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2. Juli 2009, 10:25 Uhr

"Volltanken" für drei Euro

Kaum "Sprit"-Kosten und dann 160 Kilometer lautlos durch die City stromern. Renault meint, dieses Szenario wird schon in zwei Jahren Realität sein. Nur beim Bremsen kann einem schnell übel werden. Von Michael Specht

Renault Kangoo be bop Z.E.

Der französische Konzern ist sich sicher, dass er schon in wenigen Jahren zu den grünsten Autoherstellern Europas gehören wird© Hersteller

Renault hielt sich beim Thema E-Mobility lange zurück und startet jetzt mit einem Paukenschlag. Vorher gab es nur ein paar Ankündigungen. Man werde beispielsweise zusammen mit Partner Nissan 2011 mit der Fertigung von Elektroautos beginnen. Der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi soll beim Aufbau einer Infrastruktur helfen.

Nach den Plänen des Visionärs würden zuerst Israel und später weitere Länder mit einem Netz aus Lade- und Batteriewechselstationen überzogen werden. Das E-Auto gibt es geschenkt, der Kunde zahlt nur eine Pauschale sowie für die gefahrenen Kilometer.

Elektroautos in großen Stückzahlen

Schöne heile Welt, leise, emissionsfrei, umweltfreundlich. Renault ist sich sicher, dass sie kommt und dass der französische Konzern schon in wenigen Jahren zu den grünsten Autoherstellern Europas gehören wird. "Wir reden nicht von ein paar Nischenfahrzeugen sondern von einer Serienproduktion im fünfstelligen Bereich", sagt Christine Tissot, die bei Renault den Eintritt in die Elektro-Mobilität koordiniert. Den Start soll ausgerechnet eine biedere Familienlimousine machen, die auf Stromantrieb umgebaut wird, die Stufenheckversion des Renault Mégane. Dass damit auf der Imageseite kein Blumentopf zu gewinnen ist, weiß man auch bei Renault. Denn aufgeschlossene wie kaufkräftige Erstkunden, im Marketingdeutsch "Early Adopters" genannt, wollen mit einem Elektroauto gern auch optisch dokumentieren, wie grün sie denken. Und dafür taugt der Mégane nicht.

2010 kommt ein Renault City-Stromer

Daher sieht Renaults Stromplan vor, 2012 mit einem kleinen City-Car auf den Markt zu kommen, dass vom ersten Zeichenstrich als E-Auto konzipiert und auch beim Design als Avantgarde wahrgenommen wird. "In der Größe wird dieses Modell zwischen Twingo und Modus rangieren", sagt Christine Tissot. Auch eine kompakte, stromgetriebene Schräghecklimousine wird es von Renault geben.

Flottenkunden wie Post oder Kurierdienste will man ab 2011 mit dem elektrischen Kangoo Rapid bedienen. Wie so etwas fährt, zeigt Renault dieser Tage am Beispiel des Kangoo be bop E.V. Den Mini-Kastenwagen treibt ein 60 PS starker Elektromotor mit 190 Newtonmeter Drehmoment an. Seinen Strom bezieht er aus einer 15-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, die, 250 Kilo schwer, im Fahrzeugboden untergebracht wurde. Dadurch bleiben alle vier Sitzlätze und der Kofferraum erhalten. Renault verspricht 100 Kilometer Reichweite, zur Markteinführung sogar 160 Kilometer. Geladen werden kann der Hightech-Akku an jeder normalen Steckdose. Spezielle Power-Stations mit 400 Volt sollen in der Lage sein, innerhalb von 30 Minuten 80 Prozent der Kapazität nachzuladen.

Rekupation kann übel machen

Der Umgang mit dem Elektro-be-bop erfordert ein wenig Gewöhnung. Nach Drehung des Zündschlüssels ertönt nur ein kurzer Piep und im Cockpit erscheint ein grünes Autosymbol. Die Fahrt kann losgehen. Vom Motor ist nichts zu hören. Ein Getriebe gibt es nicht, da E-Motoren ihre höchstes Drehmoment physikalisch bedingt ab der Drehzahl Null liefern. Es reicht also ein Vorwärtsgang (bis 130 km/h limitiert). So kennt der Fahrhebel auf der Mittelkonsole nur die Stellung "N" (Leerlauf), "D" (Fahren) und "R" (Rückwärts). Sanft und leise setzt sich der Kangoo in Bewegung, beschleunigt bei mehr "Gas" zügiger als mancher Benziner oder Diesel. Sein Ballast im Boden ist lediglich in der Lenkung und in Kurven zu spüren, ansonsten fährt er sich wie ein normales Auto - zumindest so lange nicht das Gas weggenommen wird. Dann bremst augenblicklich der E-Motor den Wagen herunter, um möglichst viel Energie in die Batterien zurück zu schicken. Manchem mag diese Art der Verzögerung buchstäblich übel aufstoßen. "Für Familienautos sehen wir ein geringere Rekupation vor", sagt Batterieexperte John Toplosky, "damit dem Nachwuchs hinten nicht schlecht wird."

Von Michael Specht
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
hansi266 (04.07.2009, 18:30 Uhr)
Ach ja.
Man braucht doch nur ins Jahr 1899/1900
zurückzugooglen:Lohner Porsche Radnabenmotoren,ca.50km/h schnell ca.50km Reichweite.Würde mir schon reichen um 5Tage die Woche zur Arbeit und zurück zu kommen und sieht besser aus als die Colaniknödelten Autos von heute.Bei dem Ding konnte man auch eine Menge selbermachen.Wie Toaster auf Rädern die neuen Autos.Ekelhaft.Nur,da muss ich Armin42 recht geben,wird die Kwh bald soviel kosten,das es ökonomisch wenig Sinn macht sich nur der Spritersparnis wegen ein vergleichbares Fahrzeug zu anzuschaffen.Man kann ja jetzt schon sehen wo die Energiepreise hingehen,ohne eine Chance,dieses selber zu beeinflussen.Jetzt sind wir von Ölmultis abhängig,später von Konsorten wie Eon,Rwe usw.
Kotklotz (02.07.2009, 16:32 Uhr)
Technische Probleme
Worüber keiner nachdenkt:
- Was ist eigentlich im Winter? Wie wollt ihr euer E-Auto heizen? Wohl kaum aus der Batterie, dann verkürzt sich die Reichweite auf...5 Km?
- Und im Sommer? Klimaanlage könnt ihr sowas von vergessen, Leute.
- und sonst? Radio, Bordcomputer, der gute, alte Zigarettenanzünder für das Netzteil des Navi...
- alle die keinen Carport/Garage mit Steckdose haben, sondern zur Miete wohnen und auf der Strasse parken werden solange in die Röhre schauen, bis eine flächendeckende Batterie-Tausch-Infrastruktur an den heutigen tankstellen errichetet wurde. Wie lange wirds wohl dauern? >10Jahre bestimmt.
Es gibt noch eine Menge ungelöster Probleme beim E-Auto. Erstmal wäre Hybrid auszubauen, und zwar verpflichtend für alle Neuwagen und mit der Option, das die Wagen in der Stadt zB. auch nur mit dem E-Motor laufen (anders als jetzt also).
Ein Schritt nach dem anderen. Das E-Auto muss sich erst noch entwickeln. In zwei Jahren wird es sowas noch nicht geben. Da sollte vorher am besten auch erstmal das Sahara-Solar-Projekt verwirklicht werden ;-)
Robbespierre (02.07.2009, 16:05 Uhr)
Strom ist ja wohl überhaupt kein Problem
Die Autos werden mehrheitlich nachts aufgeladen, da gibt es schon jetzt riesige Überkakazitäten. Ausserdem gibt es jede Menge Studien, die belegen, daß Stromautos keineswegs eine unverdaubare Belastung für die Stromversorgung darstellen. Da dürfte der Stromverbrauchsanstieg der Industrie während einer geringen Wachstumsphase ganz andere Ergebnisse produzieren.
hannes_schinder (02.07.2009, 15:17 Uhr)
Und wo kommt der Strom her?
Bevor es keine vernünftigen Lösungen zur Stromerzeugung gibt sind Elektroautos Unsinn. Atomstrom jedenfalls ist ein Verbrechen an der Menschheit, Frankreich ist da ganz vorn mit dabei.
ELdeLaMusica (02.07.2009, 15:10 Uhr)
E-Auto Euphorie?
Von TESLA ( ganz IN in Hollywood)über Prius bis E-Smart...
Momentan sind wohl viele geistig verwirrt. Die zahlreichen "weg mit AKW / weg mit Kohlkraftwerken" - Enthusiasten lobpreisen E-Mobile! Umweltfreundlich weil, Strom kommt ja aus der Steckdose! Abgeshen davon, dass viele dieser Fahrzeuge (noch) nicht käuflich sind, gibt es im Akku-/Batterienbereich (noch) immer keine adäquate Produkte zu den fossilen Brennstoffen - LEIDER!
Die Forscher sind gefordert und den Verblendeten sei empfohlen: erst nachdenken, bevor geplappert wird.
butcher99 (02.07.2009, 13:45 Uhr)
ein Kind der Krise
und gruppendynamischer Innovationsbesoffenheit.
Endlich wieder kotzen beim Autofahren? Das habe ich Gott sei Dank seit 40 Jahren hintermir.
Amin42 (02.07.2009, 13:37 Uhr)
Das wird der deutsche Staat NICHT akzeptieren
dass der Bürger für 3 Euro volltanken kann. Es ist ja jetzt bereits zu beobachten, wie sich die üblichen Lobbyisten zusammenrotten, und es wird mit Sicherheit so sein, dass der Strom zum Fahren ein vielfaches des normalen Stroms kostet.
gormiti (02.07.2009, 13:28 Uhr)
huch
Ichselbst fahre einen berlingo, Zwei Kinder, Berge von gepäck oder auch Waschmaschine, Kühlschrank Trockner gleichzeitig. Das ist doch der Sinn eines Autos?
Ich habe eine hübsche Frau, hübsche Kinder das reicht, mein Auto..pah das ist was für Langweiler. Auto muß Fracht von A nach B schaffen, wennes geht trocken. Sonst noch was?
gormiti (02.07.2009, 13:26 Uhr)
Na bitte geht doch
Alle machen es vor. Wie die Dinge aussehen is tdoch egal. Sie fahren, sauber, leise und hoffentlich auch preiswert. Vielelicht erfindet Deutschland noch schnell einen v12 für BMW, denn dann keiner will bis auf ein paar ewiggestrige. Gute Nacht Deutschland. Euer Sarg ist schon gezimmert, ich pinkel auf euer albernes Autograb!
soylentyellow (02.07.2009, 13:07 Uhr)
Ist auch nicht hässlicher als andere Autos
Ich weiß nicht was die anderen Kommentatoren alle haben - bei einem SPON Bericht über den Prius wurde auch vor allem am Aussehen herumgemäkelt.
Viele Autos sind nun mal hässlich (Man denke an einen Ford KA, den VW/BMW/Porsche/Audi SUV).
Im aktuellen ADAC Magazin ist ein Autotest mit den Kombis mehrer Marken. In der Seitenansicht sehen die alle so gleich aus dass ich daraus ein "Wo liegt der Unterschied" Gewinnspiel für die Leser machen würde. (Zuerst dachte ich es würden die verschiedenen Farbvarianten auf dem Bild gezeigt)
Dieses Auto sieht immerhin mal etwas anders aus, Wiedererkennungswert und so. So wie ein iQ oder der erste Twingo.
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