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Auf Aufholjagd im Cyberspace

Mercedes stellt auf der Cebit den Verkehrsdienst Live Traffic und das Internet Radio für das Auto vor. Das ist zwar nichts Neues, aber der Beginn einer ganzheitlichen Kundenbindungsstrategie.

Mercedes und das vernetzte Auto. Das war nicht immer eine warmherzige Beziehung. Das teilweise sperrig zu bedienende Command-System spielt, was die Internet-Einbindung angeht, nur im Mittelfeld. Die Konkurrenten aus Ingolstadt und München sind da schon deutlich weiter. Doch dieser Rückstand soll mittelfristig in einen Vorsprung, mindestens aber in einen Gleichstand umgewandelt werden.

Mercedes vernetzt Auto und Kunde: Auf Aufholjagd im Cyberspace
  Erprobung Mercedes S-Klasse 2013 / W 222

Erprobung Mercedes S-Klasse 2013 / W 222

Den Anfang machen unter anderem eine E-Mail-Vorlese-Funktion, ein Hotel-Finder, das Internet-Radio und "Live Traffic" in der S-Klasse, die Mitte des Jahres vorgestellt wird, also möglichst aktuelle Verkehrsmeldungen. Alles Dienste, die der Oberklassen-Kunde - und nicht nur der - schon kennt und als selbstverständlich erachtet. Die Kombination des Kartenmaterials und der Staumeldungen ist interessant. Die Karten stammen von Naviteq, während die Verkehrsmeldungen vom Hauptkonkurrenten TomTom kommen. Mercedes bringt jetzt beide Komponenten zusammen. "Das war alles andere als trivial", sagt der Mercedes-Elektronik-Chefentwickler Peter Häußermann. Weil die Ingenieure aus Stuttgart-Untertürkheim zwar spät, aber alles richtig machen wollen, setzen sie nicht auf google Earth, sondern auf google Maps, dessen Kartenmaterial bei weitem nicht so aufwendig zu laden und handhaben ist.

Doch diese diffizile Zusammenführung zweier Welten ist der erste Schritt der Web-basierten Plattform mit dem Namen "My Mercedes", in dessen Zentrum mittelfristig die Personalisierung des Autos steht. Dann wird jeder Mercedes, der vernetzt ist, auf seinen Fahrer abgestimmt. Also werden die Lieblings-Radio-Sender gespeichert sein, der Sitz eingestellt und die Favoriten des Web-Browser oder die beliebtesten persönlichen Navi-Ziele geladen. Voraussetzung ist eine - möglichst flächendeckende - Vernetzung der Autos und eine eindeutige Identifizierung des Menschen. Da denken die Schwaben an den NFC-Standard (Near Field Communication), der bei Handy-Bezahlsystemen genutzt wird. Dabei ist es letztendlich egal, ob es sich um eine A- oder E-Klasse handelt. Auch der Grad der Ausstattung ist prinzipiell zweitrangig, wichtig ist die Einbindung ins Netz. Dass die Personalisierung bei einem Einstiegs-Radio nicht alle Punkte umfassen kann, wie bei einem Top-Navi-System

Das Smartphone wird eine zentrale Rolle bei der zukünftigen Mercedes-Infotainment-Welt spielen. "Wir werden das Smartphone einbinden und die Rechenpower nutzen", erklärt Peter Häußermann. Außerdem setzen die Schwaben auf eine Community, die Programme für den Mercedes-App-Store schreiben. "Wir sehen das als Chance, die kommenden Generationen, wieder mehr an das Auto zu binden", sagt der Elektronik-Chefentwickler. Die Herausforderung ist, die Programme in das Bedienkonzept mit dem Drehknopf einzubinden. Um mit der immer schneller werdenden Hard- und Software-Entwicklung wenigstens einigermaßen mithalten zu können, werden die Hardware-Komponenten modular entwickelt und alle zwei Jahre im Rahmen einer Jahres-Modellüberarbeitung auf den neuesten Stand gebracht.

Das übergeordnete Ziel ist und bleibt aber eine engere und langfristige Kundenbindung. In den USA wird ab diesem Sommer jeder Kunde, der es wünscht, per E-Mail oder SMS informiert, wenn eine Reparatur von Nöten ist. Bei Bedarf wird dann auch gleich der Terminplan des Mercedes-Fahrers mit dem der Werkstatt abgestimmt und ein Termin festgelegt. Das ist bequem für den Autobesitzer und garantiert dem Mercedes-Händler eine höhere Auslastung und bessere Planungssicherheit.

Langfristig sollen die vernetzten Mercedes-Fahrzeuge in ein ganzheitliches Mobilitätskonzept einfließen, wie Smart es mit Moovel schon umsetzt. Dann das Auto auf Knopfdruck ein Taxi bestellen oder den Fahrer den Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel anzeigen. Doch eines ist für den Daimler Chief-Information-Officer (CIO) Dr. Michael Gorriz auch klar. "Der Kunde wird immer die Ober-Hoheit behalten, er bekommt nichts, was er nicht will.

Press-Inform/pressinform

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