Spielzeug für Großstadt-Indianer

18. April 2003, 17:33 Uhr

Der Nissan X-Trail Sport 2.2 Di gibt sich trendy. Skater, Surfer und Mountainbiker sollen sich angesprochen fühlen. Frei nach dem Motto "alles glänzend, alles frisch" vermeidet das Design konsequent den für Off-Roader oft typischen rustikalen Landhaus-Stil.

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Der Nissan X-Trail Sport 2.2 Di gibt sich trendy. Skater, Surfer und Mountainbiker sollen sich angesprochen fühlen. Frei nach dem Motto "alles glänzend, alles frisch" vermeidet das Design konsequent den für Off-Roader oft typischen rustikalen Landhaus-Stil. Der Allrad-SUV (Sports Utility Vehicle) setzt eigene Akzente.

Jeden Tag ist Showtime

Kantig steht er da. Breit modellierte Kotflügel und eine auffällige Schulterlinie, die sich mit dynamischem Schwung im hinteren Dachpfosten verliert, prägen die Seitenansicht. Vorne: grob gefächerter Kühlergrill, mächtige Scheinwerfer und ein wuchtiger Stoßfänger. Auf dem Dach - hinter der serienmäßigen Reling versteckt - ein Spoiler. Die Karosserie des X-Trail strahlt Kraft und Dynamik aus. Beim Blick in den Innenraum stechen die zweifarbigen Sitzbezüge im Noppendesign ins Auge. Die Polster erweisen sich im Alltag als erfreulich schmutzunempfindlich, an heißen Tagen lässt der glänzende Stoff jedoch zu wenig Luft an den Körper.

Durchdacht im Detail

Spiegelnder Glanz prägt auch die Mittelkonsole und das Ladeabteil (410 - 1.841 Liter). Zum Glück spendierten die Japaner dem X-Trail ein Gepäcknetz - der glatte Kofferraumboden wird nämlich schon bei kleinsten Karosseriebewegungen zum Teilchenbeschleuniger. Das hat aber auch seinen Vorteil: Schmutz hat keine Chance, sich dauerhaft festzusetzen. Und weil die Zielgruppe gerne langes Sportgerät transportiert, passt durch die Ladeluke in der Lehne der geteilt umklappbaren Rückbank sogar ein Snowboard. Gegen den Durst nach sportlichem Einsatz helfen frisch gekühlte Getränkedosen - nicht im Lieferumfang enthalten - die in zwei Fächern über den Lüftungsdüsen Platz finden und dort über die Klimaanlage temperiert werden.

Ruhiger Alltag

Wie bei neuen Nissan-Modellen inzwischen üblich, sind die Instrumente zentral und leicht zum Fahrer abgewinkelt auf dem Armaturenträger platziert. Hinter dem Lenkrad findet sich stattdessen unter einer Abdeckung ein stattliches Staufach. Der ständige Blick zur Mitte ist Gewöhnungssache. In jedem Fall erleichtert er besorgten Beifahrern die Geschwindigkeitskontrolle. Beim X-Trail 2.2 Di dürfte das eher selten notwendig sein, denn der Turbodiesel-Direkteinspritzer (114 PS/ 84 kW) beschleunigt den 1,5-Tonner auf maximal 165 km/h. Beim Sprint von null auf 100 km/h vergehen 13,7 Sekunden. Damit ließe sich im Alltag gut leben, wenn nur die Anfahrschwäche nicht wäre. Gaspedalbefehle werden unter 2.000 Umdrehungen erst nach einer Gedenksekunde in Beschleunigung umgesetzt - Turboloch lässt grüßen. Der Testverbrauch schwankte - je nach Einsatz - zwischen sechs und neun Litern.

Angenehme Laufruhe

Auf langen Autobahnetappen überzeugt der Vierzylinder mit angenehmer Laufruhe und starkem Antritt beim Zwischenspurt. Geräusch senkend erweist sich dabei das Sechsgang-Schaltgetriebe, das sich beim Gangwechsel aber knochig gibt. Das stört besonders, da der X-Trail ansonsten mit Alu-Pedalerie, Lederschaltknauf- und Lenkrad den Sportskerl mimt. Auch das Fahrwerk ist mehr auf Komfort als auf Kurvenjagd ausgelegt. Bei hoher Geschwindigkeit schiebt der X-Trail unbeirrbar über die Vorderräder, daran ändert auch der wahlweise automatisch aktivierbare Allradantrieb nichts. Lange Bodenwellen schluckt das Fahrwerk geschmeidig, nur kurze Stöße versetzen die Karosserie in unangenehme Vertikalbewegungen - empfindliche Naturen klagen über Seekrankheit. Abseits befestigter Pfade ist diese Dämpfung durchaus angenehm, filtert sie dort doch die gröbsten Unebenheiten heraus. Was übrig bleibt schlucken die weichen Vordersitze. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern besitzt der X-Trail ein Reduktionsgetriebe für Ausflüge in anspruchsvolleres Gelände. Unter der schicken Schale steckt also doch ein ganzer Kerl.

Im Großstadtdschungel zuhause

Im Stadtverkehr erweist sich der X-Trail als Parkplatzkünstler. Das liegt weniger an dem Wendekreis von elf Metern als vielmehr am perfekten Rundum-Blick aus der kantigen und großzügig verglasten Karosserie. Zum sicheren Fahrgefühl tragen auch die stark zupackenden und fein dosierbaren Bremsen bei. Für Notfälle ist sogar ein Bremsassistent an Bord, der Gefahrensituationen automatisch erkennt und den Anhalteweg um wertvolle Meter verkürzt, indem er sofort den maximalen Bremsdruck aufbaut. Wenn alles nicht mehr hilft, schützen Front- und Kopfairbags vorne, Gurtstraffer, der Seitenaufprallschutz und Isofix-Kindersitzbefestigungen auf den hinteren Plätzen. Für Komfort sorgen serienmäßig eine Klima-Automatik, ein Audiosystem mit CD-Wechsler und Fernbedienung am Lenkrad, Zentralverriegelung, Sitzheizung sowie elektrische Fensterheber- und Außenspiegel. Aluminiumfelgen und 215er Breitreifen runden das Ausstattungspaket ab.

Fazit

Nissan verlangt für den X-Trail Sport 2.2 Di exakt 27.990 Euro - angesichts der umfangreichen Serienausstattung ein fairer Preis. Ein wenig schade nur, dass der SUV nicht die Fahrdynamik an den Tag legt, die der Modellbezeichnung und dem sportlichen Auftritt angemessen wäre.

Nissan X-Trail 2.2 Di
Motor Vierzylinder Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum 2.184 cm³
Leistung 114 PS / 84 kW
Max. Drehmoment 270 Newtonmeter
Länge/ Breite/ Höhe 4.510/ 1.765/ 1.675
Leergewicht 2.050 Kilogramm
0-100 km/h 13,7 Sekunden
Höchstgeschw. 165 km/h
Grundpreis 27.990 Euro
Holger Schilp, planbar
 
 
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