callcenter kann man den Aufenthaltsort seines Autos bestimmen, wenn man sich im Parkhaus mal wieder nicht die Reihe gemerkt hat. Mit ein paar Mausklicks lädt man die neuesten Updates für die Fahrzeug-Software herunter, ohne dass der Wagen in die Werkstatt muss.

An vielen Systemen feilen die Münchner noch, doch eine Anwendung ist fast serienreif: Der uneingeschränkte Internetzugriff im Auto.

Die Webseiten werden auf dem Monitor in der Mittelkonsole angezeigt. Um kleine Texte besser lesen zu können, lässt sich der Bildschirmausschnitt um den Faktor 1,5 oder 2 vergrößern. Als Maus-Ersatz dient BMWs Eier legende Wollmilchsau "iDrive", der runde Drehknopf in der Mittelkonsole.

Das Navigieren auf dem Bildschirm klappt problemlos. Etwas fummelig ist allerdings die Eingabe der Internetadressen, denn bei BMW gibt es keinen Touchscreen. Wie beim Navigationssytem muss man per iDrive jeden einzelnen Buchstaben einzeln anwählen, was bei einer komplizierten Webadresse seine Zeit dauert. Schneller geht der Zugriff mit der frei programmierbaren Favoritenleiste.

Die Ingenieure arbeiten auch an einer Sprachsteuerung, aber die bleibt im Auto schwierig - die ständige Geräuschkulisse und plappernde Mitfahrer stellen Kollege Computer vor große Herausforderungen. "Außerdem frisst die Spracherkennung eine Menge Rechenleistung", sagt ein BMW-Entwickler.

EDGE statt UMTS

Der Seitenaufbau ist etwas träger, als man es von der heimischen Highspeed-Verbindung gewohnt ist - aber immer noch schnell genug, um das Surfen nicht zur Geduldsprobe werden zu lassen. BMW nutzt zur Übertragung die EDGE-Technik (Enhanced Data Rates for GSM Evolution). EDGE beschleunigt die Datenübertragung des Mobilfunkstandards GPRS und macht sie drei- bis viermal so schnell.

Die Übertragung damit geht zwar nicht so flott wie mit UMTS, dafür ist EDGE aber zumindest in Deutschland flächendeckend verfügbar. Bei UMTS gibt es noch viele weiße Flecken auf der Landkarte.

Die Darstellung der Webseiten im Auto erfolgt übrigens nicht direkt aus dem Netz, sondern nimmt den Umweg über einen zentralen BMW-Server. Damit soll die Übertragung optimiert werden - Flash-Animationen zum Beispiel werden in animierte GIFs umgerechnet. Man surft außerdem mit Netz und doppeltem Boden, da der BMW-Server über eine Firewall verfügt.

"In einem BMW gehen Sie nie 'nackt' ins Netz", sagt ein Entwickler. Die Wahl der Seiten ist dabei nicht eingeschränkt. Egal, ob man zu Ebay, zu Google oder zu Mercedes surfte - im Testwagen zeigte der Bildschirm brav alle Seiten an, mit denen wir ihn fütterten.

7er voran

BMW spricht von einer Funktionalität, wie sie der Fahrer "von der Bürokommunikation oder am heimischen PC" gewohnt sei. Auch Emails lassen sich abrufen. Es gibt allerdings eine wesentliche Einschränkung: Anhänge kann man aus Sicherheitsgründen weder öffnen noch verschicken. Zum mobilen Arbeitsplatz taugt das surfende Auto also nur bedingt. Services wie Onlinebanking sollen aber problemlos funktionieren.

Eine weitere Einschränkung: Das Surfen funktioniert nur bis zu einer Geschwindigkeit von 5 km/h - ebenfalls aus Sicherheitsgründen, sagt BMW. An diesem Prinzip wollen die Münchner auch in Zukunft festhalten, obwohl der Internetempfang während der Fahrt technisch kein Problem darstelle. Eine Ausnahme will BMW vielleicht bei Fahrzeugen mit DVD-Entertainment-System im Fond machen. Die Passagiere auf den hinteren Plätzen könnten dann auch während der Fahrt im Netz surfen.

Der Internetzugriff soll im Laufe dieses Jahres als Sonderausstattung ab Werk verfügbar sein und wird wahrscheinlich zuerst mit dem neuen 7er eingeführt.

Zu den Kosten für das Navigationssystem mit Bildschirm, über den das Fahrzeug zum Anzeigen der Internetseiten natürlich verfügen muss, käme dann eine jährliche Nutzungsgebühr. Sie soll zwischen 100 und 200 Euro betragen, inklusive einer unbegrenzten Daten-Flatrate. Die genauen Preise will BMW noch bekannt geben.

Sebastian Viehmann / pressinform
 
 
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