Eine dreiviertel Milliarde Euro pumpte Audi in die Entwicklung des Top-Modells. In Miami Beach wurde der neuen A8 enthüllt. Der Über-Audi soll die Konkurrenz deklassieren. Von Michael Specht

Die Oberklasse wird wieder boomen, wenn die Krise vorbei ist© Audi
Audi ist eine Macht geworden – die SUV's aus Ingolstadt, der A4 und der A6 müssen sich vor den BMW- und Mercedes-Modellen nicht verstecken. Der A8 müsste das eigentlich auch nicht, nur in der Oberklasse fehlt den Wagen mit den vier Ringen noch der Nimbus. Das soll der neue A8 nun ändern.
"Der A8 steht für alles, was Audi kann." Große Worte für ein großes Auto. Audi-Chef Rupert Stadler ist sichtlich stolz auf sein "Baby", das er gestern im Rahmen der beiden berühmten Messen "Design Miami" und "Art Basel Miami Beach" erstmals der Weltöffentlichkeit präsentierte. Der neue A8 - intern D4 genannt - ist außerdem das erste Audi-Modell, das komplett unter seiner Regie entstand. Die Luxuslimousine, dessen Entwicklung rund eine dreiviertel Milliarde Euro verschlang, soll in der automobilen Oberliga künftig das Maß der Dinge sein. Vorsprung durch Design, durch Effizienz, durch Qualität, durch Technik.
Zu den wirklich verbesserungswürdigen Automobilen gehört Audis Flaggschiff eigentlich nicht. Auch nach sieben Produktionsjahren steht das Aushängeschild der Marke optisch noch immer proper dar. 145 000 Stück verkaufte Audi weltweit von dieser Baureihe, so viel wie nie zuvor. Für Stefan Sielaff war dies auch ein Grund, dem Nachfolger kein radikal anderes Blechkleid zu verpassen. Behutsam verändern hieß seine Devise. Evolution. Keine Kunden verschrecken, keine Experimente. Wie beim Porsche 911. Sielaff, Chef-Designer von Audi und ein Mann, der lieber Dior-Schal als Krawatte trägt, gelang es, den neuen eine Spur eleganter erscheinen zu lassen als den alten, ohne jedoch bei der Sportlichkeit einzubüßen. "Der neue A8 ist sehniger", sagt Sielaff.

Der stolze "Papa": Audi-Chef Rupert Stadler© Audi
Zunächst einmal ist er mit 5,13 Meter sechs Zentimeter länger. In der Breite wuchs die Limousine um vier Zentimeter. Trotz des Größenwachstums konnte Audi mit 1825 Kilogramm das Gewicht halten. Der A8 ist dank seiner Alukarosserie fast 200 Kilo leichter als ein Siebener-BMW mit Allradantrieb. Zur Mercedes S-Klasse beträgt der Unterschied 120, zum Lexus gar 250 Kilogramm. Da die Höhe beim A8 nahezu unverändert blieb, wirkt das Auto gedrungener. Wer trotzdem Schwierigkeiten hat, das Flaggschiff auf Anhieb als Nachfolgemodell auszumachen, braucht ihm nur in die Augen zu schauen. Ein solch hakenförmiges LED-Band als Tagfahrlicht hat kein anderes Mitglied der Audi-Sippe. Nicht wenige Kunden könnten diese Optik allerdings als zu aggressiv empfinden.
Ruhe dagegen kehrt in den Innenraum ein. Hier zeigt Audi erneut, für was die Marke steht und auf was es im Interieur ankommt: klassische Eleganz statt Deko-Firlefanz, hochwertige Materialien, perfekte Verarbeitung, intuitive Bedienung. Wieder wurden Holz, Metall, Leder, Kunststoffe und Farben so geschickt miteinander kombiniert, dass man sich wie in einer edlen Designer-Lounge fühlt. Sofort ins Auge fallen die in die Breite gezogenen Instrumente. Dazwischen hat jetzt ein großes Display Platz. "Wir möchten das Cockpit flacher und leichter erscheinen lassen", so Sielaff. Markant ist auch der riesige, ausfahrbare Monitor über der Mittelkonsole. Bedienen lässt er sich sowohl über den bekannten MMI-Dreh-Drücksteller als auch über ein Touch-Pad unmittelbar vor dem kleinen Automatikhebel. Ähnlich wie bei einem Laptop genügen ein paar zarte Fingerberührungen. Kleines Gimmick: Wer möchte, kann beispielsweise die Navi-Adresse handschriftlich über das Touch-Pad eingeben. Das System erkennt den gemalten Buchstaben.