Geiz ist geil

5. November 2003, 14:59 Uhr

Als Skoda den Passat 2001 um einige Zentimeter verlängerte und das Ergebnis Superb nannte, wollte kaum jemand etwas von der tschechischen Limousine mit dem protzigen Namen wissen. Böser Fehler.

Skodas Superb ist ein langer Lulatsch mit Luxus im Blut©

Als Skoda den Passat 2001 um einige Zentimeter verlängerte und das Ergebnis Superb nannte, wollte kaum jemand etwas von der tschechischen Limousine mit dem protzigen Namen wissen. Böser Fehler. Inzwischen macht der XXL-Passat den Platzhirschen der gehobenen Mittelklasse schwer zu schaffen. Wir waren mit dem Superb unterwegs.

Sturer Mercedes-Fahrer

Eine laue Septembernacht auf der Autobahn 81, knapp 50 Kilometer vor Würzburg. Auf der linken Spur hat sich eine Mercedes E-Klasse breit gemacht und rollt zügig über die praktische leere Autobahn. Die beiden hellen Scheinwerfer, die in seinem Rückspiegel langsam größer werden, lassen den Sternfahrer völlig kalt. Noch. Als der andere Wagen nahe genug ist, wechselt der schwere Mercedes auf die rechte Spur und lässt die Limousine hinter ihm passieren. Alles kein Problem.

Zumindest so lange, bis der E-Klasse-Chauffeur das grünliche Logo am Kofferraum der Limousine entdeckt. Ein Skoda? Reflexartig tritt er sein Gaspedal bis zum Bodenblech durch und nimmt die Verfolgung auf.

Automobile Hackordnung

Nur wenige Minuten später klebt der gedemütigte Mercedes-Fahrer an der Stoßstange meines 4,80 Meter langen Test-Skodas und versucht lichthupend, die automobile Hackordnung wiederherzustellen. Ein Skoda, der einen Mercedes überholt. Wo gibt's denn sowas? In Anbetracht des einsetzenden Regens gebe ich bei knapp 200 Sachen klein bei und lasse der E-Klasse den Vortritt. Nicht, ohne mir vorher noch die vernichtenden Blicke meines beschlipsten "Spielkameradens" abzuholen. Es bleibt das schöne Gefühl, dass der gute Mann seinen Triumph mit einem dicken Scheck bezahlt hat. Eine mit meinem Superb vergleichbar ausgestatte E-Klasse kostet um die 48.000 Euro. 8.000 Euro mehr als der Skoda. Geiz ist geil!

Clever: In der Türverkleidung steckt ein Skoda-Schirm©

Die Begegnung mit dem "durchgeknallten" Daimler-Fahrer steht exemplarisch für ungezählte ähnliche "Duelle", die sich auf meiner Tour von Stuttgart nach Hamburg zugetragen haben. Ob Mercedes, BMW oder Audi - irgendwie kann sich kaum ein Fahrer deutscher Mittelklasse-Modelle damit abfinden, von einem Skoda überholt zu werden.

Optischer Leisetreter

Zugegeben, es gibt auffälligere Autos als einen Superb. Abgesehen von dem großen, chrombeschlagenen Kühlergrill ist die Karosserie ähnlich spannend wie ein VW Passat. Nett, aber nichts besonderes. Wäre da nicht der Längenunterschied von genau zehn Zentimetern, könnte man die beiden im Profil kaum voneinander unterscheiden. Die Tschechen selbst nennen das Design zeitlos und legen außerdem das Attribut klassisch oben drauf. Auch eine Möglichkeit, die etwas angestaubten VW-Linien aufzuwerten.

Platz satt

Im Innenraum angekommen, ist der lahme Look der Karosserie schnell vergessen. In Sachen Platzangebot schlägt der lange Skoda jeden seiner Mitbewerber. Zehn zusätzliche Längen-Zentimeter machen's möglich. Zusätzlich konnte unser Testwagen in "Elegance"-Ausführung (Grundpreis 35.950 Euro) noch mit hellem Leder (620 Euro Aufpreis) glänzen. Auf den großen Vordersitzen ist man bestens aufgehoben, alle nötigen Einstellungen lassen sich elektrisch vornehmen. Lediglich im Schulterbereich lässt das Gestühl den nötigen Seitenhalt vermissen. Schön: die Mittelkonsole im Wurzelholz-Design. Unschön: das Edelholz-Dekor wechselt immer wieder Farbton und Maserung. Das kann die Konkurrenz wesentlich besser.

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