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Der erste Diesel mit Hybrid

Peugeot baut den Hybridantrieb anders als die japanische Konkurrenz: Die Franzosen bevorzugen den Diesel, der in Japan als Stinker verpönt ist. stern.de fuhr einen Prototypen des Peugeot 3008 HY, der 2011 auf den Markt kommen soll.

Von Frank Janßen

Eigentlich wollte Peugeot einen Hybrid in der Golf-Klasse bauen. Und dessen Entwicklung war schon ziemlich weit. Der kompakte 308 Hybrid hätte 2010 in Serie gehen können. Doch dann entschied man sich zu einem radikalen Umbau des Hybridantriebs. Statt beide Motoren - Diesel und Elektromotor - als Einheit unter der vorderen Haube unterzubringen, wurden die Komponenten beim aktuellen Konzept, das auf dem größeren Crossover 3008 basiert, getrennt: Diesel nach vorne, Elektromotor an die Hinterachse. Beide sind mechanisch nicht miteinander verbunden. Damit fällt auch die elektronisch gesteuerte Kupplung zwischen beiden Motoren weg, deren Arbeit sehr schwer zu regeln ist - irgendwie hat die die Kiste immer geruckelt. Sanftes Fahren konnten die Japaner bisher eindeutig besser.

Doch nun ist Chefentwickler Vincent Basso offenbar überzeugt, mit dem System im 3008 HY so etwas wie den Stein der Weisen gefunden zu haben. Die Kritik, ein Diesel-Hybrid sei nochmals teurer als die ohnehin schon kostspielige Entwicklung eines Benzin-Hybriden nach japanischem Muster, weist er von sich. Was die Kosten vielmehr im Rahmen halte, so Basso, sei zum Beispiel ein relativ kleiner Elektromotor mit nur 30 Kilowatt Leistung. Die 50 Kilogramm schwere Batterie ist außerdem ein konventioneller, aber ausgereifter Nickelmetallhydrid-Speicher und kein teurer Lithium-Ionen-Akku. So macht Toyota es übrigens auch.

Die Vorteile von Diesel und Elektromotor, so Basso, würden sich beim 3008 HY gewissermaßen addieren: "In der Stadt ist der Hybrid besser", sagt er. Denn dort wird viel angefahren und abgebremst. "Auf Autobahnen und Landstraßen ist der Diesel besser", so Basso. Der Elektromotor arbeite ohnehin nur bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Darüber übernimmt der Diesel den Job allein. Unterhalb von 60 km/h kann der 3008 HY auch rein im Elektrobetrieb fahren - sofern genug Saft da ist, denn der Stromspeicher reicht ohne Rückgewinnung durchs Bremsen für maximal drei bis fünf Kilometer.

Das rein elektrische Fahren des Peugeot ist, wie auch beim neuen Toyota Prius, beeindruckend, weil ungewohnt, nahezu lautlos und dennoch kraftvoll. Das Gefühl, dabei nur Energie zu verbrauchen, die sonst verpufft wäre, hilft dem grünen Gewissen. Schaltrucke treten beim französischen Hybrid-Prototyp allerdings immer noch auf, denn die Kraftübertragung an der Vorderachse erfolgt ziemlich konventionell über ein automatisiertes Sechsganggetriebe. Der Hybrid-Pionier von Toyota rollt stufenlos und damit ruckfrei. Vom Verbrauch her sind beide Fahrzeuge wegen der unterschiedlich teuren Spritsorten schwer zu vergleichen. Der Toyota nimmt sich im Schnitt 3,9 Liter Superbenzin. Das sind 89 Gramm CO2 pro Kilometer. Peugeot peilt einen CO2-Ausstoß von etwa 100 Gramm an. Damit stünde beim Verbrauch des Diesels eine Vier vorm Komma.

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