Nutzwert hat Vorfahrt

4. Mai 2013, 13:49 Uhr

Skoda setzt auf Bewährtes: Der Octavia Combi bleibt auch in der dritten Generation die erste Wahl für Familien, die viel Auto für wenig Geld wollen. Auf die 3,3-Liter-Sparversion muss man noch warten.

Skoda Octavia Combi

In der leichten Untersicht wirkt der Octavia durchaus rasant©

Die Deutschen lieben den Octavia Combi. Vor allem Familien, die rechnen müssen, schauen sich gern den praktischen Wagen an. Der Skoda ist immer günstiger als ein Golf und technisch nicht schlechter. Nur beim Thema Image muss der solide Tscheche passen. Doch genau damit spricht er Kunden an, die Qualität wollen, aber mit Autos, die sich zuerst als Lifestyleprodukt verstehen, nichts anfangen können. Der Octavia ist eine ehrliche Haut ohne Schi-Schi. Die dritte Generation rollt am 25. Mai zu Preisen ab 16.640 Euro zum Händler.

Wie sein technischer Zwilling Golf ist auch der neue Octavia Combi rund 100 Kilo leichter geworden. Mit 4,66 Meter ist er aber neun Zentimeter länger als der Vorgänger, den er auch beim Radstand um knapp elf Zentimeter übertrifft. Entsprechend geräumiger gestalten sich bei dem viertürigen Kombi die Innenraumlänge und Beinfreiheit im Fond. Auch bei Kopf- und Schulterfreiheit legte der Combi noch einmal spürbar zu. Damit empfiehlt er sich auch als Alternative zu den größeren Fahrzeugen wie Passat und Insignia, beim Thema Kofferraum sticht der Octavia die teure Konkurrenz jedenfalls aus.

Gelungene Proportionen

Mit 610 Litern übertrifft der Kofferraum sowohl den Vorgänger als auch den neuen Golf Variant um fünf Liter. Mit umgeklappter Rücksitzbank erhöht sich das Ladevolumen um 85 Liter auf 1740 Liter. Clever: Die Rücksitzlehne lässt sich für 80 Euro Aufpreis bequem per Knopfdruck vom Kofferraum aus umlegen. Ist dann noch der Beifahrersitz nach vorn geklappt, darf das Regal auch mal 2,92 Meter lang werden. Neu ist auch die Ablage für automobilen Krimskrams wie Regenschirme unter der Kofferraumabdeckung.

Die gestreckte Linie und der breitere Radstand betonen zusammen mit dem kürzeren Überhang vorn die eleganten Proportionen. Von der Front, identisch mit der Limousine, laufen die flächigen Seiten geradlinig ohne Schnörkel in eine leicht abfallende Heckpartie. Die ist scharf geschnitten und ähnelt der Limousine mit den auffälligen Blechknicken und den großen C-förmigen Rückleuchten, die weit ums Eck laufen. Das markante Heck ist wichtig, schauen bei einem Kombi eben doch alle öfter mal aufs Hinterteil. Und das ist im neuen Octavia Combi im Wortsinne großartig.

GreenLine-Version zum Jahresende

Auch das Beladen läuft einfach und bequem, dank weit nach oben schwingender Heckklappe. Im Innenraum finden sich praktische Features: ein Universalhalter in der Mittelkonsole für Mobiltelefon oder iPod, Abfallbehälter für die Ablagefächer in den Türen sowie Halter für bis zu acht Flaschen oder Trinkbecher. Mühseliges Suchen ersparen der serienmäßige Eiskratzer in der Tankklappe und die in einem speziellen Halter sofort greifbare Warnweste unter dem Fahrersitz.

Technik und Motoren sind identisch zur Limousine. Im Angebot sind vier Benzindirekteinspritzer, vom 1,2 TSI mit 63 kW/86 PS bis zur 132 kW/180 PS starken Topmotorisierung 1,8 TSI, sowie drei Diesel mit 66 kW/90 PS, 77 kW/105 PS und 110 kW/150 PS. Vor allem letzterer überzeugt mit Durchzug und Laufruhe und ist sowohl für forsches Autobahntempo wie für die anspruchsvollere Berg- und Talfahrt ein idealer Begleiter. Bis auf den Basis-Benziner sind alle Motoren mit Start-Stopp-System und Bremsenergierückgewinnung ausgestattet. Zum Jahresende folgt eine verbrauchsarme GreenLine-Version mit einem 81 KW/110 PS starkem 1,6-Liter-TDI, der Normwerte von 3,3 Liter im Schnitt oder 87 g/km CO2 erreichen soll. Auch eine Erdgasvariante haben die Tschechen noch in petto. Der Top-TSI sowie die beiden stärkeren Diesel können außerdem mit einem neuen Allradantrieb geordert werden. Auf rutschigem Belag, an steilen Geröllhängen, auf Schnee, Eis oder auch nur bei Starkregen zieht der Octavia damit unbeirrt seine Spur.

Skoda Octavia Combi

Der Laderaum ist bei Octavia das Maß der Dinge.©

Ärgerliche Aufpreispolitik

Also alles gut beim neuen Skoda Octavia? Nicht ganz. Wie so oft stecken die kleinen Ärgernisse in einer ellenlangen Aufpreisliste. Hier herrscht auch bei Skoda die übliche Apothekermentalität. Das kann die Konkurrenz aus Korea deutlich besser. Beim Preisvergleich darf man sich nicht von den Einstiegspreisen blenden lassen, sondern muss die Endpreise mit Sonderausstattung nebeneinander stellen. Beim Skoda kostet eine Klimaanlage beispielsweise, in der Basisversion Active nicht Serie, stolze 1120 Euro. Überhaupt sind in dieser Grundausstattung viele der angepriesenen Komfortdetails gar nicht zu bekommen. Und wiederum sind viele Features und Assistenzsysteme nur in Kombination mit diversen Ausstattungspaketen zu haben. Ach ja, und ohne Aufpreis ist der Octavia nur in schlichtem Blau oder Weiß zu bekommen, Sonderfarbe rot kostet 195 Euro, alle anderen Metalliclackierungen 520 Euro.

Die Aufpreispolitik ändert aber nichts daran, dass der Octavia Combi ein interessantes Angebot ist. Kaufinteressierte sollten bedenken, dass der Octavia stets mit Händlerpaketen angeboten wird, bei denen zu einem fairen Preis die beliebtesten Extras mit an Bord sind. Vor allem wenn man den Skoda wegen seines großen Kofferraums als Alternative für einen Touran oder einen Passat Variant in Betracht zieht, ist der Preisunterschied gewaltig.

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