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19. August 2008, 01:38 Uhr

Skodas kurzer Frühling

Vor 40 Jahren marschierten sowjetische Truppen in die damalige CSSR ein und ließen dem Prager Frühling einen langen sozialistischen Winter folgen. Auch für Autobauer Skoda stellte das historische Ereignis eine Zäsur dar.

Am 21. August 1968 beendeten Panzer des Warschauer Paktes den Freiheitsbestrebungen der Tschechen ein jähes Ende© Hersteller/PressInform

"Nein", sagt Petr Hrdlicka, "wir waren eher naiv als heldenhaft." Vor 40 Jahren, als in der Nacht zum 21. August 1968 die Panzer der Warschauer Pakt-Staaten in Prag und anderen Städten der Tschechoslowakei einrollten, war er Techniker bei Škoda in Mladá Boleslav, unweit von Prag. Und es ist eher Bedauern denn Verbitterung in seiner Stimme, wenn er über die Folgen für Škoda, sich und seine Mitarbeiter spricht. Das gewaltsame Ende des "Prager Frühlings" bedeutete auch für Škoda in der Folge "zwei Jahrzehnte weitgehenden Stillstands". Und für viele den Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihrer Zukunft.

Wie im ganzen Land, so hatte der "Prager Frühling" auch bei Škoda als einem der größten Arbeitgeber und Industriebetriebe des Landes Hoffnungen geweckt und Kreativität freigesetzt. Wer heute über Autos wie den Trabant oder den Škoda 100 lächelt, der verkennt die Ursachen für die Abkopplung der Autobauer im Osten vom Fortschritt ihrer westlichen Kollegen. So wie in den Schubladen der Trabi-Konstrukteure schon 1966 die Pläne für den Trabant 603 lagen, dessen Design frappierend dem des acht Jahre später vorgestellten VW Golf I glich und der nie über eine geheime Studie hinauskam, so waren 1968 auch bei Škoda in Mladá Boleslav bereits die ersten Prototypen mit zeitgemäßem Frontantrieb und -motor fertig.

All das war Teil eines gesellschaftlichen Prozesses, der schon Jahre vor dem Prager Frühling 1968 begonnen hatte. Das kommunistische Plansystem hatte Stagnation in der Wirtschaft zur Folge, was zu immer mehr kritischen Stimmen führte. Das Regime hatte alle Bereiche des Lebens durchdrungen - von der Schule über die Arbeitsstätten bis hinein ins Private. Unternehmerische Entscheidungen folgten nicht dem Markt sondern dem Willen der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPC) und der Bürokraten, Karrieren hingen allein von der Gnade oder Ungnade der KPC ab.

"Brüderliche Hilfe"

Von Jahr zu Jahr wuchs die Unzufriedenheit und ging längst über die intellektuellen Zirkel der Künstler, Schriftsteller und Journalisten hinaus. Die KPC konnte die Entwicklung trotz aller Restriktionen nur behindern, nicht aber aufhalten. Anfang 1968 gewannen die Reformer im ZK der KPC die Oberhand, Alexander Dubcek wurde Vorsitzender. Anfang 1968 wurde die Zensur abgeschafft, im April folgte ein Programm, das Wirtschaftsreformen, Meinungs- und Informationsfreiheit sowie eine Neuausrichtung der KP in der Gesellschaft anstrebte. In Betrieben wie Škoda sollten demokratische Strukturen entstehen, die nicht mehr an zentrale planwirtschaftliche Vorgaben gebunden waren sondern in denen die Beschäftigten und Vertreter relevanter Interessengruppen die Entscheidungen treffen sollten. Ziel war ein "Sozialismus mit menschlichem Antlitz".

Das Blutbad blieb aus

Den "sozialistischen Bruderstaaten" machten diesem Aufbruch ein jähes Ende: In der Nacht vom 20. auf den 21. August marschierten rund 700.000 Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die CSSR ein und besetzten binnen weniger Stunden alle strategisch wichtigen Punkte im Land. An der Ostgrenze der DDR gingen zwei Divisionen der NVA in Stellung und wurden dem sowjetischen Oberkommando unterstellt - selbst an der Invasion beteiligt waren sie nicht.

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