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18. Juni 2008, 08:22 Uhr

Fliegender Teppich ins Morgenland

Kork und Sushi sind nicht unbedingt Dinge, die man mit Mercedes verbindet. Der F 700 zeigt, wie sich die nächste S-Klasse anfühlen könnte - und sich mit Diesotto-Vierzylindermotor und vorausschauenden Stoßdämpfern fahren wird.

Das ist die Daimler-Welt von morgen - zumindest eine Vision davon© Hersteller/Press-inform

Wenn so die Zukunft des Autofahrens aussieht, muss einem nicht bange werden: Zwei Türen schwingen sanft auf, die aktive Federung hebt den Wagen zum bequemen Einstieg leicht an. Man gleitet in den körperbetonten Sessel des Passagierabteils, in dem man seinem Nachbarn schräg gegenüber sitzt. Eine edle, aber gemütliche Landschaft aus Leder und Kork-Zierleisten breitet sich vor den Fahrgästen aus. Eine Konsole trennt die beiden elektrisch verstellbaren Sitze voneinander. Wenn man das mit Kork bezogene Konsolen-Fach öffnet, kommt darunter eine gekühlte Sushi-Bar zum Vorschein. Vor dem zweiten Sitz befindet sich ein großer 3D-Bildschirm. Die Fernbedienung dafür klemmt magnetisch an der Deckenkonsole. Das ist die Daimler-Welt von morgen - zumindest eine Vision davon. Der F 700 mag kontrovers gestylt sein, doch die Technik wird nach und nach Einzug in Serienmodelle halten.

Unter der Haube steckt kein handelsüblicher Benziner oder Diesel, sondern ein Diesotto-Hybridantrieb. Das Aggregat soll, unterstützt von einem Elektromotor, die Vorteile von Diesel und Benziner vereinen. Beim Start und bei Volllast wird das Benzin-Luft-Gemisch wie bei einem normalen Ottomotor per Zündkerze zur Explosion gebracht. Im Teillastbereich bei niedrigen und mittleren Drehzahlen tritt dagegen die Raumzündung in Aktion. Das heißt, das Gemisch aus Kraftstoff und komprimierter Luft entzündet sich wie beim Diesel von selbst. Die Verbrennung ohne Zündkerze ist zum einen sparsamer. Zum anderen entstehen bei der Raumzündverbrennung kaum noch Stickoxide. Beim Start und bei Volllast müssen wie bei einem normalen Benziner die Zündkerzen nachhelfen.

Spielwiese für Sound-Designer

In einer S-Klasse konnte man den Diesotto bereits Probe fahren. Aus 1,8 Litern Hubraum holt der Reihenvierzylinder mit Turboaufladung 238 PS, dazu kommen die 20 PS des Hybridmoduls. Es handelt sich um einen "Mild Hybrid" - der Elektromotor unterstützt den Benziner, rein elektrisch fahren kann der Wagen nicht. Der kleine Vierzylinder zieht kraftvoll an, aber man vermisst bei einer S-Klasse natürlich das satte Motorengeräusch des Achtzylinders. Hier dürfte sich eine Spielwiese für Sound-Designer auftun. Die Siebengang-Automatik schaltet zum Teil etwas träge. "Da sind wir noch beim Feintuning", sagt ein Daimler-Entwickler. Der Diesotto soll den Wagen in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 Km/h beschleunigen und im Schnitt nur 5,3 Liter Benzin verbrauchen. Bei 200 Km/h wird im F 700 elektronisch abgeregelt. Der Motor würde schon jetzt die voraussichtlich ab 2014 geltende Abgasnorm EU 6 erfüllen, sagt Mercedes.

An Bord des F 700 ist auch das "Prescan-Fahrwerk". In den Scheinwerfern befinden sich zwei Laserscanner. "Die unsichtbaren Strahlen werden über ein Spiegelsystem aufgefächert und tasten in einem Bereich zwischen 1 und 7 Meter vor dem Auto ständig die Fahrbahn ab", erklärt Entwickler Ralph Streiter. Ein Computer misst die Zeit, die der Laser dafür braucht, und errechnet so ein millimetergenaues Bodenprofil der Fahrbahn. Mit den Daten wird das elektrohydraulische Fahrwerk "Active Body Control" gefüttert, das es bereits in der aktuellen S-Klasse gibt. Die elektronische Regelung verstellt die Dämpfer, um schon vor einer Bodenwelle den maximalen Federungskomfort bereitzustellen.

Sanftes Dahingleiten dank Pre-Scan

Erfahren konnte man das System bislang in einem S-Klasse-Versuchsfahrzeug auf einem kleinen Testparcours. Dort immerhin ist das Ergebnis beeindruckend: Mit etwa 20 Km/h rollt der Wagen auf zwei kleine Metallrampen zu. Ohne Pre-Scan fährt der Wagen zwar nicht unkomfortabel, aber mit einem spürbaren Rumpler über die Rampe. Mit aktiviertem Pre-Scan rollt der Wagen deutlich sanfter über das Hindernis, als würde ein Luftkissenboot darüber hinweg gleiten. Im Daimler-internen Sprachgebrauch wird das System "der fliegende Teppich" genannt. Der Teppich bestand bei einer Demonstration sogar den Weinglas-Test: Das Glas steht auf dem Dach der weinroten S-Klasse, und bei langsamer Fahrt über die Rampe schwappt nichts über.

"Pre-Scan arbeitet bis etwa 150 Km/h und bringt selbst bei winzigen Unebenheiten einen besseren Fahrkomfort", so Daimler-Entwickler Ralph Streiter. Ob das auch für eine normale Straße oder eine Schotterpiste zutrifft, lässt sich freilich noch nicht beurteilen. Wann Pre-Scan serienreif ist, ist auch unklar. Ein paar Hindernisse gilt es noch zu überwinden. Bei Regen und Pfützen etwa habe das Laser-System Probleme, gibt ein Entwickler zu.

Während die Daimler-Forscher die einzelnen Komponenten in verschiedenen Fahrzeugen eifrig testen, wird der F 700, der alle Systeme an Bord hat, wie ein rohes Ei behandelt. Denn für schnelle Kurven ist die schicke Zukunftsvision nicht gedacht - sogar die Felgen sind gefräste Einzelstücke und erlauben kein hohes Tempo.

Sebastian Viehmann, press-inform
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Eisenbaer (20.06.2008, 18:17 Uhr)
F 700?
Hieß so nicht früher mal ein Ford Transit und ist das heute nicht die Bezeichnung für so einen riesigen US-Ford Pickup?

Nun, wenn das die Zukunft von Daimler-Benz ist, dann fahre ich doch lieber wieder einen 7´er BMW und hoffe, dass dort die Designer etwas mehr Bodenhaftung bewahren. Bei den Motorkonzepten brauchen sie es ja nicht mehr zu beweisen...
stern-schauer (18.06.2008, 21:16 Uhr)
konzept?
nun sollte ich auch mal was kommentieren. es ist ja toll, dass die autoindustrie arbeitet, aber das geschieht sehr sporadisch, sehr zeitintensiv. das fahrzeug/konzept selbst? naja, es ist ein versuchsträger. das design ist meiner ansicht nach sehr unausgewogen und! es ist ein klassisches auto. nichts davon ist neu. das ist kein konzept, sondern höchstens eine evolutionsstufe. dass disotto-prinzip? ein kurzer weg zur brennstoffzelle, aber da arbeitet ja mb auch dran. schaun ma mal, in welche richtung sich das automobil entwickelt. fakt ist, dass die großen konzepte noch kommen werden und sehr drastisch in die form eingreifen....
peterpan1001 (18.06.2008, 20:32 Uhr)
ein traumschiff
ein echtes traumschiff, diese karre, echt cool, würde ich grne fahren - aber ob wir das noch erleben dürfen. bis die karre fertig ist, kostet der sprit 5 euro, und wie in den 20er jahren können dann nur milliardäre solche autos fahren.
als echte innovation erwarte ich ein auto, das fliegen kann, mit wasser fährt und einen joystick zur steuerung hat. dann können wir weiterreden, vorher nicht.
tricky_dude (18.06.2008, 14:15 Uhr)
S-Klasse
was interessiert die S-Klasse? Ist ja nicht gerade das Standardfahrzeug der Berufspendler.
Der Verbracuhswert ist auch nichts besonderes. Es gibt etliche Mittelklassewagen die das bereits schaffen.
@Miksz: Klar kommt er aus der Steckdose. :-) Kommt jetzt wieder die Autolobby-Lüge das mit dem Elektroantrieb das Problem nur verlagert würde?
Miksz (18.06.2008, 13:18 Uhr)
@ endbenutzer & ganzbaf
tja, was wäre denn eine Alternative zum Verbrennungsmotor ??? Elektroantrieb, nach der Devise bei uns kommt der Strom aus der Steckdose ??? Im übrigen hat der Wagen einen Hybridantrieb und für eine S-Klasse sind 5-6l Verbrauch noch nie dagewesen. Ihr hättet in grauer Vorzeit wahrscheinlich auch gleich das Auto erfunden und nicht erst das Rad...
ganzbaf (18.06.2008, 09:32 Uhr)
Was für ein Protz-Barock-Brocken...

Und natürlich wieder ohne Elektroantrieb.
Wie unlöblich... ;-P
endbenutzer (18.06.2008, 08:54 Uhr)
Und wieder einmal...
...wird jede Menge Geld in ein völlig veraltetes Motorenkonzept gepumpt. Liebe Ingenieure: Wann lasst ihr Euch endlich mal eine echte Alternative zum Verbrennungsmotor einfallen? Schon gemerkt? Öl ist bald alle!!
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