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Der Eroberer aus Schwaben

Während andere noch am Kopieren des ersten CLS sind, bringt Mercedes bereits die zweite Generation seines viertürigen Coupés an den Start: markanter und maskuliner, sicherer und sparsamer und erstmals mit einem Vierzylinder.

Von Michael Specht

  Sportlicher und maskuliner setzt der neue CLS zum Sprung an

Sportlicher und maskuliner setzt der neue CLS zum Sprung an

  • Michael Specht

Das Rezept, mit dem Mercedes die Konkurrenz mit der nächsten CLS-Generation erneut abhängen will, passt gar nicht in das Vorurteil von der gesetzten Schwabenmarke. Der neue CLS ist mutiger als die Flotte der Verfolger.

Der erste Mercedes CLS hat einige Nachahmer in der Branche hervorgebracht, die alle das viertürige Coupé als einträgliche Nische für sich entdeckt haben. Neben dem Passat CC von VW kommt Audi mit A7 und A5 Sportback, Porsche mit dem Panamera, bei BMW entwickelt man derzeit das Gran Coupé. Als Mercedes 2003 auf der IAA in Frankfurt die "Vision CLS" der Öffentlichkeit präsentierte, waren Fachwelt wie Publikum aus dem Häuschen. Solch einen extrovertierten Wagen hatte den Stuttgarter Autobauern keiner zugetraut. Gedrungen in der Silhouette, niedrige Seitenscheiben, coupéhafte Anmutung - und trotzdem vier Türen. Ein Designer-Stück. Schon wenige Monate später, im März 2004, stand die Serienversion des CLS beim Händler.

Ohne Jaguar keinen CLS

Mit dem wahren Grund für den ersten CLS hielt Mercedes sich offiziell stets zurück. Der heutige Mercedes Design-Direktor Gorden Wagener lüftet jetzt das Geheimnis: "Nachdem der damalige BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle zur Premium Automotive Group PAG ging, zu der auch Jaguar gehörte, erhielten wir Hinweise über den Bau einer sehr sportlich gestylte Jaguar-Limousine. Dem wollten wir natürlich etwas entgegensetzen." Dennoch blieb Kritik am CLS nicht aus. Viel zu modisch, hieß es, das sei kein Mercedes mehr, und nach zwei Jahren wird dieses Auto sowieso keiner mehr leiden mögen. Weit gefehlt. Der Erfolg gibt den CLS-Strategen Recht. Bis heute wurden weltweit rund 170.000 Stück abgesetzt. "Dreißig Prozent der Kunden kamen von anderen Marken", sagt Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Viele von ihnen haben sich mit dem CLS erstmals überhaupt einen Mercedes gekauft.

  Atemberaubende Heckleuchten zieren den CLS

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Auftritt deutlich maskuliner

Eroberungszüge unter den Kunden anderer Marken soll auch der Nachfolger zu Stande bringen, der Ende Januar auf den Markt kommt. Drei Design-Entwürfe im Maßstab 1:1 hatte es 2008 gegeben. "Entschieden haben wir uns für den revolutionärsten", sagt Designchef Wagener, während er mit den Händen den Kühlergrill umrundet. Maskuliner sei er geworden, der CLS. Mit deutlich aufrechterer Front, größerem Stern, dickeren Stegen im Grill und kantigeren Scheinwerfern. Auch die durchgehende Schulterlinie des Vorgängers fehlt dem Neuen. Die Spiegel stehen wie bei Sportwagen üblich jetzt auf der oberen Türblechkante und hinten wichen die gegenläufigen Rücklichter zwei spitz zulaufenden LED-Exemplaren, die nachts wie riesige Katzenaugen leuchten.

  Mercedes Chef Zetsche wäre ein idealer Kunde: Best-Ager, lässig und vermögend

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Der Vierzylinder hat (noch) ein Image-Problem

So sportlich der CLS aussieht, so fährt er sich auch. Auf den kurvenreichen Straßen in der Toskana, ließ sich der Fünfmeter-Brocken erstaunlich agil und leichtfüßig bewegen. Großen Anteil daran hat neben der steifen Karosserie und dem bewährten Fahrwerkskonzept der E-Klasse die komplett neu entwickelte Lenkung. Zum ersten Mal kommt im Hause Mercedes eine elektromechanische Version zum Einsatz, die zudem sehr direkt und knackig ausgelegt ist. Dazu passt bestens der Dreiliter-Diesel (CLS 350 CDI), dessen 265 PS und 650 Newtonmeter Drehmoment die immerhin 1,8 Tonnen des CLS überhaupt nicht zu interessieren scheint. Ein leichter Tritt aufs Gaspedal und es presst einen nachhaltig in die Sitze.

Den Premium-Sparfüchsen bietet Mercedes erstmals im CLS auch einen Vierzylinder-Diesel an, verspricht einen Durchschnittsverbrauch nach EU-Norm von nur 5,1 Litern. Bei der Probefahrt erwiesen sich die 204 PS in Verbindung mit 500 Newtonmetern als völlig ausreichend. Und auch der unspektakuläre Sound ging noch in Ordnung. Doch könnte es in Sachen Statusdenken Akzeptanzprobleme geben. Wer mehr als 60.000 Euro für ein berauschend schönes Auto ausgibt, möchte sicherlich keinen Vierzylinder unter der Haube haben – Sparen hin, CO2-Reduktion her.

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