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Der Löwe brüllt

Rooaar - Ein Schlund wie ein Raubtier, mit aufgerissenem Maul taucht der neue Peugeot 407 im Rückspiegel auf. Mit einer gehörigen Portion Sportlichkeit mischt der Franzose die Mittelklasse auf.

Rooaar - Ein Schlund wie ein Raubtier, mit aufgerissenem Maul taucht der neue Peugeot 407 im Rückspiegel auf. Geht es nach dem Willen seiner Schöpfer wird der 407 nicht lange am Heck anderer Fahrzeuge kleben, sondern zum rasanten Überholmanöver in der Mittelklasse ansetzen. In diesem Marktsegment, dem der Ruf gepflegter Langeweile anhängt, soll der Franzose mit einer gehörigen Portion Sportlichkeit in Fahrwerk und Design Anteile erobern.

Kann der junge Löwe seine Position erobern?

Raubkatzen-Optik

Hinter A4, Mondeo, Vectra und Co. anstellen wird sich der junge Loewe nicht. Sein Design sorgt für eins: Nicht übersehen werden. Aufmerksamkeitsfaktor Nummer 1 ist der Lufteinlass. Wie ein Riesenmanta inhaliert der 407 den Staub über dem Asphalt und erinnert mit seinem Haifischmaul wenig dezent an die Frontpartie italienischer Edelrenner. Näheres Hinsehen bringt dann an den Tag: Soviel Frischluft wie Öffnung hat der Wagen nicht nötig. Die anthrazitfarbene Blende deckt den Großteil des Einlasses kommentarlos mit Kunststoff ab. Aber wer wird da pingelig sein? Eigentlich sollte man dem Furcht einflößenden Rachen sofort ein chrom-verschärftes Carbongitter verpassen, auf dass der Löwe seine Reißzähne im Licht der Straßenlaternen blitzen lassen kann. Über dem Maul streckt sich eine Motorhaube, als wenn das Blech kein Ende nähme. Mit leichten Aufwärtsschwung nimmt das riesige Panoramadach die Kurve auf, um sie elegant der Dachlinie aufzuschultern. Vielleicht nicht die auffälligste, aber einer der schönsten Ecken wartet über der hinteren Achse, dort wo die Dachlinie kraftvoll in den hinteren Kotflügel taucht. Die Silhouette ist mehr als ein Hingucker, der 407 bringt den Flair eines rasanten Sportcoupés in die heimische Garage.

Triebwerks-Flotte

Der Mittelklasse-Peugeot geht mit fünf Motoren an den Start - Vom 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 109 PS bis zum Dreiliter-V6 mit 211 PS reicht das Angebot. Großes Plus: Alle fünf Motoren erfüllen die Euro 4 Norm, auch die beiden HDi-Turbodiesel, die ohne Aufpreis mit Rußpartikelfilter ausgerüstet sind. Bei der Fahrzeugvorstellung wurden die drei leistungsstärksten Triebwerke präsentiert. Mit gutem Grund, die Basismotorisierung in Diesel- oder Benzin wird dem sportlichen Äußeren des Löwen nicht gerecht. Die leistungsstärkeren Benziner erfreuen mit Elastizität und angenehmer Laufruhe. Der Sechszylinder stammt aus einer ganz anderen Leistungskategorie, er mobilisiert souveräne Kraftentfaltung in allen Lebenslagen. Mit der Wahl dieses Motors wird der "Sehr günstig"-Bereich natürlich verlassen, auch was den Verbrauch angeht. In Deutschland wird er das Interesse von Firmenkunden auf sich ziehen. "Best-Buy" für Privat-Fahrer, die ihren Sprit selbst bezahlen müssen, ist der 2.0 Hdi Diesel. Mit dem zupackenden Saubermann ist der 407 bestens motorisiert, was Kraftgefühl und Beschleunigung angeht. Ein Leistungsabfall gegenüber dem leistungsstärkeren und etwas sanfteren Benziner ist für den Fahrer nicht zu spüren. Dem Drehmoment des 2,0 Diesels von 320 Nm, dass sich per Overboost auf 340 Nm pushen lässt, kann der 22 Ps stärkere 2,2 Liter Benziner nur 217 Nm entgegensetzen.

La vie en rose - Im Basispaket

Bei Peugeot kommt es nicht teurer, einen besonderen Geschmack zu kultivieren, beim Preis schneidet der Franzose die Konkurrenten rabiat an. Besonderheit: Bereits die Basisausstattung Esplanade wirkt ausgesprochen opulent. Eine bedenkenswerte Alternative und keinesfalls ein Lockangebot, das erst durch weitere Zutaten wohnlich gemacht werden will. In der Basisversion fehlen lediglich eine Audioanlage (700 Euro plus) und Aluräder (16 Zoll mit Druckkontrolle kommen auf 750 Euro). Klimaanlage, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorne und hinten, selbst Sonnenblenden für die hinteren Seitenfenster: Die ganze Wundertüte gibt es in der Serie ab 20.600 Euro. Hinzu kommt die komplette Sicherheitsausstattung mit insgesamt neun Airbags und ESP. Wer sparen will, braucht dann eigentlich nur noch ein CD-Gerät. Bei den edleren Ausführungen Tendance und Platinum kann der Preis je nach Motorisierung von 23.400 bis 31.900 Euro reichen.

407 Limousine -EsplanadeModellMotorKraftstoffPreis
1151,8l 16 V 85 kWBenzin20.600,00 €
1352,0l 16 V 100 kWBenzin21.800,00 €
HDi FAP 1101.6l HDi FAP 80kWDiesel22.100,00 €
135 Automatik2,0l 16 V Automatik 100 kWBenzin23.100,00 €
HDi FAP 1352.0l HDi FAP 100 kWDiesel23.600,00 €
HDi FAP 135 Automatik2.0l HDi FAP Automatik 100 kWDiesel

Raumverhältnisse

Im Vergleich zu seinem Vorgänger wuchs der 407 in jeder Richtung. 4,68 Meter wurde er lang, acht Zentimeter mehr als der 406. Auch Breite (fünf Zentimeter) und Höhe (drei Zentimeter mehr) nahmen zu. Doch beim Thema "Raum und Fülle" wird die Rechnung für die atemberaubende Optik präsentiert. Kann sich der Kofferraum mit 407 Litern wegen seiner aufgeräumten Gestaltung noch sehen lassen, ist es für die hinteren Passagiere ab einer gewissen Größe schlechter bestellt. Wenig geglückt erscheint die geringe freie Höhe zwischen Vordersitzen und Boden. Goofy-Füße mit schwerem Schuhwerk lassen sich da nicht unterquetschen. Kurzum: Die Mittelklasse-Limousine ist kein Familienwagen, sobald zwei Knaben die Pubertät verlassen haben.

Der SW - Heller fahren

Für solche Kunden rollt ab September der 407 SW. SW bedeutet in der Peugeot-Sprache: Kombiheck mit riesigem Glasdach-Feeling. Der Crossover-Lifestyle-Kombi wird beim Thema Stauraum keine neuen Rekordmarken setzen, doch reizvoller als mit dem Glashimmel wird das Kombi-Thema derzeit von keinem Hersteller interpretiert.

Wohngefühl

Der Innenraum bietet angenehmen und bekannten Peugeot-Standard. Design-Überraschungen wie bei der Karosserie gibt es innen nicht. Die Gestaltung der Mittelkonsole gefällt noch immer, die Instrumente vermitteln Sportlichkeit mit traditionellem Stilempfinden, gut ablesbar sind sie ohnehin. Die Sitze bieten Seitenhalt und Platz für Fahrer und Beifahrer ist reichlich vorhanden. Nur der endlosen Ablage über den Armaturen wünschte man zumindest einen Teil der Aufmerksamkeit, die dem Blechkleid zuteil kam. Was sich da um die Kunstoff-Ebenen windet, wird kaum jemand zu lustvollen Seufzern animieren. Alle innen verbauten Teile strahlen die gewisse Wertigkeit und Solidität aus, die für den Erfolg in der Mittelklasse unabdingbar sind. Kleinere Schwäche an Schaltern oder bei den Anschlüssen des Teppichbodens sind vorhanden, müssen aber gesucht werden

Saus und Braus

Beim Fahrspaß gibt es nichts auszusetzen. Straff abgestimmt, wirkt das Fahrwerk angenehm komfortabel und agil. Durch Kurven schneidet der Wagen wie das Messer durch die Butter, keine Seitenneigung und absolute Spurtreue machen Landstraßen zum Erlebnis. Die Übersichtlichkeit leidet allerdings unter der endlosen Haube und der zurückgesetzten Position des Fahrers.

Zum Schluss

Mit dem 407 ist Peugeot ein spannender Wurf gelungen. Aussehen, Fahrwerk und Motoren überzeugen sportliche Fahrer. Die Kalkulation der Ausstattungspakete kühle Rechner. Interessenten mit etwas mehr Raumbedarf und/oder dem Hang zum Besonderen sollten auf den 407 SW warten, sein Konzept ist bislang einzigartig.

Gernot Kramper

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