In den letzten Jahren hat der große Mercedes eine beachtliche Wandlung vollzogen. Aus einem unförmigen Schlachtschiff hat sich eine sportliche Luxus-Limousine entwickelt. Wir waren mit dem Sternenkreuzer unterwegs.

Steilerer Kühlergrill und große Klarglas-Scheinwerfer - das Facelift der S-Klasse offenbart sich nur geübten Augen
In den letzten Jahren hat der große Mercedes eine beachtliche Wandlung vollzogen. Aus einem unförmigen Schlachtschiff für Manager mit gestörtem Geltungsbewusstsein hat sich eine sportlich anmutende Luxus-Limousine entwickelt. Anfang des Jahres bekam die S-Klasse einen dezentes Facelift verpasst. Wir waren mit dem überarbeiteten Sternenkreuzer unterwegs.
Die Luft wird dünner, in der Belle-Etage des Automobilbaus. Musste sich die S-Klasse im Kampf um gut betuchte Kundschaft bislang nur gegen den 7er von BMW und Audis A8 durchsetzen, buhlt inzwischen auch ein VW Phaeton um Gunst und Euro der Kundschaft. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft - das weiß man auch in Stuttgart. Vor allem, da die Angebote der Konkurrenz deutlich frischer wirken, als die eigene "Ware". Folgerichtig gleitet die S-Klasse überarbeitet ins Verkaufsjahr 2003. Modellpflege, nennt sich das im Vokabular der Autobauer. Viel Pflegbares haben die Mercedes-Entwickler allerdings nicht gefunden.
Ein größerer Kühlergrill, neue Klarglas-Scheinwerfer, umgestaltete Außenspiegel und, ganz wichtig, ein "verschmutzungsfreier Griff für den Kofferraumdeckel". Kein Witz... Und weil wir grade bei sinnlosem Zubehör sind - seit diesem Jahr gibt es für die S-Klasse auch ein beheizbares Lenkrad...
Am optischen Auftritt des großen Mercedes hat sich folgerichtig kaum etwas verändert. Durch den steiler stehenden Kühlergrill wirkt die S-Klasse jetzt markanter, für ein Fahrzeug dieser Preisklasse aber immer noch übertrieben dynamisch. Über Geschmack lässt sich immer streiten; dennoch kann auch die geliftete S-Klasse mit der zeitlosen Linienführung eines A8 oder der Extravaganz eines 7er BMWs kaum mithalten.

Unscheinbar - das Heck der S-Klasse ist kein Hingucker
Was bleibt, ist der Eindruck schierer Größe. Die sorgt auf der einen Seite für einen gewissen Respekt in den Reihen notorischen Linksfahrer - auf der anderen Seite aber auch für echte Parkplatz-Nöte. Der gemeine Innenstadt-Parkplatz ist mit 5,04 Metern Auto einfach überfordert. Vom Fahrer ganz zu schweigen. Die Flucht ins Parkhaus sorgt da nicht für Entlastung. Zwar bleibt man nirgends "stecken", dafür meldet sich an jeder Ecke fiepend das Parkdistanz-System. Glücklich, wer in dieser Situation die Gattin an seiner Seite hat. Frauenparkplätze sind ideal für S-Klassen-Anfänger.
Bei einer Gesamtlänge von über fünf Metern bleibt viel Platz für Passagiere. Zwar geht viel Raum für Technik und Geräuschdämmung drauf - eng wird es auf den Vordersitzen aber zu keiner Zeit. Der Weg dorthin führt durch üppig dimensionierte Türen, die trotz ihrer Größe problemlos zu bewegen sind. Geht beim Schließen dennoch etwas schief, zieht ein kleiner Elektromotor die Tür sanft ins Schloss. Besser bekommt das auch ein Chauffeur nicht hin.
"Haben Sie bemerkt, dass Sie das Fahrzeug gar nicht aufschließen mussten!", fragte ein Mercedes-Mitarbeiter bei der Übergabe eindeutig zweideutig. "Liegt vielleicht daran, dass man die Autos auf dem Werksgelände nicht abzuschließen braucht!? Immerhin sind wir hier in Baden-Württemberg. Ordnung und Sauberkeit, Sie wissen schon...", lautete die genervte Antwort. Selbstverteidigung - plumpe Frage, plumpe Antwort. Sollte man meinen. Dabei war der Hinweis wirklich nicht schlecht. Unser Testwagen war natürlich abgeschlossen - und trotzdem problemlos zu öffnen. Ein Komfort, der schlappe 1.183 Euro kostet. "Keyless Go" nennt Mercedes den Super-Schlüssel. Einfach den Türgriff berühren, schon entriegelt die Zentralverriegelung. Der Schlüssel bleibt dabei in der Tasche.
Da kann er dann auch im weiteren Verlauf der S-Klasse-Tour bleiben. Automatik-Wählhebel auf "P", Fuß auf die Bremse und den Start-Knopf auf dem Wählhebel drücken. Schon erwacht der Motor zum Leben. Das Zündschloss behält seine Jungfräulichkeit. Wahnsinn.
| Mercedes S320 CDI | |
|---|---|
| Motor | Sechszylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung |
| Hubraum | 3.222 cm³ |
| Leistung | 204 PS / 150 kW |
| Max. Drehmom. | 500 Newtonmeter |
| Länge/ Breite/ Höhe | 5.043/ 1.855/ 1.444 Millimeter |
| Bremsen | Scheibenbr.; ABS, Bremsassist., ESP serienmäßig |
| 0-100 km/h | 8,2 Sekunden |
| Höchstgeschw. | 235 km/h |
| Durchschnittsverbr. | 7,7 Liter (Werksangabe) |
| Grundpreis | 60.320 Euro |