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Der Up für Sparsame

Der Citigo von Skoda ist genauso gut wie von VW der Up – nur billiger. Allerdings werden Sparfüchse mit einem absichtlich langweiligen Design bestraft.

Von Gernot Kramper

  Der Citigo ist nicht gerade häßlich, aber schon sehr unauffällig

Der Citigo ist nicht gerade häßlich, aber schon sehr unauffällig

Der Volkswagen-Konzern will die mobile Unterklasse aufrollen. Skoda schickt nun den Citigo ins Rennen: Es ist der Up für alle, denen der Volkswagen zu teuer ist. Volkswagen will den Erfolg im Kleinwagensegment nämlich nicht mit einem Einzelkämpfer sondern mit einer Armada erzwingen. Vom Start weg hat der Up von VW in Deutschland die Poleposition in seinem Segment erobert. Und der Erfolg soll weiter ausgebaut werden. Bereits fest geplant sind die jeweiligen Fünftürer als Ergänzung zu den Dreitürern. Sicher sind weitere Motorenvarianten. Nur andere Karosserieformen, die viel Geld für Entwicklung und Produktion kosten, werden auf sich warten lassen.

Identische Fahrzeuge

Skoda hat mit dem neuen Citigo nun auch seinen Up – eben den billigen. Das war zu erwarten. Die Aufgabe von Skoda besteht darin, den Up nach unten hin abzuschirmen. Der Citigo muss den Preiskampf mit Italienern und Koreanern aufnehmen. Dafür stehen die Chancen nicht schlecht. Denn der Skoda ist ein richtiger Volkswagen. Bedienten sich die Tschechen bei ihren bisherigen Modellen je nach Bedarf aus dem Teileregal der Wolfsburger Konzernmutter, wurde für den ersten Kleinstwagen gleich der komplette Up übernommen. Neue Nase davor, neues Heck dahinter, fertig! Den Umbau hätte auch jeder Bastler mit einem Stylingbausatz hinbekommen. Hinter der Ähnlichkeit steckt keine Philosophie sondern der Sparstift: Jede größere Veränderung kostet Geld, also beschränkt man sich auf den Grill.

Ob sich diese Strategie für Skoda und VW auf Dauer auszahlt, darf zu Recht bezweifelt werden. Die einzelnen Marken im VW-Konzern werden austauschbar, wenn sich die Modelle nur noch im Muster der Sitzpolster unterscheiden. Den Skodakunden kann es aber erstmal freuen: Er kann sicher sein, dass sein Citigo sich technisch nicht vom Up unterscheidet.

Absichtlich gesichtslos

Damit das Angebot von "günstiger, aber technisch gleichwertig" nicht allzu viele Liebhaber findet, wurde der Citigo absichtlich hässlich gemacht. Die optischen Defizite fallen sofort ins Auge. Die Front mit Chrom-Grill ist zwar typisch und trägt das neue Skoda-Logo, in der Vielzahl der Kleinstwagen-Konkurrenten vom Toyota Aygo, Citroen C1, Peugeot 107 oder Fiat Panda aber wirkt die unauffällige Karosserie blass und bieder. "Anders als beim stylischen Up liegt beim Citigo der Focus mehr auf dem funktionellen Aspekt", versucht Skoda-Sprecher Peik von Bestenbostel den Blässling schönzureden. Mehr Funktionalität als der Up bietet der Skoda freilich nicht.

Auch zum spröden Charme des Innenraums kann man nur "arm, aber sauber" sagen. Beim Up reißen die in Wagenfarbe lackierten Interieur-Blenden den Eindruck raus. Sie wirken pfiffig und frisch – sind aber nur in den gehobenen Ausstattungen dabei. Ein schicker Up kostet mindestens 12.000 Euro, ein kürzlich gefahrener Testwagen sogar 15.000 Euro. Ohne die bunten Plastikplanken wirkt der Up innen wie eine Hütte – der Citigo kommt über diesen Eindruck nicht hinaus. Dafür machen Verarbeitung und Haptik auf den ersten Blick einen guten Endruck. Auch die Geräumigkeit stimmt mit dem Wolfsburger überein. Vorne finden auf den bequemen Sitzen mit integrierten Kopfstützen auch groß gewachsene Menschen Platz, hinten wird es allerdings eng. Clever gemacht sind auch die vielen Haken im Kofferraum sowie die Haltenetze an den Vordersitzen. Die Autoinsassen werden noch verwöhnt durch Luxus wie Zettel- und Fotohalter am Armaturenbrett, einen ausklappbaren Haken im Handschuhfachgriff sowie durch ein praktisches Netzprogramm hinter der umklappbaren Rücksitzlehne im Kofferraum.

Frugale Ausstattung

Die Wohlfühlzutaten erschöpfen sich in Haken und Zettelhaltern. Wer einen "richtigen" Wagen der Polo- oder Golfklasse gewöhnt ist, muss sich in Up und Citigo auf automobiles Hartz IV einstellen. Selbst wenn man das Extra "elektrische Fensterheber" bestellt, gibt es auf der Fahrerseite keinen Knopf für die Scheibe beim Beifahrer –sehr gelenkige Piloten können so weit herüber greifen. Für hinten gibt es weder Hebel noch Schalter: Sie sind unnötig, beim Dreitürer sind die Scheiben fest verklebt. Öffnen ist nicht vorgesehen. Und im Fünftürer sind die hinteren Seitenfenster nur auszustellen. Derartige Überraschungen gibt es jede Menge.

Fahrwerk und Sicherheit überzeugen

Anderes kann der Citigo dafür wirklich gut. So verfügt er über eine vorbildliche Sicherheitsausrüstung. Neben serienmäßigem ESP, ABS und Frontairbags kommt in einem Skoda erstmals ein Kopf-Thorax-Seitenairbag für Fahrer und Beifahrer zum Einsatz. Das macht unterm Strich die Höchstwertung von fünf Sternen beim EuroNCAP-Crashtest. Darüber hinaus sorgt wie im Up der Lasersensor geführte Bremsassistent "City Safe Drive" für mehr aktive Sicherheit. Der Citigo ist zusammen mit dem Up und dem spanischen Modelldrilling Seat Mii das bislang einzige Fahrzeug im Kleinstwagen-Segment mit einer automatischen Notbremse.

  Kein Witz: Dieser Clip wird als Komfortfeature erwähnt. Man sieht: Schmalhans ist hier Küchenmeister

Kein Witz: Dieser Clip wird als Komfortfeature erwähnt. Man sieht: Schmalhans ist hier Küchenmeister

Offene Qualitätsfrage

Citigo und Up profitieren vom guten Image der Muttermarken, die Kunden erwarten von einem Skoda neben der Sicherheit Qualität und Langlebigkeit. Hier liegt die eigentliche Herausforderung für die Kleinwagen-Flottille. Denn bisher sorgten die Kleinstwagen von VW nur für Enttäuschungen. Der direkte Vorgänger des Up, der VW Fox, war sogar einer der schlechtesten Wagen, die man zu seiner Zeit überhaupt kaufen konnte. Ob Up und Citigo in Sachen Qualität mit Octavia und Golf mithalten können oder die ruhmlose Fox-Tradition fortführen, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Großzügigere Garantieleistungen, die informierte Kunden beruhigen könnten, sind nicht geplant. Die Antriebsarbeit im Citigo übernehmen die inzwischen ebenfalls bekannten Einliter-Dreizylinder aus dem Konzernregal. Die beiden Euro5-Benziner leisten auch hier 60 PS und 75 PS. Für die ihnen zugedachten Aufgaben im urbanen Umfeld reicht das allemal.

Der Preis wird heißer als Skoda wünscht

Über den exakten Preis schweigen die Tschechen noch bis zum Genfer Autosalon. In der Heimat, wo der Wagen schon seit November 2011 verkauft wird, kostet die Basisversion rund 7.200 Euro, allerdings ohne ESP und sonstige Goodies. In Deutschland werden die offiziellen Preise nach allem was man hört, knapp unter 9000 Euro für den Dreitürer starten, plus rund 500 Euro für die zusätzlichen Türen. Damit hätten die Tschechen mit knapp 900 Euro hinter den Wolfsburgern, die bei 9.850 Euro beginnen, den erwarteten Preis-Abstand gewahrt.

Über die Marktpreise sagt diese Preisempfehlung wenig aus. Derzeit bekommt man den größeren und wertigeren Skoda Fabia auch ab etwa 9000 Euro. Da der Citigo kaum als schicke Alternative taugt, werden seine Preise sofort unter der Druck geraten. Mitte des Jahres wird Soda die Mittelklasselimousine Rapid für 13.000 Euro anbieten. Dieser Hammerpreis wird die Preise alle anderen Modelle erschüttern. Den Sparer wird es freuen, die 9000 Euro sind jedenfalls nur Wunschdenken.

Gernot Kramper (mit Agenturen)
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