Zwischen Coke und Corvette

14. Dezember 2007, 06:38 Uhr

Ein scharfes Coupé - schnell, sportlich und bezahlbar. Hört sich an, wie die Quadratur des Kreises. Opel bemüht sich mit dem Spaßmacher GT um ein sportliches Image. Wie vor knapp 40 Jahren schon einmal.

Die stark taillierte Flunder steht wie kein anderes Auto dafür, dass auch rassige Sportwagen bezahlbar sein können©

Vierzig Jahre zurück: Die Amerikaner hatten ihre Corvette - den gleichermaßen bulligen wie eleganten Sportwagen. Und den Ford Mustang. Die Deutschen hatten es da nicht so mit echten Sportskanonen - abgesehen vom Porsche 911/912. Dann stellte der Opel GT die etablierte Mittelklasse auf den Kopf.

Die stark taillierte Flunder steht wie kein anderes Auto dafür, dass auch rassige Sportwagen bezahlbar sein können. Es musste auf einmal kein Porsche mehr sein, der den Kindern an der Straßenecke das Funkeln in die Augen zauberte. Der flotte Blitz war Zeichen einer neuen Generation von Autos. Wem ein Kadett zu spießig und ein Ascona zu peinlich war, der verliebte sich in das gnadenlos begehrenswerte Design des Opel GT. "Nur fliegen", versprach die Opel-Werbung, "ist schöner."

Was Opel in der zweiten Hälfte der 60er Jahre über Nacht gelang, ist im dritten Jahrtausend nicht mehr ganz so einfach. Die Ähnlichkeiten von Opel GT gestern und heute scheinen offensichtlich - und doch wieder an den Haaren herbeigezogen. Zwei Sitze, puristisches Interieur, Heckantrieb und ein exzellentes Leistungsgewicht zeigen die Gemeinsamkeiten. Doch so sehr es sich die Rüsselsheimer Autobauer auch wünschen: Der Imagetransfer zwischen gestern und heute ist trotz andauernder Retro-Wellen kein Selbstläufer.

So sportlich, so scharf - und dann noch aus dem Hause der schnöden Marke Opel©

Gestern und heute

Der aktuelle Opel GT ist ein Spaßroadster mit viel Dampf unter der Haube. Und mit einigen Macken. Zwar 264 PS doch nicht einmal 230 km/h Höchstgeschwindigkeit ist für eine Sportskanone ein müder Wert. Ganz nebenbei: Der neue GT ist ein Roadster. Das etwas umständlich zu verstauende Stoffdach nimmt ihm nahezu den kompletten Kofferraum.

Das ist eine weitere Gemeinsamkeit zwischen gestern und heute: Denn der alte GT, Jahrgang 1968 hatte gar keinen. Prall und selbstbewusst strahlte auf dem nur vermeintlichen Heckdeckel lediglich ein Tankverschluss - natürlich aus Chrom. Kofferraumklappe? Fehlanzeige.

Und doch - oder gerade deshalb - war der alte GT der Traum einer ganzen Generation. Die weiblichen Formen, der sportliche Auftritt und die Klappscheinwerfer hoben ihm vom automobilen Establishment ab und machten ihn nicht nur in der deutschen Automobillandschaft einmalig. Der charismatische Opel war ein Traumwagen für viele und die europäische Antwort auf den amerikanischen Supersportler Corvette, von dessen Designteam er stammte.

Schlanke Taille

So sportlich, so elegant, so scharf - und dann noch aus dem Hause der schnöden Marke Opel: Das hatte man bis dato noch nicht erlebt. Als auf der Internationalen Automobilausstellung 1965 erstmals eine Studie mit der Bezeichnung "Opel GT-Experimental" gezeigt wurde, ahnte kaum jemand, dass der coole Zweisitzer mit der schlanken Taille ein paar Jahre später über deutsche Autobahnen und amerikanische Highways fliegen würde.

Der nur von 1968 bis 1973 gebaute Opel GT ist bis heute herrlich unvernünftig. Die Wespentaille würde auch dem durchaus schmucken GT der aktuellen Generation gut stehen. Der steht im Vergleich zu seinem Ahnen satt, ja fast schon fett auf der Straße. Ist man in dem ungleichen Paar unterwegs zeigen sich die Unterschiede von 40 Jahren Automobilbau. Und dabei geht es nicht nur um Komfortextras wie Navi, beheizbare Sitze, ESP und Xenonlicht. Da gönnt sich auch der neue GT zahlreiche Lücken.

Kerniger Fahrspaß

Es ist der Fahrspaß, der alt und neu verbindet. Wie sportlich der alte Opel GT auch nach heutigen Maßstäben noch unterwegs ist, merkt man nach ein paar Kilometern. Trotz seines Alters hat unser geborgter orangefarbener Renner nur 8.000 Kilometer auf der Uhr. Die Federung ist straff, die Lenkung schwergängig und direkt. Man müsste lügen, würde man die schwarzen Cordstühle loben. Damals wird man sich darin kaum besser gebettet haben - nur hat man es noch nicht viel besser gekannt.

Der Retro-GT wiegt gerade mal 950 Kilogramm. Entsprechend sportlich und knackig ist sein Fahrverhalten. Sexy Blechkleid, gute Gewichtsverteilung, Motor vorn und Antrieb hinten - das hatte es lange Jahre nicht mehr gegeben, bis der neue Opel GT als US-Derivat von Saturn und Pontiac in diesem Sommer über den Atlantik nach Deutschland kam.

Wer alt und neu vergleicht, wird - nicht nur wegen des Oben-ohne-Fahrgefühls - lieber im Retro-GT seine Stunden verbringen wollen. Die Lenkung ist direkt, das Steuer spindeldürr und die Bremsen packen kraftvoll zu. So scharf der GT auch aussieht – unter dem blechernen Designerdress gibt es solide Massentechnik.

Karger Tank

Die Aufmerksamkeit für den Fahrer eines Opel GT ist gestern wie heute gleichermaßen groß. Wer etwas auf sich hielt, kaufte sich Ende der 60er Jahre einen GT 1900. 66 kW/90 PS stark und Dank seines Leergewichts knapp 190 km/h schnell, kannte der Fahrspaß in dem Hecktriebler kaum ernsthafte Grenzen. Allein die vier weit gefächerten Gänge sind der Grund dafür, dass der Spurt 0 auf 100 km/h in 11,5 Sekunden alles andere als atemberaubend von statten geht.

Der karge 50-Liter-Tank zeigte dem GT-Fahrer damals wie heute schnell seine Grenzen auf. Als Hochdruck-Einspritzung, variable Ventilverstellung oder ein regeneratives Bremssystem noch einem Science-Fiction-Roman entstammten, jagte man gut und gerne 12 bis 14 Liter Super auf 100 Kilometer durch den Vergaser. Dass der edle Kraftstoff seinerzeit nur ein paar Groschen kostete, machte das ganze erträglicher. Immer wieder ein Hingucker ist das Ausfahren der Klappscheinwerfer, die über einen großen Hebel am Mitteltunnel nach oben gedreht werden.

Zwei Sitze, puristisches Interieur und ein exzellentes Leistungsgewicht©

Elektro-Antrieb

Bastler haben in den vergangenen 30 Jahren ihre GT mit moderneren Opel-Motoren und Leistungen von weit über 200 PS aufgebohrt. Puristen belassen es jedoch bei den mehr als ausreichenden 90 Pferdchen und 152 Nm Drehmoment.

Für Sparfüchse gab es bereits Ende der 60er Jahre einem müden GT 1100 mit kargen 60 PS und wenig Fahrspaß. Das Sparbrötchen wurde im Jahre 1970 vom ebenfalls 90 PS starken GT-J ersetzt. Der war mit seiner Junior-Ausstattung ebenfalls deutlich günstiger als der normale GT, bot aber Dank 90 PS denselben Fahrspaß.

Im Jahre 1971 ging eine ungewöhnliche Version des Opel GT auf Rekordfahrt. Von einem Elektromotor angetrieben schaffte er 188 km/h, musste seine geplante 100-km-Rekordfahrt jedoch nach 44 Kilometern abbrechen – die Akkus waren leer. Mehr als 30 Jahre nach dem Opel GT-E kommt Elektromodulen gerade im Hause GM wieder in Mode.

Jähes Ende

Die Erfolgsgeschichte des Opel GT endete jäh im Jahre 1973. Trotz anhaltend guter Verkaufszahlen in Deutschland und besonders in den USA wurde die Produktion eingestellt. Der Grund: Kursschwankungen und deutlich verschärfte Sicherheitsvorschriften in den USA.

Weshalb Opel nie wieder einen ähnlichen Sportwagen oder einen Nachfolger kreiert hat, ist bis heute ungeklärt. Auch mit der Auferstehung des GT bringt Opel keinen neuen Sportwagen für das breite Volk. Dabei ist der aktuelle Opel GT mit rund 30.000 Euro umgerechnet auch nicht teuerer als der Opel GT damals - der kostete rund 10.000 Mark. Wer nach wie vor von einem echten Opel GT träumt: Auf dem Gebrauchtwagenmarkt zahlt man für unverbastelte Modelle zwischen 5.000 und 12.000 Euro.

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